02.05.2021

Towers ohne Wurfglück in Crailsheim

Gegen die HAKRO Merlins Crailsheim fehlt den Hamburg Towers das Wurfglück. Auch 26 Punkte von Maik Kotsar können die 85:79-Niederlage nicht verhindern.

Die Hamburg Towers reboundeten gut, klauten ihren Gegenübern zehnmal den Ball, erzwangen insgesamt 21 Ballverluste – für einen Sieg bei den HAKRO Merlins Crailsheim reichte es jedoch nicht. Denn zu oft ließ das Team von Pedro Calles einfache, offene Würfe ungenutzt – vor allem aus der Distanz und von der Freiwurflinie. Schon in den Anfangsminuten zeigte sich die diesabendliche Schwäche im Abschluss, zunächst noch auf beiden Seiten. Doch die Merlins fanden schneller den Weg auf die Anzeigetafel und in die Partie. Die Towers leisteten sich sechs ihrer insgesamt 13 Ballverluste im ersten Abschnitt, trafen keinen Dreier (0/5) und nur einen Freiwurf bei vier Versuchen. Zwar zeigten sich die Merlins von der Freiwurflinie nicht deutlich treffsicherer, dafür aber aus der Distanz. Folgerichtig führten die Gastgeber nach dem ersten Viertel (23:17). An der Crailsheimer Treffsicherheit änderte sich auch bis zur Halbzeitpause nichts. Während die Merlins mit einer Fabelquote (64%) aufwarteten, fiel bei den Towers nur ein Distanzwurf bei 12 Versuchen. Dank Einsatz, Kampf und guten Abschlüssen in Korbnähe blieben die Towers zur Halbzeit (47:42) aber im Spiel.

Maik Kotsar und TJ Shorts mit dem Double Team gegen Trae Bell-Haynes. | Foto: dieLICHTBUILDER Klamann & Bauer

Herausragender Akteur aufseiten der Crailsheimer war Trae Bell-Haynes. Zur Pause legte der Guard 12 Punkte, 8 Assists und 8 Rebounds auf – am Ende sollte ihm ein Abpraller zum Triple Double fehlen. Eine kurze Abwesenheit des MVP-Kandidaten im dritten Viertel ermöglichte den Hamburg Towers nach zwischenzeitlichem zweistelligem Rückstand den erneuten Anschluss. Weil es das Team von Pedro Calles schaffte, den Crailsheimer Anführer anschließend drei Ballverluste anzuhängen, glückte Jordan Swing per Dreier ein kurzzeitiger Führungswechsel. Beim Stand von 63:62 begannen die letzten zehn Minuten. Zunächst schien es, als hätten die Towers jetzt das richtige Mittel gefunden. Maik Kotsar, der am Ende mit 26 Punkten eine neue persönliche BBL-Bestleistung aufstellte, führte einen weiteren Ausgleich herbei. Doch ein Crailsheimer 10:2-Lauf machte die Hoffnungen auf einen entscheidenden Turnaround zunichte. Immer wieder erarbeiteten sich die Towers zweite Wurfchancen – 17 Offensivrebounds belegen den Einsatz, daraus resultierten 22 Wurfversuche mehr als auf Crailsheimer Seite – abwenden ließ sich die 85:79-Niederlage dadurch aber nicht.

Mit 26 Punkten stellte Maik Kotsar eine neue BBL-Bestleistung auf. | Foto: dieLICHTBUILDER Klamann & Bauer

Kurzer Schnack nach dem Spiel:

Pedro Calles: „Unsere Defensive hat ein weiteres Mal sehr gut funktioniert, wir haben unseren Gegner in 21 Ballverluste gezwungen. Dank unserer Defensive hatten wir die Chance zum Sieg, unsere Offensive hat uns ein erfolgreiches Ende verwehrt. Trotz der Verletzungen, der sehr kurzen Rotation haben wir sehr gut gekämpft. Mit hat es gefallen, wie wir aufgetreten sind und gespielt haben.“

Maik Kotsar: „Beide Teams haben heute alles auf dem Feld gelassen, beide waren sehr aggressiv und bereit zu kämpfen. Ich glaube eine der Ursachen für die heutige Niederlage war, dass wir nicht gut geworfen haben. Wir haben viel liegen lassen, haben auch einfache, offene Würfe nicht getroffen. Ich bin dennoch sehr stolz auf unser Team, dass wir die ganze Zeit gekämpft und uns nicht haben unterkriegen lassen. Zudem haben wir einen sehr vernünftigen Job in der Defensive gemacht.“

Das Spiel im Detail:

Fehlwürfe und Ballverluste prägten die ersten Minuten der Partie. Nachdem Crailsheim von der Freiwurflinie den Premierenpunkt des Abends auf die Anzeigetafel gebracht hatte, tauten beide Teams langsam auf – zwei Dreier verhalfen Crailsheim zur Führung (9:4, 4.). Die Einwechslungen von Patrick Spencer und TJ Shorts brachten neuen Schwung in das Spiel der Hamburger – mit zwei starken Abschlüssen sorgte der kleinste Tower prompt für den Anschluss (12:10, 6.). Nach der kurzen Hochphase ließ die Konsequenz beider Kontrahenten im Abschluss aber wieder nach, vergebene Freiwürfe, Fehlwürfe und Ballverluste häuften sich. Die Towers arbeiteten zwar gut am offensiven Brett, konnten sich aber auch nach drei zweiten Chancen in Folge nicht für ihren Einsatz belohnen. So blieb Crailsheim dank Freiwürfen von Radosavljevic in Führung (18:14, 9.). Mit viel Tempo konnte sich Patrick Spencer trotz Foul durchsetzen, in den Schlusssekunden zeigte sich Crailsheim aber einen Schritt schneller – nach dem ersten Viertel lagen die Hamburg Towers 23:17 in Rückstand.

