Towers feuern sich zum Rekord-Heimsieg

Die Hamburg Towers sichern sich dank eines Offensivfeuerwerks und der höchsten Punkteausbeute in der easyCredit BBL gegen s.Oliver Würzburg mit 113:103 (27:29, 60:54, 87:80) den elften Saisonsieg.

WIE LIEF’S Einige werden sich womöglich über ihre späte Ankunft an der edel-optics.de Arena geärgert haben. Denn während sich die Schlange im Hamburger Inselpark langsam lichtete, erlebte ein Großteil der 1203 Zuschauer bereits eine aufregende Anfangsphase. Beide Teams schenkten sich nichts – außer reihenweise erfolgreiche Abschlüsse. Nach rund sieben Minuten konnte sich s.Oliver Würzburg kurzzeitig auf fünf Punkte absetzen. Doch die Führung der Gäste währte nicht lang, auch weil Maik Kotsar stark am offensiven Brett arbeitete und alle seine fünf Versuche erfolgreich im Korb unterbrachte, ehe er für eine erste wohlverdiente Pause auf der Bank Platz nahm. Auch in Abwesenheit ihres Centers blieben die Hamburg Towers aggressiv. Ein Step-back-Dreier von Würzburgs Hunt sorgte dennoch für einen knappen Rückstand nach zehn gespielten Minuten. Zu Beginn des zweiten Abschnitts trug sich auch Neuzugang Trevon Bluiett mit einem erfolgreichen Jumper erstmalig in die Towers-Punktestatistik ein. Es war auch nicht die Offensive, die Head Coach Pedro Calles in der Auszeit lautstark monierte, nachdem Filip Stanic zu sechs einfachen Punkten gekommen war. Es war die Defensive der Hamburg Towers, die über weite Strecken der ersten Hälfte die Achillesferse war. Zu einfach kam Würzburg immer wieder zum Abschluss – lange Zeit lag die Trefferquote der Gäste nur knapp unter 80 Prozent. Weil aber auch die Hausherren ihrerseits immer wieder hochprozentig abschlossen und zum Ende des zweiten Viertels auch besser verteidigten, konnten sich die von Maik Kotsar (19 Punkte zur Halbzeit) angeführten Towers zur Pause auf sechs Zähler absetzen. Nach dem Seitenwechsel bestimmte zunächst wieder s.Oliver Würzburg das Spielgeschehen. Maik Kotsar, der mit einem And-One seinen Saison-Bestwert von 24 Zählern egalisierte, sowie drei erfolgreichen Distanztreffern in Serie war es zu verdanken, dass sich die Towers wieder leicht absetzen konnten – nachdem der Vorsprung zwischenzeitlich auf einen Punkt geschmolzen war. Zwei Dreier von Max DiLeo sorgten für eine zweistellige Führung, nachdem Maik Kotsar mit seinem zwölften Treffer auch seine persönliche BBL-Bestleistung (26) eingestellt hatte. Den Schlusspunkt im dritten Viertel setzte Würzburgs Cameron Hunt – mit einem Dreier zum Buzzer verkürzte der Guard. Zu Beginn des Schlussabschnitts knackte der bärenstarke Este per Tip-In seinen Bestwert und verpasste seinen Teamkollegen damit einen kurzen Energieschub. Doch auch der 9:0-Lauf half nicht, um die Moral der Würzburger zu brechen. Die Gäste meldeten sich mit fünf schnellen Zählern zurück. Ein Dreier von Parodi ließ die Gäste auf acht Zähler anschließen, aber Justus Hollatz hatte darauf genau die richtige Antwort. Mit Ablauf der letzten Zehntel der 24-sekündigen Angriffszeit ließ der Youngster einen weiten Dreier durch die Reuse segeln. Und auch für den nächsten Distanztreffer Parodis hatte Justus Hollatz mit einem And-One den passenden Konter parat. Doch auch in der mittlerweile angebrochenen Crunchtime blieb die Defensive anfällig – und Würzburg nutzte das, um auf fünf Punkte zu verkürzen. Weil die Hamburg Towers in den letzten 90 Sekunden defensiv doch noch einmal anzogen, sicherten sie sich letztlich verdient einen ganz wichtigen Erfolg gegen s.Oliver Würzburg.

TOWERS-STATS J. Brown (14 Pkt., 3 Ass.), DiLeo (12), Homesley (13, 7 Ass.), Meisner (9, 4 Reb.), Christen (6), Kotsar (30, 12 Reb., 3 Ass.), Hinrichs (4, 4 Reb.), Bluiett (5), Edigin (2), Hollatz (18, 6 Ass.)

