Will Christmas Defensive in Bonn

Towers bekommen Bonn nicht gestoppt

Im Weihnachtsspiel bekommen die Veolia Towers Hamburg die Telekom Baskets Bonn zu selten gestoppt, leisten sich selbst zu viele Fehler und verlieren so 108:94. Will Christmas (22) am Vorweihnachtsabend mit neuer BBL-Bestleistung, VJ King (23) wird Topscorer. Auch Youngster Leif Möller erzielt persönlichen Bestwert.

Benka Barloschky: „Glückwunsch an die Bonner und meinen Kollegen zum verdienten Erfolg. Es war ein sehr, sehr offensiv geprägtes Spiel. So war es zu erwarten, denn Bonn hat in diesem Jahr einen sehr effizienten Angriff. Die Geschichte für mich ist der Start. Wir brauchen manchmal zu lange, um uns zurechtzufinden und zu akklimatisieren, die Physis anzunehmen. Wenn man gegen gute Gegner spielt, dann ist die Partie manchmal schon vorbei. Wir haben es bis zur Halbzeit gut gemacht, uns herangekämpft. Aber das Bild, das sich schon zu Beginn gezeichnet hatte, das blieb und änderte sich nicht. Uns war klar, wie Bonn spielt. Sie haben sich trotz der hohen Trefferquote noch 17 Offensivrebounds geholt – und so viel Chancen gab es ja nicht. Das ist einfach viel zu viel. Das müssen wir uns selbst ankreiden.“

VJ King: „Wir sind nicht gut gestartet. Bonn hat uns direkt einen ersten Schlag verpasst. Wir haben zwar immer wieder versucht, uns zurückzukämpfen. Das ist uns aber nicht gelungen. Auch das Duell um die Rebounds haben wir verloren, was ihnen viele Punkte aus zweiten Chancen eingebracht hat. Wir haben immer wieder versucht, unser Spiel zu spielen. Bonn hat aber alle Versuche unterbunden. Sie haben ein großartiges Spiel gespielt. Wir dürfen uns davon jetzt aber nicht unterkriegen lassen. Unser Prozess geht weiter, wir werden weiter hart arbeiten.“

Während anderorts die Hektik des Alltags bereits der besinnlichen Ruhe wich, starteten die Veolia Towers am Vorweihnachtsabend bei den Telekom Baskets mit viel Geschäftigkeit. Aus der eigentlichen Stärke rührten zunächst aber zu viele Fehler her. Die Bonner, die ebenso mit viel Tempo starteten, waren im Umgang mit dem Spielgerät achtsamer. Und hatten zudem in Glynn Watson Jr., der den verletzten Harald Frey in der Startformation vertrat, den vorerst richtungsweisenden Mann auf ihrer Seite. Der Amerikaner hatte in nicht einmal fünf Minuten bereits 13 Zähler auf seinem Konto. Ebenso viele Punkte trennten anschließend auch beide Teams. Denn Brian Fobbs, der zur Mitte des Viertels für Watson Jr. von der Bank gekommen war, knüpfte mit zwei Distanztreffern nahtlos an die Leistung seines Teamkollegen an. Langsam, aber sicher arbeiteten sich die zuvor mitunter hastig wirkenden Towers besser in die Partie. Mit aufmerksamer Defensive und dem verdienten Lohn auf der anderen Seite des Feldes drückten die Hamburger den Rückstand in den einstelligen Bereich. Ein wirksames Mittel gegen die Bonner Guards war allerdings noch immer nicht gefunden – und so erzielte Fobbs mit seinem dritten Dreier den 31:19-Zwischenstand.

