15.07.2021

Since day one – Louis Olinde und Ismet Akpinar im Doppel-Interview

Bei den Piraten Hamburg wurden Louis Olinde und Ismet Akpinar groß. In der kommenden Spielzeit gehen beide in der Euroleague an den Start. Wir haben mit ihnen über ihr letztes Jahr gesprochen, einen Blick auf den Fortschritt der Hamburg Towers geworfen und sie zu Olympia befragt.

Rund 90 Minuten dauern die täglichen Trainingseinheiten von Louis Olinde und Ismet Akpinar in der edel-optics.de Arena. Während Louis vornehmlich im Kraftraum arbeitet, Gewichte stemmt und zahlreiche Stabilisationsübungen absolviert, läuft Izi in der Halle rauf und runter, baut dabei den einen oder anderen Handwechsel ein und nimmt einen Wurf nach dem anderen. Nach dem kräfteraubenden Training wird bei einem gesunden Mittagssnack wieder neue Energie getankt – und ausführlich gesprochen.

Moin Jungs, schön, dass ihr euch mal wieder in Hamburg blicken lasst. Eigentlich ist gerade Sommerpause, ihr schuftet dennoch in der Halle. Was steht in dieser Offseason bei euch auf dem Programmplan?
Louis Olinde: Also Urlaub gibt’s bei mir noch nicht – leider. Ich habe mich im ersten Playoff-Spiel gegen die Towers an der Oberschenkel-Rückseite verletzt. Ich stehe noch immer nicht wieder bei 100 Prozent. Daher trainiere ich viel mit Mello (Anm.d.R. Athletiktrainer der Hamburg Towers) und mit Benka (Barloschky) auch ein bisschen Basketball. Hoffentlich bin ich Ende Juli wieder richtig fit und schaffe es dann noch in den Urlaub, ehe Mitte August die Saisonvorbereitung bei ALBA losgehen wird.
Ismet Akpinar: Ich hatte bereits Urlaub. Für mich war die Saison bereits im Mai beendet, daher hatte ich einen langen Zeitraum, um nach meiner Corona-Infektion wieder richtig fit zu werden. Da habe ich schon ziemlich gelitten. Jetzt fühle ich mich aber wieder fit, also bereite ich mich auf die kommende Saison vor.

Izi, wie lange hat dich Corona denn außer Gefecht gesetzt?
Izi: Das gesamte Team wurde positiv getestet, wir konnten also die letzten zwei Spiele der Hauptrunde aufgrund der Infektion nicht spielen. Bei mir und einem weiteren Spieler zeigten sich bei einer anschließenden Kontrolle Auffälligkeiten in der Lunge. Damit waren die Saison und der Traum von Olympia vorbei. Ich hatte mir dann schon etwas Sorgen gemacht, weil es fast drei Monate gedauert hat, bis es mir wieder besser ging. Der Anfang war eine Katastrophe, da ging gar nichts. Im Juni habe ich in Ulm trainiert, da habe ich schon gemerkt, dass ich noch geschwächt war. Aber jetzt geht es mir wieder gut.

Ihr habt also beide das Saisonende verletzungs- oder krankheitsbedingt verpasst. Wie lief denn das Sportjahr sonst für euch?
Louis: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Ich konnte mir eine Position im Team erarbeiten, hatte zwischenzeitlich sehr viel und gut gespielt. Dadurch habe ich wichtige Erfahrungen in der Bundesliga und Euroleague sammeln können. Und ich meine: Wir sind Deutscher Meister geworden. Besser geht es doch am Ende nicht. Das Pokalfinale war sehr bitter, das muss man auch ehrlich sagen. Am Ende nehme ich aber lieber den Meistertitel. Es war ein geiles Jahr. Weil wir so viel als Team aufeinander gehockt haben, haben sich viele neue Freundschaften entwickelt – auch wenn das Pensum hart war. Mit dem Team hatte man nie das Gefühl, dass man keinen Bock mehr hat.
Izi: Für mich war es das erste Jahr überhaupt, in dem ich keine Playoffs gespielt habe. Dementsprechend war es doch etwas verkorkst. Bahçeşehir ist ein sehr ambitionierter Verein, mit einem sehr hohen Budget. Wir haben vergangenes Jahr im EuroCup gespielt. Das Ziel war mindestens die Playoffs zu erreichen, eigentlich wollten wir zu den vier Top-Teams gehören. Letztendlich haben wir keines unserer Ziele erreicht. Für mich persönlich lief es zunächst auch nicht so wie erhofft oder erwartet. Aber zur zweiten Saisonhälfte konnte ich mich dann durchsetzen und habe bis zum Ende gute Leistungen zeigen können.

