Jaizec Lottie zieht gegen Ludwigsburger Gegner zum Korb

Reise ins Ungemütliche

Am Samstag (26.04.) sind die Veolia Towers bei den MHP RIESEN Ludwigsburg gefordert. Die Barockstädter rutschten nach nur vier Siegen aus den letzten zehn Spiele von den Postseason-Plätzen. Tipoff ist um 20 Uhr – Dyn überträgt ab 19.45 Uhr live.

Auch Tage später hallt der Osterkracher noch nach. Sowohl sportlich, aber vor allem medial. Der Sieg der Veolia Towers gegen den amtierenden deutschen Meister am Ostersonntag vor neuer Rekordkulisse war ein Erfolg auf allen Ebenen. Für die Mannschaft von Benka Barloschky dagegen ist der Triumph gegen den FC Bayern München Basketball abgehakt – der volle Fokus gilt der nächsten Aufgabe. Und die verspricht einen weiteren, sprichwörtlichen Härtetest. Denn die Hamburger sind am Samstag (26.04.) bei den MHP RIESEN Ludwigsburg gefordert – die sich nicht erst in dieser Saison einen Namen als Spielverderber gemacht haben. Von den insgesamt 13 Aufeinandertreffen, Pokal und Play-Ins eingerechnet, konnten die Hanseaten gerade einmal zwei Partien für sich entscheiden – und zwar die beiden Hauptrundenspiele der vergangenen Saison. Historisch betrachtet könnte man – muss man aber nicht – also schon fast von einem Angstgegner sprechen. Mit zuletzt fünf Siegen in Serie brauchen sich die Towers allerdings derzeit nicht zu verstecken.

Jordan Barnett klatscht im Konfettiregen mit Fans ab
Jordan Barnett in Höchstform – der Foward kommt in den letzten sechs Spielen auf 13,8 Punkte bei einer Dreierquote von 51,4 Prozent. | Foto: Justus Stegemann

Spielbeginn im nördlichen Speckgürtel Stuttgarts ist um 20 Uhr. TV-Partner Dyn überträgt bereits ab 19.45 Uhr live – wie auch alle anderen Spiele der easyCredit BBL – kommentiert von Fabrice Kao.

Benka Barloschky: „Ich glaube nicht wirklich an das Konzept Angstgegner. Das sind wir im Fall von München ja auch nicht, nur weil wir gegen sie zu Hause eine positive Bilanz haben. Aber insgesamt ist und bleibt Ludwigsburg ein sehr schwer zu bespielendes Team. Sie sind sehr physisch, aggressiv auf beiden Seiten des Feldes. Gerade in diesem Jahr haben sie viele Line-Ups, in denen sie Positionen wechseln und Mismatches kreieren können. Dazu sind die stark im Eins-gegen-Eins und beim Offensivrebound. Das in Summe macht sie zu einem sehr unangenehmen Gegner.“

Schwäbische Kehrwochen mal anders

In Fachkreisen hat sich die Personalpolitik der MHP RIESEN Ludwigsburg mittlerweile zu einem echten Markenzeichen entwickelt. Allerdings mit einem gewissen Gschmäckle. Denn die Kader der Barockstädter gelten, anders als die Prachtbauten des gleichnamigen Kunst- und Literaturzeitalters, als nicht sonderlich beständig. Es herrscht ein stetiges Kommen und Gehen an der Pflugfelder Straße. Dieser Politik der offenen Tür fiel zuletzt auch John Patrick, selbst so etwas wie der Mitbegründer der Hire-and-Fire-Epoche im Norden Stuttgarts, zum Opfer. Ende März übernahm Lars Masell an der Seitenlinie.

Ludwigsburgs Justin Simon schaut auf dribbelnden Johnathan Stove
Als bester Balldieb (2,1 Steals) nimmt Ludwigsburgs Justin Simon wie schon 21/22 den Titel als bester Verteidiger ins Visier. | Foto: Justus Stegemann

Gleich 23 Spieler waren laut Auflistung auf der Website der easyCredit BBL in dieser Spielzeit bereits für den derzeitigen Tabellenzwölften spielberechtigt. Als vierte Nachverpflichtung – Spielerrochaden in der Saisonvorbereitung zählen bekanntlich nicht in das Wechselkontingent – kam zuletzt der Ex-Frankfurter Booker Coplin (8,0 PpS). Eine wirkliche Wende brachte das jedoch nicht. Die Riesen stellen weiterhin die schlechteste Offensive der Liga, bringen durchschnittlich gerade einmal 74,7 Zähler pro Spiel unter. Was augenscheinlich mit der dürftigen Ausbeute (25,5 %) aus dem Drei-Punkt-Bereich zusammenhängt.

Destruktivität als Erfolgsrezept

In der Verteidigung dagegen sind die Ludwigsburger weiterhin über jeden Zweifel erhaben. Angeführt vom 39-jährigen Yorman Polas Bartolo (8,8), der unlängst sein Arbeitspapier verlängert hat, und Justin Simon (11,0) stellen die RIESEN die beste Defensive der Liga. Nicht von ungefähr kommt der Markenclaim „Gefürchtet und stolz darauf“. Durchschnittlich 18 Ballverluste zwingen die Schwaben ihren Gegnern auf, leisten sich selbst nur elf Turnover. Was in der Regel zu einem deutlichen Chancenplus führt – so wie im Hinspiel, als die Mannschaft um Ex-Hamburger Jonas Wohlfarth-Bottermann (3,3) mit irrwitzigen 80 Feldwürfen einen 66:73-Auswärtssieg aus der Hansestadt entführte.