Auch zum Start des zweiten Viertels änderte sich am Spielgeschehen zunächst nichts. Per Korbleger brachte McNeace die Merlins mit sieben Zählern in Front. Dem Einsatz und Kampfgeist der Towers, und zwei weiteren Offensivrebounds, war es zu verdanken, dass Terry Allen aus der Distanz – mit dem ersten Erfolg im achten Versuch – anschließen konnte (28:24, 14.). Die Freude währte allerdings nur kurz, denn zwei Dreier der Merlins ließen den Rückstand wieder in die Höhe schnellen. Erneut war Allen zur Stelle, wandelte einen Fehlwurf in einen Dunk um und hielt die Hamburger im Spiel. (34:27, 16.). Sinnbildlich für den bisherigen Spielverlauf auch die nächste Szene: Während Maik Kotsar hart für sein And One arbeiten musste, hatte sein Gegenüber Radosavljevic auf der Gegenseite freie Sicht und genug Zeit für seinen bereits zweiten Distanztreffer (39:30, 17.). Doch auch von den zahlreichen Crailsheimer Dreiern und den eigenen vergebenen Chancen ließen sich die Towers nicht aus der Ruhe bringen – TJ Shorts und Maik Kotsar fanden immer wieder Lücken und ließen die Merlins bis zur Halbzeit (47:42) nicht enteilen.

TJ Shorts mit starkem Drive. | Foto: dieLICHTBUILDER Klamann & Bauer

Nach dem Seitenwechsel sorgte das Towers-Duo mit einem sehenswerten Pick&Roll für einen gelungenen Wiederbeginn, verkürzte mit dem gleichen Spielzug, ehe Radosavljevic von der 6,75-Meter-Linie dagegensetzte (52:46, 23.). Fünf weitere schnelle Zähler der Hausherren sorgten für den ersten zweistelligen Rückstand auf Towers-Seite und einer direkten Auszeit von Pedro Calles, aus der Osaro Jürgen Rich per Dreier heraus verkürzen konnte (57:49, 25.). Nach zwei Freiwürfen bekam Crailsheims Bell-Haynes eine Verschnaufpause, die Towers nutzen die Abwesenheit des Triple Double-Anwärters, um seinen Vertreter Hillard defensiv unter Druck zu setzen – die Folge war ein 6:0-Lauf und der erneute Anschluss (59:55, 26.). Nach Bell-Haynes‘ Wiedereinwechslung legte der Guard prompt zwei weitere Zähler auf, gleichzeitig nötigten die Towers den Crailsheimer Anführer zu drei Ballverlusten und münzten diese im Fastbreak durch Shorts und Rich in Zählbares um (61:59, 29.). Ausgerechnet per Dreier, Jordan Swing netzte den dritten Treffer bei 17 Versuchen, übernahm das Team von Pedro Calles kurzzeitig die Führung. Zwei Crailsheimer Freiwürfe änderten das zwar fix, die Towers waren nach dem dritten Viertel (63:62) aber zurück im Spiel.

Wieder per Dreier, wieder Jordan Swing – so starteten die Towers in die letzten zehn Minuten, ehe Crailsheim zweimal in Folge in Korbnähe erfolgreich war. Auf der Gegenseite war es dann Maik Kotsar, der nach Anspiel von Hollatz unbedrängt ausgleichen konnte (67:67, 33.). Die Hamburger fanden in der Folge aber kein Mittel, um den Turnaround herbeizuführen. Stattdessen tankten die Merlins wieder Vertrauen, Bell-Haynes beendete mit einem artistischen Abschluss einen Crailsheimer 10:2-Lauf (77:69, 37.). Nach einer folgerichtigen Hamburger Auszeit fand TJ Shorts zunächst schnell einen freien Wurf aus der Mitteldistanz, das Crailsheimer Momentum hielt aber an. Während die Hausherren zu einfachen Abschlüssen kamen, mussten die Towers hart für ihre Anschlüsse arbeiten. Tip-Ins von Patrick Spencer und Maik Kotsar waren zwar sehr sehenswert, reichten jedoch nicht, um in der Schlussphase abermals entscheidend zu verkürzen und die 85:70-Niederlage abzuwenden.

Towers-Statistiken: Shorts (16 Punkte), Swing (8), DiLeo (2), Rich (7), Kotsar (26, 8 Reb.), Richter, Hollatz (2), Allen (9), Cuthbertson (2), Spencer (7)

PLAYOFFS, BABY! Am 20. Mai geht es los!