Wenn Drecksarbeit attraktiv wird

Am Samstag (19.3.) treffen mit den Hamburg Towers und den MHP RIESEN Ludwigsburg zwei der stärksten Defensivteams der easyCredit BBL in der edel-optics.de aufeinander. Tipoff ist um 18 Uhr. Magenta Sport überträgt ab 17.45 Uhr live.

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WHAT’S UP?! Wenn am Samstag (19.3.) die Hamburg Towers und die MHP RIESEN Ludwigsburg aufeinandertreffen, dann erwarten wohl nur die wenigsten ein attraktives Basketballspiel – zu oft wird eine defensivorientierte Spielweise noch immer mit niedrigen Punkteständen, Tempoverschleppung, zu vielen Fouls und zu wenigen spektakulären Aktionen assoziiert. Doch Attraktivität liegt bekanntlich im Auge des Betrachters – und die verteidigungsbesessenen Pedro Calles und John Patrick haben es geschafft, Drecksarbeit nicht nur salonfähig zu machen, sondern auch durchaus ansehnlich zu gestalten. Beide Teams gehören zu den besten Balldieben (HAM 8,3, LUD 8,8), forcieren mit die meisten Ballverluste beim Gegner (HAM 15,7, LUD 17,4) – und trotz der Aggressivität gegen den gegnerischen Ballführer kassieren beide Mannschaften vergleichsweise wenig Fouls (HAM 20,9, LUD 20,4). Mitunter geht es munter hin und her, mit Vorliebe laufen beide Teams aus dem Ballgewinn den Fastbreak, über 67 Abschlüsse werden pro Partie genommen – die Towers scheuen sogar nicht davor, auch nach einem kassierten Korb das Tempo weiter hochzuhalten. Mit Justin Simon steht einer der besten Balldiebe (1,8 Stl.) der easyCredit BBL in den Ludwigsburger Reihen, reihenweise dunkt sich der Forward, der im Small-Ball-System der Riesen häufig auf den großen Positionen zum Einsatz kommt, im Anschluss an einen Ballgewinn in die Magenta Sport Top10. Gleiches Prozedere, anderes Team – auch Hamburgs Justus Hollatz (1,3) versteht sich bestens darin, Ballgewinne in spektakuläre Aktionen zu verwandeln. Sicherlich nicht weniger spektakulär, vor allem offensiv, waren auch die vergangenen vier Auftritte von Energizer Lukas Meisner – wettbewerbsübergreifend verbucht der Forward über die letzten zwei Wochen 19,8 Punkte und 9 Rebounds. Bei den MHP RIESEN blühte in der Vorwoche der ebenso energiegeladene Jonas Radebaugh (mit Vokuhila) auf und erzielte in drei Spielen innerhalb von fünf Tagen 17 Punkte und 7 Rebounds. Auf der anderen Seite haben beide Teams auch ausgewiesene Defensivspezialisten in ihren Reihen – Yorman Polas Bartolo wurde bereits dreimal als bester Verteidiger ausgezeichnet, Max DiLeo (ohne Vokuhila) macht seinem Ruf als Verteidigungsminister, Wadenbeißer und Kettenhund auch ohne Auszeichnung allabendlich die Ehre. Für wen Verteidigungsarbeit jetzt noch immer nicht attraktiv klingt, der hat genau zwei Optionen – bis zu 3400 ekstatische Fans in der edel-optics.de oder Magenta Sport Kommentator Benni Zander, der per se spannende Spiele magisch anzuziehen scheint.

Max DiLeo und Lukas Meisner waren zuletzt die treibenden Towers-Kräfte in der Defensive und Offensive. | Foto: Dennis Fischer

DUELL IM FOKUS Maik Kotsar vs. Justin Simon. Unterschiedlicher könnten die körperlichen Voraussetzungen in einem Big Men Duell kaum sein. Während der Este im Trikot der Hamburg Towers mit 2,11 Metern und rund 120 Kilogramm mit klassischen Center-Maßen aufwartet, zählt der US-amerikanische Riese mit 1,94 Metern und 98 Kilogramm zu den Big Men-Exoten – passt aber dank seiner überragenden Athletik perfekt in das Spielkonzept seines Coaches. Dass beide Akteure hauptsächlich unter den Körben zu finden sind, belegen auch die Zahlen. Maik Kotsar kommt durchschnittlich auf 13,2 Punkte (alle aus dem Zweierbereich), 7,1 Rebounds und 1,8 Assists. Justin Simon verbucht im Schnitt 13,5 Punkte (mit 28,9 Prozent Trefferquote beim Dreier), 5,7 Rebounds und 1,5 Assists.

