Team Huddle in Venedig

Veolia Towers unterliegen in Venedig

Die Veolia Towers verlieren mit 94:77 bei Umana Reyer Venedig. Bei der achten Niederlage im BKT EuroCup sorgen ein 17:0-Lauf sowie zu viele Ballverluste (19) auf Hamburger Seite für die Entscheidung. Aljami Durham (17) Topscorer – Youngster Leif Möller (10) mit neuem EuroCup-High.

Benka Barloschky: „Venedig hat für 40 Minuten das bessere Spiel gemacht. Sie haben sich zum Ende des zweiten Viertels einen Lauf erspielt, der letztendlich für die Entscheidung gesorgt hat. Auf diesem Level lernen und wachsen wir, wir wollen immer gegen die Besten antreten. Das haben wir heute wieder. Unter anderem gegen Marco Spissu, der ein hochklassiger Aufbauspieler ist und der heute eine starke Leistung gezeigt hat. Venedig ist ein sehr gut gecoachtes Team. Wir haben über drei Viertel dagegen angekämpft, am Ende war aber das Viertel entscheidend, indem uns das nicht gelungen ist. Wir müssen lernen, Fouls richtig zu nutzen und sie nicht zu verschwenden. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir dadurch zu viele Freiwürfe abgegeben, was uns nicht geholfen hat. Dazu kommt, dass wir offensiv zu häufig unseren Gameplan verlassen haben, was sich auch in der hohen Anzahl an Ballverlusten zeigt. Das beides zusammen hat heute zur Niederlage geführt.“

Aleksander Dziewa: „Wir haben es heute viel zu wenig geschafft, unseren Rhythmus in der Offensive zu finden. Dass wir uns dann auch zu viele leichte Ballverluste erlaubt haben, hat dazu geführt, dass sich Venedig bereits früh absetzen konnte.“

Leif Möller: „Wir hatten insgesamt zu viele Ballverluste, was Venedig immer wieder mit einfachen Punkten bestraft hat. Ganz besonders hat sich das zum Ende des zweiten Viertels gezeigt. Ich hatte den Eindruck, dass sich das auch auf unsere Energie ausgewirkt hat. Wir haben es nach dem 17:0-Lauf von Venedig nicht mehr geschafft, auf das Level zu kommen, das es braucht, um so ein Spiel dann noch einmal zu drehen.“

Ganz im Vollbesitz seiner Kräfte war Rückkehrer Aleksander Dziewa nach fast zehntägiger Krankheitspause zwar noch nicht. Dennoch führte der bullige Center sein Team zu Beginn der Partie des 9. Spieltages im BKT EuroCup bei Umana Reyer Venedig gleich an. Vier der ersten sechs Punkte der Veolia Towers gingen auf das Konto des Polen. Youngster Leif Möller etablierte sich in der frühen Phase als kongenialer Partner. Mit Cleverness beim Einwurf, aufmerksam in der Defensive und zudem treffsicher in der Distanz – fünf Zähler des 20-Jährigen verhalfen den Hamburgern zur Fünf-Punkte-Führung Mitte des ersten Viertels. Defensiv lief es dagegen nicht wie gewünscht. Zwar verteidigten die Hanseaten ihre Gegenspieler eng, allerdings zu häufig auf Kosten eines Fouls. So konnten die Hausherren von der Freiwurflinie – mit sieben Treffern aus acht Versuchen (87,5 %) – den Anschluss halten. Und mit dem ersten Treffer aus der Distanz die Führung übernehmen. Davonziehen ließen die Towers den Achten der Vorrundengruppe A aber nicht. Auch, weil der nach einer kurzen Pause aufs Feld zurückgekehrte Aleksander Dziewa unter dem Korb seine Vorteile gegen die oft einen Schritt langsameren Kontrahenten zu nutzen wussten. Die letzten Zähler aber beförderte Umana Reyer durch die Reuse – zum 22:20-Zwischenstand nach den ersten zehn Minuten.