Neuzugang Trevon Bluiett feierte eine erfolgreiche Premiere. | Foto: Marvin Contessi

DUELL IM FOKUS Justus Hollatz vs. Luciano Parodi. Die beiden Guards hielten in der entscheidenden Phase der Partie die Fäden für ihre Teams in der Hand – und lieferten sich ein ebenso hochklassiges wie schön anzusehendes Privatduell. Auf zwei Dreier des Guards aus Uruguay hatte der Hamburger mit einem Buzzerbeater – der die Towersfamily von den Sitzen riss – und einem And-One die richtigen Antworten parat. Luciano Parodi kam am Ende auf 18 Punkte und zehn Assists, Justus Hollatz egalisierte seinen persönlichen Bestwert mit ebenfalls 18 Zählern und sechs Assists.

TOWER OF THE GAME Am Ende fehlten Maik Kotsar 21 Sekunden für die perfekte Quote. Erst im 15. Versuch, genau diese 21 Sekunden vor dem Spielende, fehlte dem Center die letzte Genauigkeit im Abschluss. Im Duell mit den Würzburger Big Men profitierte Maik Kotsar von seinen Größenvorteilen und legte in 34:45 Einsatzzeit mit 30 Zählern eine neue persönliche Bestleistung auf. Mit zwölf Rebounds, zehn davon am offensiven Brett, machte der stille Riese sein eindrucksvolles Double Double perfekt und komplettierte seine Leistung mit drei Assists und zwei Steals.

WHAT’S NEXT Während der 7DAYS EuroCup pausiert – der internationale Spielbetrieb wird erst im März fortgesetzt, die ausgefallene Partie gegen Lietkabelis Panevezys wurde auf den 04. April 2022 (19.30 Uhr) neu terminiert – steht in der easyCredit Basketball Bundesliga noch eine weitere Partie auf dem Programm der Hamburg Towers, bevor es anschließend in die Nationalmannschaftspause geht. Am kommenden Mittwoch (19 Uhr) ist das Team von Pedro Calles in Bamberg gefordert. Der neunmalige deutsche Meister verlor vergangenes Wochenende knapp gegen Würzburg, rangiert aktuell auf dem zwölften Tabellenplatz. Doch nicht nur die Chance auf einen guten Abschluss vor der rund zweiwöchigen Spielpause sollte Maik Kotsar & Co. motivieren. Denn mit den Oberfranken haben die Towers noch eine Rechnung offen – im Hinspiel unterlagen die Hamburger nach frühem zweistelligen Vorsprung mit 75:87.

KURZER SCHNACK NACH DEM SPIEL

Mit 30 Punkten stellte Maik Kotsar eine neue persönliche Bestleistung auf. | Foto: Dennis Fischer

PEDRO CALLES: „Glückwunsch an meine Spieler. In der Defensive haben wir Fehler gemacht. Wir müssen uns jetzt das Video ansehen und schauen, an welchen Fehlern wir arbeiten müssen. Wir hatten aufgrund der Personalsituation im letzten Monat kaum Möglichkeiten, zu trainieren. Die Energie kann also, gerade bei den Spielern, die sich infiziert haben, nicht sofort wieder voll da sein. Wir werden trainieren, um unsere Energie zurückzubekommen und hoffentlich fühlen sich dann auch die Spieler besser, die für ein paar Wochen ausgefallen sind.“

MAIK KOTSAR: „Ich hatte natürlich einen Vorteil auf meiner Position, dennoch wurde es mir nicht leicht gemacht, zu punkten. Auch wenn mein Score etwas anderes vermuten lässt, das war letztendlich eher eine Überraschung für mich. Ich habe im Spiel nicht darüber nachgedacht. Auch, weil es sich angefühlt hat, als hätte Würzburg nicht daneben werfen können. Wir hatten Phasen, in denen einzelne Spieler defensive Fehler gemacht haben, das passiert – wir konnten diese als Team allerdings nicht ausgleichen. Daran müssen wir im Training arbeiten.“

TREVON BLUIETT: „Ich wollte mich heute erstmal herantasten und mich an die neue Situation und das Team gewöhnen. Ich finde, das hat gut funktioniert. Ich wollte verstehen, wie das Spiel hier gespielt wird – ich war aus Istanbul einen anderen Spielstil gewohnt. Mir war es wichtig, alles richtig zu machen, was der Coach uns, und vor allem mir, in der Woche beigebracht hat. Während des Spiels habe ich den Gameplan immer besser verstanden und bin langsam in den Rhythmus gekommen.“