Ismet Akpinar freut sich, in Hamburg auf bekannte Gesichter zu treffen. | Foto: Florian Eisebitt

Aber ihr seid ja nicht nur für den Sport hier. Wieso ist Hamburg für euch in jedem Sommer ein fester Anlaufpunkt?
Louis:
Ich bin hier aufgewachsen, habe 18 Jahre hier gelebt – Hamburg ist mein Zuhause. Meine Familie, meine Freunde wohnen noch immer in Hamburg. Da lässt sich Sport und Freizeit optimal kombinieren. Ich trainiere vormittags, habe ab Mittag dann Zeit für Unternehmungen. Das ist die optimale Situation über die Sommermonate. Und unter Mello und Benka, mit denen ich mich auch privat gut verstehe, macht sogar das Training Spaß. Deswegen bleibe ich jeden Sommer so lang es geht und genieße die Zeit hier.
Izi: Genau aus dem gleichen Grund bin ich auch immer wieder hier. Ich habe hier Freunde aus Kindheitstagen. Obwohl ich seit acht Jahren nicht mehr in Hamburg wohne, habe ich immer noch regelmäßigen Kontakt. Egal wo ich auch spiele, kommen sie mich besuchen. Auch meine Eltern wohnen noch immer hier. Zudem liebe ich die Stadt. Hier habe ich alles unter einem Hut und fühle mich unfassbar wohl.

Ihr seid beide im Programm der Piraten Hamburg groß geworden. Welche Verbindungen bestehen heute noch zu den Towers?
Izi:
Die Towers sind, auch wenn sie damals noch nicht so hießen, mein Heimatverein. Auch wenn ich nie wirklich „für“ die Towers gespielt habe, fühle ich mich mit dem Klub sehr verbunden.
Louis: Es ist zwar niemand mehr im Profiteam, mit dem ich früher zusammengespielt habe. Ich glaube, René (Kindzeka) war der letzte, mit dem ich damals selbst auf dem Platz stand. Zu Marvin (Willoughby) habe ich aber immer noch Kontakt – wir schreiben nach Spielen immer wieder hin und her. Aus dem letzten Jahr kannte ich Bryce noch sehr gut aus unserer gemeinsamen Bamberger Zeit. Mit ihm habe ich mich auch zuletzt noch einmal getroffen.