Enge Linie bringt Towers ins Straucheln

Auch zu Beginn des zweiten Viertels taten sich die Veolia Towers schwer, in der Verteidigung das richtige Maß an Aggressivität zu finden. Rund um den doppelten Ausgleich durch Aljami Durham und Leif Möller kassierte Nico Brauner in nur zwei Minuten zwei persönliche Fouls. Sichtlich frustriert musste der Guard prompt wieder auf der Bank Platz nehmen. Doch auch seine Teamkollegen haderten weiter mit der sehr engen Linie. Nach nicht einmal vier Minuten war die Teamfoulgrenze erneut überschritten. Dass Venedig in diesem Abschnitt insgesamt 13-mal an der Freiwurflinie stand und weiterhin hochprozentig traf, war der Hauptgrund dafür, dass die Italiener ihre Führung behaupten konnten. Auf der Gegenseite war die Regelauslegung zwar nicht weniger kleinlich, doch Umana Reyer fand einen Weg, ebenso aggressiv wie regelkonform zu agieren. Was auf Hamburger Seite in einer Reihe schwieriger Abschlüsse oder Ballverluste (10 bis zur Halbzeit) resultierte. Über fünf Minuten bekamen die Towers keinen Wurf ins Ziel. Das nutzte Venedig, um sich mit einem 17:0-Lauf abzusetzen. Dass Dziewa, nach Möller der zweite Hamburger mit zweistelliger Ausbeute, mit zwei Freiwürfen und Seth Hinrichs mit der Sirene zur Pause doch noch vier Punkte unterbringen konnten, blieb eine Randnotiz. Und änderte nichts am deutlichen Rückstand (53:37) zur Halbzeit.

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich erst einmal nichts am Spielverlauf. Nachdem den Hamburgern erneut zwei schnelle Fouls unterlaufen waren, fand sich Venedigs Big Man Tessitori zweimal ganz frei an der Dreierlinie wieder – und erhöhte den Rückstand wieder auf 20 Punkte. Lukas Meisner, mit Dreier, forciertem Ballgewinn und weiteren zwei Punkten, brachte wieder neues Leben ins Spiel der Veolia Towers. Kapital konnten die Hanseaten aus der neugewonnenen Energie aber nicht schlagen. Zwar gelang es, sich ein kleines Übergewicht zu erspielen. Doch wie schon in der ersten Halbzeit fehlte die letzte Konsequenz, die sich nicht zuletzt auch in der niedrigen Freiwurf-Quote (64,7 %) widerspiegelte. Dass die Towers die Gastgeber in den letzten drei Minuten des dritten Viertels bei nur fünf Punkten hielten, konnte durchaus als wichtiger Teilerfolg verbucht werden. Allerdings war die eigene Ausbeute weiter zu gering, um eine Aufholjagd in Gang zu bringen. Dass vor dem Schlussviertel ein 74:60 von der Anzeigetafel leuchtete, untermalte, dass der Rückstand nur minimal reduziert werden konnte.

Chancen zu selten genutzt

Zu Beginn der letzten zehn Minuten blieben die Veolia Towers dabei, zunächst in der Defensive Akzente zu setzen. Und das Scoring-Volumen von Umana Reyer niedrig zu halten. Doch wie schon zuvor mangelte es an der eigenen Chancenverwertung, um sich für die Anstrengungen in der Verteidigung auch entscheidend zu belohnen. Und so genügten Venedig, nachdem Aleksander Dziewa und Mark Hughes jeweils aus der Distanz verpasst hatten, zwei Dreier, um den Rückstand wieder auf 20 Zähler anwachsen zu lassen. Weder die erneut deutliche Hypothek noch die auf lediglich fünf Minuten heruntergelaufene Spielzeit machten viel Mut, dass die Partie noch einmal kippen würde. Und sie tat es auch nicht. Denn auch zum Schluss mischten sich am offensiven Ende Fehlwürfe und Ballverluste. Distanztreffer von Aljami Durham, der mit 17 Punkten am Ende als Hamburger Topscorer in der Statistik geführt wurde, und Nico Brauner blieben die Ausnahme. Und so endete die Halbzeitpartie im BKT EuroCup bei Umana Reyer Venedig mit 94:77 – und bescherte den Veolia Towers Hamburg die insgesamt achte Niederlage im zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerb.

Stats: Krause (2), Hughes (4), Reece, Brauner (6), Möller (10), Meisner (5, 7 Reb.), Dziewa (15, 8 Reb.), Christmas, Hinrichs (5, 9 Reb., 3 Ass.), King (10, 5 Reb.), Wohlfarth-Bottermann (3), Durham (17, 5 Ass.)