Aljami Durhma am Ball in London

Towers bändigen Lions in letzter Sekunde

Mit einem Abschluss in letzter Sekunde krönen die Veolia Towers Hamburg eine beeindruckende Teamleistung zum 81:83-Erfolg bei den London Lions. Mark Hughes versenkt den entscheidenden Wurf. Aljami Durham und Aleksander Dziewa mit jeweils 15 Punkten Topscorer.

Benka Barloschky: „Für mich geht es heute allein um das Team, ich möchte keinen herausheben. Wir wussten vor dem Spiel, dass wir gegen diesen exzellenten Gegner ein quasi perfektes Spiel brauchen. Ich bin unglaublich stolz, wie sich die Mannschaft durch die nervenzerreißende Schlussphase gebissen hat. Klar ist hier auch ein bisschen Glück dabei, aber das haben wir uns in der Anfangsphase verdient. Natürlich wollen wir den Sieg jetzt auch feiern, das sollten wir auch. Viel Zeit bleibt uns allerdings nicht. Denn uns steht ein sehr kurzer Turnaround vor unserem nächsten Spiel in der heimischen Liga bevor. Wir haben nur sehr wenig Zeit, was die kommende Aufgabe zusätzlich erschwert.“

Aljami Durham: „Der größte Dank heute muss an meine Mitspieler gehen. Es war keine Einzelleistung von mir. Sie haben es mir einfach gemacht. Heute hat sich gezeigt, wie gut wir sein können, wenn alle Rädchen ineinandergreifen. Wir hatten einen schweren Start im Wettbewerb. Wir haben aber hart gearbeitet und uns heute in 40 Minuten dafür belohnt. Wir haben gezeigt, dass wir mit den Besten mithalten können. Noch ist die Saison im EuroCup für uns nicht beendet.“

Aleksander Dziewa: „Wir sind unglaublich glücklich über unseren zweiten EuroCup-Sieg. In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut verteidigt. Das hat uns einige leichte Abschlüsse in der Transition eingebracht, sodass wir unsere Führung sogar bis auf 16 Punkte ausbauen konnten. Am Ende ist es noch einmal unglaublich eng geworden. Aber wir haben jederzeit als Team zusammengehalten, haben hinten raus noch einmal sehr gut verteidigt. Und dann war da ja auch noch Mark – stark, wie er den letzten Wurf gemacht hat.“

Beide Teams versuchten erst einmal das, was sie am besten können: das Spiel in die Zonen verlagern. Und so verwunderte es wenig, dass Aleksander Dziewa und sein Gegenüber Gabriel Olaseni in der Anfangsphase im Zentrum des Geschehens standen. Zählbares gab es in den ersten viereinhalb Minuten ausschließlich in unmittelbarer Nähe des Korbes. Co-Kapitän Seth Hinrichs brach anschließend das Muster, verwandelte zum ersten Mal aus der Distanz, und brachte sein Team auf sieben Punkten in Front. Nicht nur offensiv waren die Veolia Towers voll da, auch in der Defensive stimmten die Abläufe. Selbst eine Auszeit des sichtlich unzufriedenen Lions Head Coaches Petar Bozic vermochte die bis hierhin sehr konzentriert auftretenden Hamburger – die auch das Rebound-Duell im ersten Viertel mit 15:6 deutlich für sich entschieden – nicht aus dem Konzept zu bringen. Stattdessen bestätigten die Hanseaten mit einem 9:0-Lauf ihren frühen Flow. Bis auf 13 Punkte wuchs der Vorsprung an. Dass der nicht noch höher ausfiel, lag vornehmlich daran, dass gleich drei Angriffe nach einem Offensivfoul ein zu frühes Ende fanden. Diese blieben aber das einzige Haar in der Suppe, sodass die 14:24-Führung nach den ersten zehn Minuten überaus verdient war.

