Zu wenig Energie für Bayreuth

Die Hamburg Towers verlieren zum Abschluss einer kräftezehrenden Woche mit 90:71 (18:14, 49:34, 66:52) bei medi bayreuth. Nächstes Pflichtspiel bereits in drei Tagen.

WIE LIEF’S Defensiv waren die Hamburg Towers schnell in der Partie, offensiv brauchte es zwei Minuten, ehe Max DiLeo im vierten Anlauf die ersten Zähler markierte. Die bessere Anfangsphase verzeichnete dennoch medi bayreuth und zog zwischenzeitlich auf sieben Punkte davon. Drei gute Defensivsequenzen der Hanseaten sorgten nur kurze Zeit später aber wieder für einen versöhnlicheren Blick auf das Scoreboard. Auch, weil die Einwechslung von Justus Hollatz und Maik Kotsar gleichzeitig die Towers-Offensive spürbar belebte. Mit einem Wechsel auf Zonenverteidigung brachten die Oberfranken die Hamburger kurzzeitig aus dem Konzept, Jaylon Brown fand aus der Distanz jedoch die richtige Antwort. War die Defensive in den ersten zehn Minuten noch der Grund, wieso die Hanseaten den Anschluss wahren konnten, offenbarten die Verteidigungsreihen in den ersten 90 Sekunden des zweiten Abschnitts und auch in der Folge der Partie umso größere Lücken. Ein 9:0-Lauf der Hausherren sorgte für einen ersten zweistelligen Rückstand. Das Team von Pedro Calles dagegen leistete sich bis zur Pause zu viele Ballverluste (7) und noch mehr Fehlwürfe (38,2% FG). Für eine unfreiwillige Unterbrechung sorgte Ex-Tower Terry Allen Mitte des zweiten Viertels – er übergab sich direkt vor die Füße von Pedro Calles. Doch auch nach der minutenlangen Pause änderte sich nichts am Spielgeschehen, Bayreuth erhöhte den Hamburger Rückstand bis auf 20 Punkte. Einzig Jaylon Brown, der bis zur Pause bereits 15 Zähler erzielt hatte, war es zu verdanken, dass die Hypothek bis zur Halbzeit doch noch reduziert werden konnte – da Sacar Anim mit dem Buzzer traf, waren es dennoch die Hausherren, die das Momentum mit in die Kabine nahmen. Und die ersten Sekunden nach dem Seitenwechsel vermittelten den Eindruck, dass sich im zweiten Durchgang daran nichts ändern sollte. Doch die Towers ließen sich nicht unterkriegen, erzwangen vier Ballverluste in Serie, konnten daraus jedoch nur wenig Kapital schlagen, weil ihnen offensiv weiterhin nur wenig gelingen sollte. Nach vier Fouls in Folge verkürzte Seth Hinrichs im Fastbreak auf zehn Zähler. Die Hamburger schienen endlich ihren Rhythmus gefunden zu haben, finalisierten einen 11:0-Lauf, ehe zwei Bayreuther Dreier die Aufholjagd unsanft ausbremsten. So eroberten sich die Hausherren bis zum Ende des dritten Viertels das Momentum wieder zurück, brachten die 1000 Fans in der Oberfrankenhölle wieder hinter sich. Mit einem Posterdunk über Bayreuths Besten, Martynas Sajus, beendete Max DiLeo den Abschnitt – der Rückstand vor dem Schlussviertel jedoch weiterhin deutlich. Fehlenden Einsatz konnte man dem Team von Pedro Calles nicht vorwerfen, das bestätigte nicht zuletzt die überdeutliche Foulverteilung (19 HAM | 9 BAY) der zwischen unbeteiligt und überfordert schwankenden Unparteiischen. Doch auch im Schlussviertel waren es die Hausherren, die über die größeren Energie-Reserven verfügten und auch in den letzten zehn Minuten keine Zweifel an der Hamburger Niederlage zum Abschluss einer kräftezehrenden Reisewoche aufkommen ließen.