In Hamburg arbeitet Louis Olinde an seinem Comeback. | Foto: Florian Eisebitt

Wie war denn euer Eindruck von den Hamburg Towers im vergangenen Jahr?
Louis:
Verglichen zum ersten Jahr in der Bundesliga, in dem es so gar nicht lief, in dem viele Spiele verloren wurden – als man zum Abbruch der Saison auf dem letzten Platz stand –, war es ein starker Auftritt. Als Pedro im Sommer verpflichtet wurde, war schon klar, dass es anders laufen wird. Zumindest mir als Außenstehender ging es in der Erwartungshaltung so. Schon in Vechta hat er sehr gut gearbeitet. Dass es dann aber gleich mit einer Siegesserie losging, davon war dann vielleicht doch nicht auszugehen. Es war viel Energie, viel Leidenschaft da – wir haben mit ALBA zweimal in der Saison gegen die Towers verloren. Unabhängig davon, ob wir viele Spiele hatten oder nicht – die Towers haben gut gespielt und dafür muss man ihnen den Credit geben. Insgesamt habe ich mich sehr über den Entwicklungsschritt gefreut und hoffe, dass es in dieser Richtung weitergeht. Der EuroCup ist eine geile Möglichkeit, sich auch international zu beweisen. Es ist ein sehr hohes Level, auf dem man viel Erfahrung sammeln kann.
Izi: Als ich gehört habe, dass Hamburg jetzt auch international spielt, habe ich mich unfassbar für den Klub und die Leute, die dahinterstehen, gefreut. Man sieht, dass sich die Towers Schritt für Schritt nach oben entwickeln – erst in die Bundesliga, zuletzt in die Playoffs, jetzt in den internationalen Wettbewerb. Das zeigt mir, dass eine Menge richtig gemacht wird. Ich freue mich für die Stadt Hamburg, für Marvin (Willoughby), für alle im Verein. Weil ich „since day one“ dabei bin, weil ich weiß, wie alles angefangen hat, weil ich auch weiß, wie viel zu Beginn noch nicht professionell war und improvisiert werden musste, freut mich die Entwicklung ungemein. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, dann wäre es doch geil, die Hamburg Towers in der Euroleague zu sehen oder als Deutscher Meister, wieso denn nicht.

Die Karriere von Ismet Akpiar begann bei den Piraten Hamburg. | Foto: Florian Eisebitt

Welchen Stellenwert genießt eurer Meinung nach der Basketball in Deutschland und der Türkei?
Louis:
Ich glaube, der Basketballsport entwickelt sich in die richtige Richtung. In meinem Umfeld interessieren sich immer mehr Leute für Basketball, weil sie merken, wie geil der Sport ist. Der Basketball gewinnt wieder an Popularität. Der Abstand zum Fußball ist allerdings riesig, ich glaube, darüber brauchen wir nicht zu reden. Aber in der zweiten Reihe, da wird der Basketball immer wichtiger, aber wahrscheinlich ist es kein Vergleich zur Türkei.
Izi: In der Türkei steht der Basketball an Nummer zwei hinter Fußball – in Deutschland muss sich der Basketball ja mit Handball und Eishockey um die Platzierung streiten. Die Lücke zum Fußball ist in der Türkei aber nicht so groß wie in Deutschland. Ich glaube, das einzige Land, bei dem Basketball klar über dem Fußball steht, ist Litauen – vielleicht auch noch in Lettland und Estland. Das ist aber mein persönlicher Eindruck, den ich gewonnen habe, mit Zahlen belegen kann ich das nicht.

Wo wird der Basketball am meisten zelebriert?
Louis:
Also in der Türkei, aber auch in Griechenland – und dann natürlich in Serbien und Kroatien, auch wenn ich in Kroatien selbst noch nicht gespielt habe. Wo der Basketball jetzt den höchsten Stellenwert hat, das kann ich gar nicht so genau sagen.
Izi: In Griechenland sind die Fans ziemlich verrückt und auch in Serbien hat der Basketballsport einen hohen Stellenwert. In der Türkei hast du allerdings das Phänomen, dass es den Fans egal ist, welche Sportart ausgetragen wird – sie unterstützen den Verein. Das hilft der Popularität von „Randsportarten“ natürlich enorm. Unabhängig davon, ob der Ball geworfen oder getreten wird, oder ob im Wasser gespielt wird – die Farben und das Wappen sind das Entscheidende. Dadurch hast du automatisch eine viel höhere Verbundenheit auch im Basketball.

Auch Louis Olinde wurde bei den Piraten Hamburg groß und eroberte anschließend Basketball-Deutschland. | Foto: Florian Eisebitt

Sowohl ALBA als auch Fenerbahce sind echte Basketball-Powerhouses und wahrscheinlich die bekanntesten Teams ihres Landes. Seht ihr das auch so?
Louis:
Ich würde das so unterschreiben. ALBA ist ein Name, den kennt einfach jeder Basketball-Fan in Deutschland. Der Klub hat so viel Historie, so viele Titel gewonnen, sie stehen aber nicht nur für den Profibereich, sondern auch für den Jugendsport. ALBA gehört einfach zu Berlin. Mit der Euroleague spielen wir auf dem höchsten Level, jede Woche ist man woanders. Das macht richtig viel Spaß und ist für mich auch eine Ehre.
Izi: Ja, keine Frage, das würde ich ebenfalls genau so unterschreiben. Anadolu Efes ist auch ein großer Name im türkischen Basketball – vor allem, weil es ein reiner Basketball-Verein ist. Und in Deutschland gibt es mit dem FC Bayern München eine zweite große Basketball-Marke. Aber die Historie von Fenerbahce und ALBA BERLIN sind bisher unschlagbar.

