04.05.2021

Towers siegen gegen Göttingen in letzter Sekunde

Mit einer neuen persönlichen Bestleistung und den letzten sieben Punkten sichert TJ Shorts den Hamburg Towers den 93:91-Heimsieg gegen die BG Göttingen.

Kleiner Mann ganz groß. TJ Shorts misst 1,75 Metern, ist derzeit der kleinste Spieler der easyCredit BBL. Beim 93:91-Sieg der Hamburg Towers gegen die BG Göttingen spielte der Point Guard ein weiteres Mal in dieser Spielzeit groß auf, markierte die letzten sieben Punkte des Teams von Pedro Calles, stellte mit 24 Zählern eine neue persönliche Bestleistung auf und sicherte so den knappen Erfolg im letzten Hauptrunden-Heimspiel. Nach holprigem Start gehörten die ersten Szenen seinen Guard-Kollegen Hollatz und DiLeo – mit TOP10-Bewerbungen ebneten sie den Weg zum ersten Vorsprung. Doch den Towers fehlte die offensive Konsequenz, nach einem Göttinger 9:0-Lauf leuchtete zum Ende des ersten Viertels ein 21:21 auf der Anzeigetafel. Mit fünf schnellen Punkten bauten die Veilchen ihren Run viertelübergreifend auf 14:0 aus, sicherten ihre erste Führung des Abends. Anschließend war es zunächst das Duo Kotsar-Swing, dann der bärenstarke Hollatz – 13 seiner 15 Punkte erzielte der Youngstar bis zur Pause – die die Towers mit einem 12:0-Run erstmalig zweistellig in Front brachten. Insgesamt nahmen die Hamburg Towers in der ersten Hälfte 15 Würfe mehr als ihre Gegenüber, eine ausbaufähige Quote – vor allem aus der Distanz – verhinderte jedoch einen deutlicheren Vorsprung. So verabschiedeten sich beide Teams beim Stand von 49:40 in die Kabinen.

Nach dem Sieg im letzten Heimspiel der Hauptrunde hatten die Hamburg Towers gut lachen. | Foto: MSSP

Auch nach dem Seitenwechsel brauchten die Towers einige Anläufe, um ihren Rhythmus wiederzufinden. Mit sechs schnellen Punkten verhalf Patrick Spencer seinem Team zur höchsten Führung des Abends (57:44). Erneut gelang es den Hamburgern jedoch nicht, ihr Momentum aufrechtzuerhalten. Stattdessen verkürzten die Göttinger abermals. Erst ein unsportliches Foul von Jordan Swing brachte die Initialzündung für einen Schlussspurt im dritten Viertel, sodass die Hamburg Towers mit einer 73:63-Führung in die letzten zehn Minuten starten konnten. Angeführt von Osaro Jürgen Rich erhöhten die Towers noch einmal auf 13-Punkte, Göttingen schien in der Folge sichtlich verunsichert. Mit einer Auszeit verhalf Roel Moors seinem Team, alle Irritationen abzuschütteln – vier Dreier von Göttingens Topscorer Lomazs brachte die Niedersachsen zwei Minuten vor dem Ende wieder auf einen Punkt heran. Doch dann begann die stärkste Phase von TJ Shorts. Der Guard hatte immer die richtige Antwort parat, erzielte die letzten sieben Punkte aufseiten der Hamburg Towers und sorgte mit einem Mitteldistanzwurf 1,3 Sekunden vor Ende für die Entscheidung. Kleiner Mann ganz groß.

Justus Hollatz erzielte 13 seiner 15 Punkte in der ersten Halbzeit. | Foto: MSSP

Kurzer Schnack nach dem Spiel:

Benka Barloschky: „Uns war vor dem Spiel klar, dass Göttingen eine Mannschaft ist, die sehr viel Firepower hat, die auch in kurzer Zeit solch ein Spiel wieder knapp machen kann. Göttingen hat einfach unglaublich viel Qualität von der Dreierlinie, da waren sie auch heute sehr gefährlich. Wir haben einige Fehler gemacht, das Foul-Management war nicht so eingeplant. So blieb die Tür für Göttingen immer einen Spalt geöffnet. Lomasz ist am Ende heiß gelaufen, Vargas hat ebenfalls ein super Spiel gemacht, so wurde es nochmal ein knappes Spiel.“

TJ Shorts: „Es war kein spezieller Moment, in dem ich realisiert habe, dass ich nun Verantwortung übernehmen muss. Ich habe das Spiel gefühlt und Coach Calles hat die Spielzüge für mich laufen lassen. Ich habe erst spät meinen Rhythmus gefunden und war sehr froh, dass ich meinem Team letztendlich doch noch zum Sieg helfen konnte.“

Justus Hollatz: „Alles in allem bin ich ganz zufrieden mit dem Spiel. Ich glaube, ich hätte in der zweiten Halbzeit noch aggressiver bleiben müssen, habe leider ein paar offene Korbleger verlegt. Aber zusammengefasst kann ich, denke ich, schon zufrieden sein.“

Das Spiel im Detail:

