Towers haben den längeren Atem
Die Veolia Towers setzen sich in einem chaotischen Topspiel aus dem Tabellenkeller mit 95:85 gegen die Basketball Löwen Braunschweig durch. Zacharie Perrin scheidet früh aus dem Spiel aus, zwei Center-Kollegen sind früh foulbelastet. Devon Daniels wird mit 29 Punkten Topscorer.
Benka Barloschky: „Wir haben passenderweise vor dem Spiel über Resilienz gesprochen und was uns als Gruppe ausmacht. Wir haben uns in eine Situation gearbeitet, wo wir stark genug sind, auch gegen Widrigkeiten anzugehen. Mehr als heute kann es in einem Spiel gar nicht geben. Das war teilweise absurd. Die Verletzung von Zach tut extrem weh, die Fünfer früh foulbelastet, die Freiwurfquote geht hinten raus aus irgendeinem Grund in den Keller. Es ging um unglaublich viel und das war auch allen bewusst. In der Halbzeit habe ich darauf hingewiesen, dass wir trotz allem Übel führen – und es hätte chaotischer und schlimmer nicht gehen können. Wir wussten, dass wir besser spielen können. Und das haben wir dann auch getan.“
Devin Daniels: „Ich hatte das Gefühl, dass unsere Geschlossenheit heute entscheidend war. Wir haben es zudem geschafft, die Rebounds zu kontrollieren – darauf haben wir uns in der Woche sehr genau vorbereitet. Selbst Rückstände bringen uns nicht mehr so richtig ins Wanken. Denn wir wissen, Basketball ist ein Spiel der Läufe, sodass sich am Ende das Blatt auch immer wenden kann. Wir haben hinten raus das Tempo kontrolliert, Stopps bekommen. Das zusammen hat uns heute den Sieg beschert.“
Martin Breunig: „Ich bin unglaublich stolz auf das Team. Ich glaube, ich war noch nie Teil eines Spiels, bei dem es so viele Widrigkeiten und Schwierigkeiten gab – mit Fouls, mit Line-Ups. Ein großes Lob an Maronka, der sich am Ende fast jeden Rebound gegriffen hat in der Verteidigung. Wir haben in der Halbzeit darüber gesprochen, dass Bene und ich mehr Hilfe in der Verteidigung brauchen. Das hat in der zweiten Halbzeit zunehmend besser geklappt, weil der Ball dann auch nicht mehr so häufig nach unten gegangen ist. Wir haben versucht, drei Viertel nahezu ohne Foul zu spielen. Und dann konnten wir am Ende in der Verteidigung auch noch mal anziehen.“
Die Veolia Towers benötigten zwei Angriffe, um im Topspiel aus dem Tabellenkeller anzukommen. Die Basketball Löwen Braunschweig schienen dagegen direkt heiß laufen zu wollen. Sieben der ersten acht Abschlüsse der Gäste zischten durch die Reuse – die Hamburger bekamen defensiv erst einmal keinen Zugriff. Dank Distanztreffern von Osaro Rich, Ross Williams und Devon Daniels hielt die Mannschaft von Benka Barloschky aber den Anschluss. Sorgenfalten bereitete den Hanseaten weniger der Rückstand, dafür umso mehr eine Verletzung von Big Man Zacharie Perrin. Der Franzose verließ nach knapp sechs Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht das Spielfeld und wurde anschließend direkt ins Krankenhaus transportiert. Dass zudem sowohl Martin Breunig als auch Benedikt Turudic früh mit jeweils drei Fouls belastet waren, ließ den 17:23-Rückstand nach zehn Minuten deutlich schwerer wiegen. Zu Beginn des zweiten Viertels wuchs der Rückstand sogar bis auf neun Punkte an. Mit fast schon stoischer Ruhe aber drückten die Veolia Towers ihren Gameplan mehr und mehr durch. Dank eines 10:2-Runs, den Devon Daniels mit vier Punkten in Folge krönte, führten die Hamburger zur Freude der 3400 Fans in der ausverkauften Inselpark Arena den Ausgleich herbei. In den verbleibenden fünf Minuten der ersten Spielhälfte bewegten sich beide Mannschaften im Gleichschritt auf die Pause zu. Mit leichten Plus (52:51) aus Hamburger Sicht ging es in die Halbzeit – allerdings auch mit einem gehörigen Defizit, denn das noch verbliebene Center-Duo Turudic und Breunig war mit jeweils vier persönlichen Fouls angezählt.



Die Braunschweiger suchten nach dem Seitenwechsel immer wieder den Weg zum Ring. Was angesichts der Hamburger Foulbelastung und der eigenen fehlenden Treffsicherheit aus der Distanz das für die zweite Spielhälfte favorisierte Mittel zu sein schien. Gepaart mit zunehmender körperlicher Härte. Die Veolia Towers suchten einen Weg, sich zu behaupten. Und fanden diesen erst einmal über eine aufmerksame Offensive. Weil sich Devon Daniels als auch Benedikt Turudic trotz Foul durchsetzen konnten, gingen die Hamburger erneut in Führung. Und nahmen diese als denkbar knappen 78:77-Vorsprung mit in den Schlussabschnitt. Mit maximalem Fokus begannen die Hanseaten die letzten zehn Minuten. Für fast sechs Minuten vereitelten die Towers jeden Braunschweiger Angriff. Trotz des spürbaren Übergewichts schafften es die Hausherren allerdings nicht, sich in dieser Phase sichtbar abzusetzen. Weder aus dem Spiel noch von der Freiwurflinie wollten die Abschlüsse zuverlässig den Weg in den Ring finden. So genügte Braunschweig ein Dreier von Neuling Kajami-Keane, um in Schlagdistanz zu bleiben. Zumindest vorerst: Denn die Hamburger hielten ihr Defensivbollwerk aufrecht, punkteten kontinuierlich und führten so in der Schlussminute mit 11 Punkten. Nach Zählern von Martin Breunig hatten die Towers kurzzeitig sogar den direkten Vergleich auf ihre Seite ziehen können. Doch Braunschweig traf noch einmal – was der Freude über den 95:85-Heimsieg aber weder auf dem Parkett noch auf den Rängen Abbruch tat.
Stats: Thorpe (14, 3 Reb., 6 Ast.), Rich (4), Maronka (7, 9 Reb.), Grey, Breunig (6, 3 Reb.), Wimberg (9, 8 Reb., 3 Ast.), Daniels (29, 9 Reb., 3 Ast., 3 Stl.), Ogbe (9, 5 Reb., 3 Ast.), Williams (12, 3 Reb.), Turudic (5), Perrin