Schlagen wir noch mal den Bogen zum DBB und der Olympia-Quali. Auch wenn ihr nicht mitwirken konntet, was sagt ihr zur erfolgreichen Olympia-Qualifikation?
Izi:
Ich weiß nicht, ob ich sagen soll, ich habe es erwartet. Aber die Qualifikation hat mich nicht wirklich überrascht. So ein Turnier zu gewinnen ist nicht leicht. Teams wie Kroatien, dazu noch als Ausrichter, und Brasilien musst du auch erstmal schlagen. Aber wenn du siehst, wer dabei ist – wir haben NBA-Spieler, Top-Euroleague-Spieler. Auch wegen oder trotz des Trubels drumherum, Verletzungen und Absagen – das Team hat es sich voll verdient, bei Olympia dabei zu sein. Besonders freut es mich für Henrik, da hat man gesehen, wie es ihn auch emotional mitgenommen hat.
Louis: Ich freue mich sehr, auch wenn ich natürlich sehr gern selbst dabei gewesen wäre. Das macht die Verletzung noch ein bisschen bitterer, wenn man sieht, dass man bei Olympia hätte, dabei sein können. Ich freue mich für jeden von den Jungs, dass sie sich den Traum erfüllt haben. Für mich absolut verdient. Sie haben sehr stark gespielt im Quali-Turnier. Ich kann mir vorstellen, es wird eine unglaubliche Erfahrung. Auch für den Deutschen Basketball – nach der WM, die nicht wie geplant lief – freut es mich ebenfalls.

Am Wochenende geht es für das Team nach Tokio. Bleibt Olympia für euch beide ein Traum, den ihr euch ebenfalls noch erfüllen wollt?
Louis:
Ich glaube, für jeden Sportler ist es ein großer Traum. Für mich auch. Auch, weil ich generell ein riesiger Sport-Fan bin. Ich schaue bei Olympia alles – von Synchronspringen bis Leichtathletik. Deswegen bin ich schon etwas traurig, dass es für Tokio nicht gereicht hat. Aber in drei Jahren habe ich hoffentlich eine weitere Chance, sofern wir uns erneut qualifizieren.
Izi: Ja, es schmerzt, jetzt nicht dabei sein zu können. Klar wäre ich gern nach Tokio, eine unfassbare Stadt, mitgefahren und hätte dieses Mega-Event live erleben wollen. Aber die Freude für das Team ist größer als der Schmerz. Ich bin gespannt, wie weit es die Jungs packen. Und vielleicht habe ich in drei Jahren ja noch mal die Chance

Was habt ihr euch denn für die kommende Saison vorgenommen?
Louis:
Gar keine Frage, ich will wieder Meister werden. Die Meisterschaft zu verteidigen, wird sehr schwer – ich bin gespannt, wie sich die Teams im Sommer verändern werden. Persönlich will ich den nächsten Schritt gehen, gesund bleiben und eine große Rolle im Team spielen. Das, was ich mir letztes Jahr erarbeitet habe, will ich jetzt fortsetzen.
Izi: Ich bin sehr gespannt auf Fenerbahce, ich kann es kaum erwarten. Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, dementsprechend motiviert bin ich. Für jeden heranwachsenden türkischen Jungen, vor allem im Basketball, ist Fener die absolute Nummer Eins. Deswegen freue ich mich sehr.

Dafür drücken wir euch beiden die Daumen und freuen uns immer, wenn wir euch in Hamburg begrüßen dürfen. Vielen Dank Louis & Izi.

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