Starker Start, höchste Führung

Das zweite Viertel begann aus Hamburger Sicht dann deutlich fehlerbehafteter. Youngster Niklas Krause unterliefen zwei schnelle Ballverluste, Lukas Meisner verlor per Doppeldribbling den Ball. Am Vorsprung änderte sich trotz der kurzzeitig hochgeschnellten Fehlerquote aber nichts. Denn die Verteidigung der Veolia Towers stand weiterhin sicher. Und so genügte es, die eigenen Fehler abzustellen, um der Partie wieder den Stempel aufzudrücken. Mit einem 8:0-Run zogen die Hamburger auf 16 Punkte (16:32) weg. Auf die höchste Punktedifferenz des Abends reagierten die London Lions mit einer deutlichen Intensitätssteigerung: beim Rebound präsenter, im Abschluss entschlossener, in der Verteidigung physischer. Angeführt von Olaseni, der Aleksander Dziewa vier Minuten vor der Halbzeit bereits sein drittes persönliches Foul anhing, schlossen die Hausherren sukzessive wieder an. Starke Abschlüsse von Will Christmas bremsten das Anrennen der Londoner immerhin leicht aus. Dennoch rutschte die Punktedifferenz zum Ende der ersten Halbzeit in den einstelligen Bereich. Beim Stand von 40:48 ging die Partie in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel ging es zunächst ausgeglichen weiter, auch wenn Will Christmas mit einem Dunk im Fastbreak für das optische Highlight der Partie sorgte. Allen voran Gabriel Olaseni bereitete den Veolia Towers nun sichtlich Probleme. Weder Aleksander Dziewa noch Jonas Wohlfarth-Bottermann konnten das grundsolide Positionsspiel des 2,08 Meter großen Centers der Londoner stören. Dabei probierten die Hanseaten durchaus viel. Teilweise zu viel, sodass WoBo aufgrund von drei Fouls innerhalb von 68 Sekunden zwangsweise auf die Bank musste. Die Unsicherheiten des Zonenkampfes übertrugen sich anschließend auf das gesamte Hamburger Spiel. Fast vier Minuten blieben die Gäste punktlos. Die Hausherren, die das Spielgeschehen inzwischen deutlich zu ihren Gunsten gestaltet hatten, drückten auf den Führungswechsel. Doch die Towers wehrten sich nach Kräften. Mark Hughes und Lukas Meisner hielte ihrem Team mit schwierigen Abschlüssen den Vorsprung, der vor den entscheidenden zehn Minuten auf 65:67 geschmolzen war.

In letzter Sekunde zum Erfolg

Dort dauerte es jedoch nur 84 Sekunden, dann lagen die London Lions zum ersten Mal an diesem Abend vorn. Als Problemstelle hatte sich mittlerweile das Rebounding herausgestellt. Zu viele Abpraller, komplett konträr zur dominanten Anfangsphase, landeten jetzt in den Händen der London Lions. Insbesondere die zweiten Chancen, die sich aus insgesamt 12 Offensivrebounds ergaben, nutzten die Hausherren zu ihrem Vorteil. Doch trotz des Führungswechsels steckten die Veolia Towers nicht auf. Angeführt von Aljami Durham und Aleksander Dziewa, am Ende mit jeweils 15 Punkten Topscorer, setzten die Hamburger nach. Und so wechselte die Führung mit jedem Angriff. Zum Start der Crunchtime glich VJ King mit einem aus der Not heraus geborenen Distanztreffer sogar wieder aus. Mittlerweile war die Partie am Spannungsmaximum angenommen. Doch wieder King, der einen erfolgreichen Postmove von Londons Olaseni mit einem weiteren Dreier beantwortete, setzte dem noch einen drauf. In der anschließenden Defensivsequenz kassierte Aljami Durham sein viertes Foul. Doch es war sprichwörtlich Gold wert. Denn Matthew Morgan verpasste im 16. Anlauf den ersten Londoner Freiwurf. Ausgleich. Die Zeit tickte unaufhörlich, das Anrennen beider Kontrahenten endete immer wieder in der jeweils aufopferungsvoll kämpfenden Defensive des Gegners. Zumindest so lange, bis Mark Hughes mit einem überaus schwierigen Abschluss 1,3 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene doch noch den 81:83-Auswärtssieg besiegelte.

Stats: Krause, Hughes (12), Reece, Brauner (3), Möller (2), Meisner (8), Dziewa (15, 5 Reb.), Christmas (10, 4 Reb., 4 Ass.), Hinrichs (5, 5 Reb.), King (8, 5 Reb.), Wohlfarth-Bottermann (5, 6 Reb.), Durham (15, 5 Reb., 7 Ass.)