Mit einem lauten Knall starteten die Towers in die Partie – zumindest knallte Justus Hollatz nach seinem And One lautstark auf das Parkett, ebenso Maik Kotsar, der beim Rebound gefoult wurde. Ein wirklicher Knaller war die Partie zu Beginn allerdings noch nicht, Punkte fielen hauptsächlich von der Freiwurflinie (5:3, 3.). Das änderte sich aber schlagartig. Mit einem Posterdunk über Kramer bewarb sich Justus Hollatz ein weiteres Mal für einen Platz in der Magenta Sport TOP10 – Max DiLeo stand seinem Mannschaftskollegen mit einem artistischen And One in nichts nach. Nach Punkten von Maik Kotsar und TJ Shorts sah sich Göttingen zur Auszeit gezwungen (15:7, 6.). Auch nach der Unterbrechung blieben die Towers am Drücker, kratzen zwischenzeitlich an der ersten zweistelligen Führung. Gleich drei Würfe in Folge drehten sich jedoch unglücklich aus dem Korb, sodass ein Göttinger 9:0-Lauf zum Ende des ersten Viertels wieder für einen ausgeglichenen Spielstand (21:21) sorgte.

Gleich drei erfolgreiche Abschlüsse legten die Göttinger zum Start des zweiten Abschnittes nach, gingen zwischenzeitlich mit sechs Punkten in Führung. Dem starken Duo Kotsar-Swing war zunächst der abermalige Ausgleich zu verdanken, Justus Hollatz vollendete einen Hamburger 12:0-Lauf und brachte die Führung zurück (33:29, 14.). Nach einer anschließenden Auszeit der Veilchen griffen die Towers erneut nach dem zweistelligen Vorsprung, agierten abermals jedoch offensiv nicht konsequent genug. Auf ihre Defensive konnte sich die Mannschaft von Pedro Calles indes verlassen. Ein Ballgewinn von TJ Shorts ermöglichte Justus Hollatz im Fastbreak einen offenen Wurf von der Dreierlinie. Diese Chance ließ sich der Youngstar nicht entgehen und führte den langersehnten zweistelligen Vorsprung herbei (47:37, 19.). Die Gäste legten ihrerseits einen Distanztreffer nach, Zac Cuthbertson brachte per Layup die letzten Zähler der ersten Hälfte auf die Anzeigetafel – so ging es mit einer 49:40-Führung für die Towers in die Kabine.

Gemeinsam stark. | Foto: Dennis Fischer

Während den Göttingern gleich der erste Versuch nach dem Seitenwechsel glückte, brauchten die Towers vier Anläufe, um die ersten Zähler der zweiten Halbzeit zu erzielen. Die Hamburger Defensive war dagegen von Wiederbeginn an zur Stelle und ließ die Towers Selbstbewusstsein tanken – Patrick Spencer nutze die Drangphase für seine sechs Zähler (57:44, 24.). Ein weiteres Mal gelang es den Hamburgern jedoch nicht, ihr Momentum aufrechtzuerhalten. So ging es in der Folge hin und her – Justus Hollatz und Maik Kotsar punkteten zumeist aufseiten der Towers, die Göttinger verteilten ihre Offensive auf mehrere Schultern und kamen Punkt um Punkt heran (65:60, 30.). Ein Foul von Jordan Swing, welches nach Rücksprache als unsportlich gewertet wurde, unterbrach das Hin und Her und legte bei den Towers einen Schalter um. Zunächst ein And One von Swing, anschließend der Ballgewinn vom eingewechselten Osaro Jürgen Rich, abschließend ein Drei-Punkt-Spiel von Shorts und der Buzzerbeater von Rich – zum Ende des dritten Viertels (73:63) brachten sich die Towers wieder zweistellig in Front.

Der Schlussabschnitt begann mit Distanztreffern auf beiden Seiten. Vom stetigen Seitenwechsel schien Osaro Jürgen Rich nun endgültig die Nase voll zu haben, stibitzte Nelson den Ball und zwang Göttingen mit einfachen Fastbreak-Punkten zur Auszeit (81:68, 33.). Die Verunsicherung bei den Veilchen stieg, die Routiniers Vargas und Kamp leisteten sich unbedrängt Ballverluste, wirklich nutzen konnten die Towers die Göttinger Schwächephase aber nicht (83:72, 35.). Nach einer Auszeit brachten sich die Niedersachsen mit acht schnellen Punkten – darunter zwei Dreier ihres Topscorers Lomazs – wieder in Schlagdistanz. Zwei weitere Distanztreffer des Letten sorgte für unnötige Spannung zum Start der Crunchtime (87:86, 38.). Mit Anbruch der letzten zwei Minuten übernahm Göttingen kurzzeitig die Führung, Shorts hielt dagegen. Zum Start der letzten Minute das gleiche Bild – Führung Göttingen, gefolgt von zwei Punkten durch Shorts (91:90, 40.). Per Freiwurf glich Kamp zum 91:91 aus, die Towers konnten den letzten Angriff ausspielen – bei 1,3 Sekunden Restzeit gelang TJ Shorts der entscheidende Treffer aus der Mitteldistanz zum 93:91-Heimsieg.

Towers-Statistiken: Shorts (24 Punkte), Swing (8, 4 Ass.), DiLeo (6), Rich (4), Kotsar (21), Richter, Hollatz (15, 7 Reb.), Allen (1), Cuthbertson (8, 4 Reb.), Spencer (6)

PLAYOFFS, BABY! Am 20. Mai geht es los!