29.04.2021

Towers können sich in Bayreuth nicht belohnen

Nach deutlichem Rückstand gelingt die Aufholjagd, eine entscheidende Wende bleibt aber aus – die Hamburg Towers verlieren gegen medi Bayreuth 90:83 (47:34).

Weil Kameron Taylor, ebenso wie Bryce Taylor und Marvin Ogunsipe, verletzt aussetzen mussten, sah sich Pedro Calles gezwungen, seine in den letzten acht Partien etablierte Starting Five zu verändern. Doch die Anfangsformation fand schnell in die Partie. Mit einem Posterdunk gegen Nationalmannschaftskollege Seiferth setzte Justus Hollatz, nominiert für den Award „Bester deutscher Nachwuchsspieler“, das erste Highlight. Anschließend kam auch Bayreuth in die Partie. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich gelang es den Towers aber erneut, sich ein kleines Polster zu erarbeiten – nach zehn Minuten führten die Hamburger 16:20. Mit drei schnellen Punkten knüpfte der mit dem Start ins zweite Viertel eingewechselte Patrick Spencer an. Fortan hatten die Towers dann allerdings deutliche Probleme zu weiteren Punkten zu kommen. Die Gastgeber spielten sich, angeführt von dem erst 19-jährigen Bruhnke – der bis zur Halbzeit zehn Punkte erzielte –, in einen Rausch, wirkten auch defensiv deutlich präsenter als noch im Anfangsviertel. Auch sechs Zähler von Maik Kotsar zum Anschluss sowie zwei Auszeiten von Pedro Calles konnten das Momentum nicht stoppen. Mit 31:14 ging das zweite Viertel deutlich an Bayreuth – Hamburg lag zur Halbzeit 47:34 in Rückstand.

Keine einfache Partie für Maik Kotsar, der am Ende 23 Punkte auflegte. | Foto: Thorsten Ochs

Nach dem Seitenwechsel gelang es den Towers kurzzeitig den Rückstand in den einstelligen Bereich zu drücken, nur um nach zwei schnellen Bayreuther Dreiern mit dem größten Rückstand des Abends konfrontiert zu sein. Angeführt von TJ Shorts und Jordan Swing gelang es den Hamburger jedoch, sich schnell vom 17-Punkte-Defizit zu erholen. Ein Distanztreffer von Bartley unterbrach die Aufholjagd – mit 70:62 ging es in die entscheidenden zehn Minuten. Das Team von Pedro Calles verteidigte stark, forcierte vier Bayreuther Ballverluste in Folge und nutzte ihr Momentum, um den Ausgleich herbeizuführen (72:72). Da allerdings erst die Struktur in der Offensive und dann auch die Zuordnung in der Defensive verloren gingen, konnte sich das Team von Pedro Calles für den harten Kampf zurück in die Partie nicht belohnt. Stattdessen gelang es den Oberfranken, sich wieder abzusetzen. Weitere Aufholversuche der Towers scheiterten, der 90:83-Endstand bedeutete zeitgleich die elfte Niederlage.

Mit seinem Dunk über Seiferth lieferte Justus Hollatz das Highlight des Abends. | Foto: Thorsten Ochs

Kurzer Schnack nach dem Spiel:

Pedro Calles: „Gratulation an Bayreuth und Coach Korner zum Sieg. Wir sind natürlich nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Aber ich denke, meine Spieler haben hart gekämpft. Wir haben ein Spiel verloren, bei dem wir drei Viertel für uns entscheiden konnten. Wir haben uns in den letzten Minuten des zweiten Viertels ein riesiges Loch gegraben, dennoch ist uns beim 72:72 noch einmal der Ausgleich gelungen. Uns steht noch ein harter Weg bevor, viele Spieler fehlen uns. Das beeinflusst uns im Spiel, aber vor allem auch im Training. Wir arbeiten so gut wie wir derzeit können, die Ausfälle schmerzen.“

Justus Hollatz: „Im zweiten Viertel haben wir vorn nichts mehr getroffen, haben uns zu sehr über unsere Fehlwürfe und Turnover geärgert. So waren wir in der Defensive unachtsam, Bayreuth hatte offene Dreier und einfache Layups. Das darf uns nicht passieren. Sicherlich hat Kameron heute gefehlt. Aber unsere Mentalität ist, dass dann der nächste Mann aufrückt. Das hat zu großen Teilen auch funktioniert, Bayreuth hat viele Würfe zum Ende der Shotclock getroffen – vor allem in der zweiten Hälfte. Aber damit müssen wir leben. Die Enttäuschung ist jetzt groß, aber wir müssen das Spiel abhaken. Am Sonntag geht es gegen Crailsheim.“

Das Spiel im Detail:

Für den verletzten Kameron Taylor rückte Zac Cuthbertson in die Starting Five und steuerte gleich zwei Punkte von der Freiwurflinie zum starken Towers-Start bei. Das Highlight in den Anfangsminuten setzte allerdings Justus Hollatz – mit einem Poster-Dunk über Seiferth. Nach der frühen 0:6-Führung fanden die Gastgeber dann aber auch in die Partie und glichen zur Mitte des ersten Viertels aus (10:10, 5.). Das Spiel gestaltete sich fortan deutlich zerfahrener – erst nach zwei Minuten gelang zunächst TJ Shorts wieder Zählbares, weitere 120 Sekunden später konnte Terry Allen von Downtown nachlegen (10:15, 8.). Beide Coaches wechselten viel durch – Osaro Jürgen Rich aufseiten der Towers und Bruhnke für die Bayreuther kamen so früh zum Einsatz. Mit jeweils einem Distanztreffer trugen sich die beiden Youngster sogleich in die Scorerliste ein. Der Dreier von Bruhnke markierte den Schlusspunkt der ersten zehn Minuten (16:20).

