08.03.2019

Towers reisen zum Überraschungsteam

Towers reisen zum Überraschungsteam

Es ist ein Duell der Gegensätze, das die Hamburg Towers am Sonntag, 10. März, um 17 Uhr erwartet: bester Angriff gegen stärkste Verteidigung, Überraschungsmannschaft gegen Aufstiegskandidaten, Kleinstadt gegen Metropole. Eins hat das TEAM EHINGEN URSPRING jedoch gemeinsam mit den Wilhelmsburgern: Es ist auf dem besten Weg in die Playoffs.

Im Vorjahr nur am grünen Tisch in der 2. Bundesliga geblieben, zum Saisonstart als Abstiegskandidat gehandelt, und nun Tabellenfünfter (15:11-Bilanz). Wer auch immer behauptet, er habe mit dieser Entwicklung gerechnet, hält es mit der Wahrheit ähnlich wie Donald Trump. „Ehingen spielt exzellent, sie sind die große Überraschung der Saison, und mir gefällt extrem gut, wie sie in der Offensive spielen“, ist auch Towers-Headcoach Mike Taylor voll des Lobs über die Arbeit seines Kollegen Domenik Reinboth.

Die junge Mannschaft aus dem 25000-Einwohner-Ort an der Donau hat sich keinesfalls durch Verkettung glücklicher Umstände in die Ligaspitze katapultiert. Der Erfolg der Baden-Württemberger hält der Statistikprobe stand. Mit 114,4 Punkten pro 100 Ballbesitzen stellen sie die gefährlichste Offense der ProA. Das Aufeinandertreffen mit der härtesten Defense, die von den Towers gestellt wird (100,6 Defensiv-Rating), dürfte faszinierend werden. Ebenso wie der Kampf an den Brettern. Ehingen schnappt sich 30,9 Prozent der eigenen Fehlwürfe, die Towers sammeln 78,1 Prozent der Defensivrebounds ein – jeweils Spitzenwerte. Mit 52,6 Prozent (Urspring), respektive 52,7 Prozent (Hamburg) Rebound-Rate sind die Kontrahenten auf den Plätzen drei und zwei im Rebounding hinter Tabellenführer NINERS Chemnitz. Darüber hinaus geht 72,5 Prozent der Feldkörbe der Gastgeber ein Assist voraus (Platz zwei), vor allem Produkt des genialen Point Guards Rayshawn Simmons (11,7 Punkte pro Spiel/9,4 Assists pro Spiel), der die Liga bei den Vorlagen anführt.

Der Ex-Klub der Towers Justin Raffington und Malik Müller, der vergangenes Wochenende mit 73:84 in Chemnitz unterlag, überzeugt auch durch leidenschaftlichen Einsatz. Dies war unter anderem im Hinspiel zu beobachten, als die Ulmer Vorstädter nach hohem Rückstand zurückkamen, letztlich jedoch deutlich mit 81:105 unterlagen. „Zu Hause sind sie souverän, mit einer 10:3-Bilanz fast so gut wie wir“, warnt Taylor vor dem Gastspiel in der Sporthalle des Johann-Vanotti-Gymnasiums. Noch größeren Respekt hegt er allerdings vor den Akteuren, die dort regelmäßig auflaufen. Allen voran Forward Kevin Yebo (15,8 PpS/9,8 Rebounds pro Spiel), der mit Fug und Recht behaupten kann, der beste deutsche Spieler der BARMER 2. Basketball Bundesliga zu sein und kommende Saison mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Liga höher seine Talente präsentieren darf. „Yebo ist enorm vielseitig und athletisch. Es wird eine Herausforderung, ihn zu stoppen“, sagt Taylor. Mit Flügelspieler Seger Bonifant (15,4 PpS) steht der potenteste ProA-Dreierschütze (53,5 Prozent bei 4,6 Versuchen) im Kader der Neon-Grünen. Tanner Leissner (15,7 PpS) ist laut Taylor einer der meist unterschätzten Zweitliga-Stars.

Für die Towers steht nicht nur eine spannende Partie an, es sei „eine aufregende Phase“, betont der Cheftrainer: „Wir kämpfen um eine günstige Ausgangsposition in den Playoffs, jeder Angriff ist ab jetzt ein besonderer.“ Besonders knifflig gestaltet sich aktuell jedoch die Rotation auf den Guard-Positionen, auf denen René Kindzeka (Innenbandanriss im linken Knie) mindestens zwei weitere Wochen fehlen wird und Scootie Guyton (Bänderriss im linken Knöchel) sowie Hrvoje Kovacevic (Muskelfaserriss in der rechten Wade) drei bis vier Wochen ausfallen. „Die Jungs machen Fortschritte, aber solange sie fehlen, müssen wir uns mehr auf unsere Schlüsselspieler verlassen und Hilfe von den Youngstern bekommen“, erklärt Taylor. Besonders von Justus Hollatz (17 Jahre/1,2 PpS) und Jürgen Rich (20 Jahre/1,2 PpS) erhofft sich der 46-Jährige einen Leistungssprung. „Es ist an mir, eine Rolle für Justus zu finden, in der er nicht überfordert ist. Er hat alles Talent der Welt, um diese Aufgabe zu meistern. Jürgen hat sich zuletzt stark verbessert, und wir hoffen, dass er uns einen ähnlichen Push geben kann wie Wedel in der ProB.“

Zur sonntäglichen Nachmittagsunterhaltung wird das Duell auf www.airtango.live gezeigt. Gegen 16.45 Uhr beginnt die Übertragung aus Ehingen.