Auf Bonner Offensive folgt Hamburger Defensive

Mit einem tiefen Distanztreffer eröffnete Youngster Leif Möller den zweiten Spielabschnitt. Forward VJ King legte anschließend am Korb nach. In der Verteidigung fehlte aber weiterhin der richtige Zugriff. Wovon diesmal Bonns Chris Sengfelder profitierte. Der Big Man der Telekom Baskets, der bis hierhin hauptsächlich als Blocksteller am Perimeter agierte, fand sich gleich dreimal in Serie nach einem Roll völlig frei in der Zone wieder. Und demonstrierte somit sinnbildlich den bisher entscheidenden Unterschied. Denn diese Art der Leichtigkeit fehlte den Veolia Towers. Die hohe Fehlerquote, die sich weiter in Ballverlusten äußerte, hielt sich dagegen hartnäckig. Und so wuchs der Rückstand erneut auf 13 Zähler an. Doch die nicht zuletzt im internationalen Wettbewerb mehrfach leidgeprüften Hamburger steckten nicht auf. Und arbeiteten sich abermals zurück ins Spiel. Mit einer wiedererstarkten Defensive als entscheidenden Schlüssel. Für fast vier Minuten verhinderten die Towers, dass sich die Punkteanzeige auf Bonner Seite änderte. Auf der eigenen Seite spiegelte sich das Momentum in 13 Punkten wider – gleichbedeutend mit dem Ausgleich. In die Pause getragen, bekamen die Hanseaten ihr Hoch aber nicht. Ein ständiges Hin und Her in den letzten 90 Sekunden vor der Pause mündeten in einem Buzzerbeater von Watson Jr. – und dem 52:47-Halbzeitstand.

Die Startphase nach dem Seitenwechsel gehörte einmal mehr den Telekom Baskets. Und das, obwohl die Veolia Towers auf beeindruckende Art und Weise ihren Kampfgeist unter Beweis stellten. Doch bis auf drei Punkte von VJ King, erster Hamburger mit zweistelligem Scoring, blieben erfolgreiche Abschlüsse die Ausnahme. Anders bei Bonn, die erst durch Kennedy und Pape am Zylinder abschlossen, anschließend durch Kirkwood auch wieder von jenseits der 6,75-Meter-Linie – und so wieder zweistellig in Führung gingen. Dabei blieb es jedoch nicht. Denn es wiederholte sich das, was auch schon die erste Hälfte geprägt hatte: bei den Veolia Towers reihte sich ein Fehler an den anderen. Bis auf 18 Zähler schoss die Hypothek in die Höhe. Der bereits fast stimmlose Benka Barloschky versuchte das Spiel seiner Schützlinge über eine Auszeit wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Doch auch dieses taktische Mittel brachte nur wenig Besserung. Und so kam Bonns Christian Sengfelder erneut zu einfach am Korb zum Abschluss. Die restlichen zweieinhalb Minuten des dritten Viertels vergingen ohne nennenswerte Änderung im Spielverlauf und endeten im 77:63-Zwischenstand.

Couragierte Schlussphase, aber keine Wendung

Der Start in den Schlussabschnitt war diesmal aus Hamburger Sicht durchaus vielversprechend, der Rückstand nach Punkten von King und Wohlfarth-Bottermann wieder einstellig. Doch so viel Verve, wie der Dunk von WoBo versprühte, so ernüchternd waren die anschließenden 90 Sekunden wieder. Zwei Hamburger Ballverluste endeten in zwei weiteren Dreiern von Bonns Distanzwurfexperten Fobbs und Watson Jr. – gleichbedeutend mit 15 Punkten Rückstand. Dass sich die Schützlinge von Benka Barloschky trotz des abermaligen Rückschlages nicht aufgaben, war durchaus aller Ehren wert. Doch auch eine überaus couragierte Schlussphase brachte keine Wendung mehr. So sehenswert die konsequent gesuchten Abschlüsse von Will Christmas, der einen Tag vor Heiligabend ein neues BBL-High erzielte, oder Jonas Wohlfarth-Bottermann auch waren. So wenig gelang es weiterhin, die Offensive der Telekom Baskets in ihrem Wirken einzuschränken. Einmal mehr konnte Glynn Watson Jr. Schalten und Walten, ohne dass ein Hamburger dagegen ein probates Mittel zur Hand hatte. Bevor der Matchwinner 90 Sekunden vor Schluss das Spielfeld unter lauten Sprechchören verließ, hatte er aus der Halbdistanz für die Vorentscheidung der 108:94-Niederlage, bei der Topscorer VJ King die letzten Hamburger Punkte erzielte, gesorgt.

Stats: Hughes (6), Brauner, Möller (7), Meisner (10, 3 Ass.), Dziewa (5, 3 Reb.), Christmas (22, 3 Reb., 5 Ass.), Hinrichs (2), King (23), Wohlfarth-Bottermann (12, 7 Reb.), Durham (7, 3 Ass.)