Zum Start des zweiten Viertels schickte Pedro Calles dann auch Patrick Spencer auf das Feld – damit waren zu diesem frühen Zeitpunkt bereits alle Hamburger im Spiel. Mit drei schnellen Punkten knüpfte der US-Amerikaner nahtlos an seine starke Premierenleistung an. Doch auch die Oberfranken fanden jetzt zunehmend offene Würfe und übernahmen nach dem zweiten Dreier von Bruhnke die Führung (26:25, 13.). Mit weiteren sechs Punkten erspielten sich die Bayreuther kurzzeitig ein kleines Punktepolster. Ebenfalls mit sechs Punkten hielt Maik Kotsar für die Towers dagegen, da der starke Justus Hollatz aber zwei Freiwürfe ungenutzt ließ, gelang es den Hamburgern nicht, die Partie wieder zu drehen (32:31, 16.). Stattdessen erneuerte Bayreuth sein Punktepolster – führte nach Abschlüssen von Seiferth und Doreth mit sieben Punkten (38:31, 18.). Mit einer Auszeit versuchte Pedro Calles das Momentum der Hausherren zu brechen, allerdings erfolglos. Von der Freiwurflinie sorgte Bruhnke für den ersten zweistelligen Rückstand aus Hamburger Sicht – Tiby und Olisevicius ließen Bayreuth weiter enteilen. Nach zwei Freiwürfen von Jordan Swing ging es für die Towers mit einem deutlichen Minus (47:34) in die Halbzeitpause.

Voller Einsatz - Osaro Jürgen Rich schmeißt sich nach dem freien Ball. | Foto: Thorsten Ochs

Mit guter Übersicht brachte Justus Hollatz Teamkollege Terry Allen in gute Position, der eröffnete von der Dreierlinie die zweite Halbzeit. Spürbar verkürzen konnten die Towers zunächst jedoch nicht, da auch Bayreuth treffsicher begann. Mit einem Pick&Roll-Spielzug schafften es Hollatz und Maik Kotsar, den Rückstand wieder in den einstelligen Bereich zu drücken (54:43, 24.). Dem Team von Pedro Calles gelang es allerdings nicht, nachzusetzen. Stattdessen führten zwei Bayreuther Dreier zum höchsten Rückstand des Abends. Zwei starke Hamburger Abschlüsse – zunächst Swing, dann Shorts – ließen die Towers aber prompt wieder verkürzen (60:48, 26.). Auch nach einer Bayreuther Auszeit gelang es TJ Shorts und Jordan Swing den Lauf fortzusetzen. Der erste Fehlwurf von Bruhnke an diesem Abend ermöglichte Swing den Rückstand wieder in den einstelligen Bereich zu bringen. Mit zwei starken Distanztreffern hauchte Zac Cuthbertson seinem Team neue Energie ein – nach einem Bayreuther Dreier endete das dritte Viertel beim Stand von 70:62.

Das Schlussviertel startete mit viel Tempo. Wieder waren es TJ Shorts, zunächst per Jumper aus der Mitteldistanz, und dann Jordan Swing, mit dem Layup im Fastbreak, die bei den Towers für Punkte sorgten (72:67, 32.). Nach einer Bayreuther Auszeit zwangen die Towers ihre Kontrahenten zum Ballverlust, TJ Shorts ließ sich auch per Foul nicht stoppen und vollendete ein And One – mit einer Vorlage auf Maik Kotsar assistierte Shorts den Ausgleich (72:72, 34.). In der Offensive ging dann zunächst die Struktur, in der Defensive die Zuordnung verloren. Das nutzen die Gastgeber zur erneuten Führung (79:74, 36.). Lautstark nahm Pedro Calles die Auszeit. Doch statt Anschluss – Shorts Dreierversuch segelte am Ring vorbei – konnte sich Bayreuth durch einen schwierigen Dreier von Doreth und einem weiteren Dreier von Bruhnke erneut absetzen (85:77, 37.). Der folgende Anschlusstreffer von Maik Kotsar wurde zur Millimeter-Entscheidung. Erst nach mehrminütigem Einsatz des Instant Replays entschieden die Unparteiischen auf Goaltending. Allen taktischen Mitteln in der Crunchtime zum Trotz, gelang den Towers der Turnaround nicht – die Partie in Bayreuth endet mit 90:83.

Towers-Statistiken: Shorts (14 Punkte, 6 Ass.), Swing (11, 5 Ass.), DiLeo, Rich (3), Kotsar (23, 4 Reb.), Richter (2), Hollatz (4, 6 Ass.), Allen (12), Cuthbertson (11, 4 Reb.), Spencer (3)

PLAYOFFS, BABY! Am 20. Mai geht es los!