TOWERS-STATS J. Brown (24 Pkt., 3 Reb., 2 Stl.), DiLeo (8, 4 Ass.), Rich (3), Meisner (3, 5 Reb.), Christen (11, 5 Reb.), Kotsar (6, 7 Reb.), Hinrichs (9, 3 Ass.), Edigin (3 Reb.), Hollatz (7, 4 Ass.)

Einmal mehr war Jaylon Brown die offensive Lebensversicherung der Towers. | Foto: Thorsten Ochs

DUELL IM FOKUS Maik Kotsar vs. Martynas Sajus. Unterschiedlicher hätte die Partie für die beiden Center wohl nicht laufen können. Während der Bayreuther mit 21 Punkten eine persönliche BBL-Bestleistung erzielte, dabei alle zehn Wurfversuche verwandelte, kam der Hamburger mit nur drei erfolgreichen Abschlüssen bei zehn Versuchen auf lediglich sechs Zähler. Dabei spielt es Sajus durchaus in die Karten, dass er trotz ebenso aktiver wie körperbetonter Defensive lediglich ein Foul kassierte, gleichzeitig aber seinen Gegenspielern fünf Pfiffe anhing. Maik Kotsar dagegen kassierte gleich vier Verwarnungen, konnte sich aber nur einmal über ein gegen ihn begangenes Foulspiel freuen.

TOWER OF THE GAME Einmal mehr war Jaylon Brown die offensive Lebensversicherung der Hamburg Towers. Bis zur Pause erzielte der Guard bereits 15 Punkte und leitete kurz vor der Halbzeit, wie schon am Mittwoch, eine Aufholjagd ein. Doch anders als auf internationalem Parkett reichten die 24 Zähler, 3 Rebounds, 2 Steals nicht, um für eine entscheidende Wende des Spielgeschehens zu sorgen.

WHAT’S NEXT Nach einer kräftezehrenden Woche treten die Hamburg Towers direkt im Anschluss an die Partie die Rückreise in die Hansestadt an. Viel Zeit, um sich ausgiebig zu erholen, bleibt dem Team aber nicht. Denn bereits am Dienstag steht das nächste Pflichtspiel auf europäischem Parkett an – am 13. Spieltag im 7DAYS EuroCup gastiert Lietkabelis Panevezys in der edel-optics.de Arena. Das Spitzenteam aus dem basketballverrückten Litauen hat seit Anfang Dezember in der heimischen Liga nicht mehr verloren, steht hinter den Top-Klubs aus Vilnius und Kaunas auf dem dritten Tabellenplatz. In der EuroCup-Gruppe A kämpften sich die Litauer mit zuletzt drei Siegen aus vier Spielen auf Platz sechs vor – ein Sieg trennt sie aktuell von den Towers. Doch gleich zwei Dinge können auch auf Hamburger Seite optimistisch stimmen. Das Hinspiel wurde mit 96:100 gewonnen, es war der Premierensieg – der erste von fünf – im internationalen Wettbewerb. Zudem kann die Partie erneut vor 1.000 Fans ausgetragen werden. Tickets gibt es bis zum Tipoff online unter tickets.hamburgtowers.de.

KURZER SCHNACK NACH DEM SPIEL

Pedro Calles schaut mit sorgenvoller Miene in die nächste Woche. | Foto: Thorsten Ochs

PEDRO CALLES: „Gratulation an Bayreuth. Sie haben heute einen Weg gefunden, um mit der richtigen Energie und Einstellung zu spielen. Beiden Teams haben heute Spieler gefehlt, sie haben unter diesen Umständen aber den besseren Job gemacht. Ich freue mich auf die nächste Trainingseinheit und mit meinen Spielern weiterzuarbeiten. Die einzige Frage, die sich stellt, ist, wie viele von ihnen überhaupt zur Verfügung stehen.“

ROBIN CHRISTEN: „Ich denke, wir haben heute unsere defensiven Prinzipien nicht so umgesetzt, wie wir es eigentlich wollten. Das hat Bayreuth gnadenlos ausgenutzt. Die personelle Situation sollte keine Ausrede sein für die heutige Leistung. Wir können definitiv besser spielen. Glückwunsch aber an Bayreuth, sie haben heute ein gutes Spiel gemacht.“