BLICK IN DIE GESCHICHTSBÜCHER Spannung pur gab es schon am ersten Spieltag. Gegen den Hauptjahresmeister der Vorsaison unterlagen die Hamburg Towers in letzter Sekunde mit 88:87. Nach starkem Start und einer frühen Zehn-Punkte-Führung der Hanseaten kämpfte sich Ludwigsburg mit einem 12:2-Start im zweiten Viertel zurück in die Partie. Zur Halbzeit lagen die Schwaben mit einem Zähler in Führung. Eher untypisch dominierte auch in der zweiten Halbzeit die Offensive beider Teams das Spielgeschehen – nach einem starken Einwurfspielzug ließ Jaylon Brown die Towers per Buzzerbeater die Führung vor dem Schlussabschnitt übernehmen. Am engen Spielstand änderte sich auch in den letzten zehn Minuten nichts. Nach einem Block vom 40-jährigen Tremmell Darden nahm Jaylon Brown den letzten Wurf, doch sein Dreier, der die Partie hätte entscheiden können, verfehlte das Ziel. Vier Partien gab es bereits und bis auf die 86:65-Auswärtsniederlage im Dezember 2020 endeten die restlichen Spiele mit sechs oder weniger Punkten Differenz.

OFF THE COURT SAVE THE DATE! Am Montag (21.03.) übernehmen Justus Hollatz und Lukas Meisner ab 19 Uhr den Twitch-Kanal der easyCredit BBL (https://www.twitch.tv/easycreditbbl) – also zumindest werden sie es versuchen. In der WOW Zone thematisieren Phil Onyema und der als Karuzo bekannte Lukas Haak alle zwei Wochen den vergangenen Spieltag – daher wird sich auch einiges um die Partie der Hamburg Towers gegen Ludwigsburg drehen. Auch die Themen Gaming und Lifestyle stehen im Fokus – und zumindest styletechnisch sind die beiden Towers-Akteure absolute Experten. Das Beste aber: Fans können im Live-Chat dauerhaft mitdiskutieren. Weil die Show auf Interaktion ausgelegt ist, zählt eure Meinung. Und noch einen Termin sollten sich Fans der Hamburg Towers im Kalender markieren. Eine Woche später, am 28.03.2022, findet der digitale Allstar Day statt – ebenfalls auf Twitch. Und auch zwei Hamburger sind, zumindest ihre virtuellen Avatare, dabei. Im Allstar-Team von Alex King steht Maik Kotsar Seite an Seite mit Ludwigsburgs Justin Simon, Oldenburg-Legende Rickey Paulding nominierte Caleb Homesley für sein digitales Aufgebot.

KURZER SCHNACK VOR DEM SPIEL

Auch in seinem zweiten Jahr spielt Maik Kotsar eine starke Saison. | Foto: Dennis Fischer

PEDRO CALLES: „Es gab einige Änderungen im Ludwigsburger Kader seit dem Hinspiel, doch an der Spielweise hat sich quasi seit den letzten sechs, sieben Jahren nichts verändert. Wir müssen morgen schauen, wie wir am besten gegen den Small-Ball-Stil spielen. Manchmal ist es gut, das Missmatch zu suchen, manchmal ist es besser, sich an das Match-Up anzupassen. Es wird darauf ankommen, welches Team mit mehr Energie spielt und mehr Angriffe generieren kann – davon wird das Line-Up auf dem Feld abhängen. Ludwigsburg verteidigt gerade in den ersten Sekunden eines Angriffs immer sehr aggressiv, darauf müssen wir aufpassen – gleichzeitig dürfen wir den Ball nicht zu sehr halten, sondern müssen mit guter Bewegung die Defensivreihen brechen, um zu punkten. Je mehr wir den Ball in den Händen halten, desto mehr Chancen haben sie, uns den Ball wegzunehmen. Wir müssen einen kühlen Kopf behalten, uns auf kleine Details fokussieren, diese werden am Ende den Unterschied ausmachen.“

MAIK KOTSAR: „Es wird ein schmaler Grat sein, daher brauchen wir Ruhe – die richtige Mischung aus Aggressivität und überlegten Aktionen. Wenn wir aggressiv in der Defensive sind und als Team zusammenhalten, dann haben wir hoffentlich auch gute Looks gegen den Ludwigsburger Druck. Es bringt nichts, wenn wir mit dem Kopf durch die Wand wollen. Wenn sie ihren Small-Ball-Stil spielen, dann können wir daraus hoffentlich gerade in der Offensive einen Vorteil generieren, indem wir den Ball in den Lowpost bringen. Auf der anderen Seite des Feldes, denke ich, kann ich auch kleine Gegenspieler verteidigen, das habe ich in der Vergangenheit mehrfach getan. Generell es ist großartig vor Fans zu spielen. Der Vergleich zu keinen Fans im letzten Jahr und besetzte Tribünen in dieser Saison, dann ist das wunderbar. Basketball mit Fans macht auch uns Spielern mehr Spaß – außerdem geben uns Fans einen Extra-Push, der dafür sorgt, dass wir uns weniger müde fühlen.“