Basketballspieler in blau-schwarzem Trikot mit erhobener Faust auf dem Spielfeld, im Hintergrund Zuschauer

Overtime-Krimi sichert Ligaverbleib

Die Veolia Towers setzen sich 91:86 nach Verlängerung gegen die Rostock Seawolves durch und sichern sich damit auch rechnerisch den Ligaverbleib. Vier Spieltage vor Saisonende liegen die Hamburger einen Sieg hinter einem Play-In-Platz. Devon Daniels wird mit 22 Punkten Topscorer.

Benka Barloschky: „Ich habe erst nach dem Spiel realisiert, was der Sieg bedeutet. Wir haben es heute über 45 Minuten extrem gut gemacht und es mal wieder geschafft, über die komplette Dauer an unsere Leistungsgrenze zu kommen. Ich bin froh, dass wir im vierten Viertel und in der Overtime, als es am meisten gezählt hat, dann auch das Rebounding unter Kontrolle bekommen haben. Es war klar, dass das Rebounding eine große Stärke der Rostocker ist. Ihnen alles wegzunehmen, das geht sicher nicht. Aber wir waren lange auch oft nicht in den Areas, um die vielen langen Rebounds nach den zahlreichen Fehlwürfen aus der Distanz einzusammeln.“

Devon Daniels: „Es tut gut, dass wir uns heute den Sieg geholt haben, wir haben sehr viel investiert. Auf dem Weg zum Erfolg mussten wir viele Hürden nehmen, Rostock war unglaublich stark beim Offensivrebound. Aber gerade im vierten Viertel und in der Verlängerung haben wir nicht nur die wichtigen Würfe getroffen, sondern gut verteidigt und die Rebounds eingesammelt. Wir haben Herz gezeigt, uns durchgebissen – und stets ineinander vertraut.“

Martin Breunig: „Wie wir jetzt am Ende gekämpft haben, das zeigt einfach, mit wie viel Herz wir dabei sind. Der Stein, der mir jetzt vom Herzen gefallen ist, dass der Klassenerhalt jetzt wirklich sicher ist, ist schon groß. Wir wollen die Saison noch gut beenden. Wo wir landen, das wissen wir natürlich nicht. Es war das vorletzte Heimspiel. Wir sind sehr froh, dass wir gegen Würzburg noch eines haben, in dem wir hoffentlich ebenfalls noch mal mit unseren Fans feiern können.“

Der Farbkontrast der Hamburger und Rostocker Spielkleidung war nicht unbedingt ein Augenschmaus – sportlich konnte die Anfangsphase aber durchaus als Leckerbissen bezeichnet werden. Denn die Veolia Towers starteten sehr konzentriert. Und gingen nach Dunk von Zsombor Maronka und Dreier durch Martin Breunig, die beide in die Startformation gerückt waren, in Führung. Mit einem 6:0-Lauf aber führten die Seawolves den Ausgleich herbei. Dabei blieb es auch für lange Zeit. Denn die Hausherren kamen nur noch selten zum Abschluss (7/12), die Gäste versuchten viel, trafen aber nicht (7/22). Das Resultat war eine knappe 19:18-Führung nach dem ersten Viertel.

Und es blieb zunächst eine punktearme Partie. Bereits 90 Sekunden waren im zweiten Abschnitt vergangen, ehe Karl Gamble wieder Zählbares auf die Anzeigetafel brachte. Auch in den kommenden Minuten kamen Offensiventhusiasten unter den 2343 Fans in der Inselpark Arena nur selten auf ihre Kosten. Freunde ehrlicher, harter Basketball-Arbeit hatten dagegen wohl mehr Freude. Beide Teams agierten physisch, foulten wann immer nötig. Dass sich die Veolia Towers lange Zeit nicht absetzen konnten, lag vor allem an der Vielzahl Rostocker Offensivrebounds. Bis zur Pause schnappten sich die Seawolves die Hälfte (15) aller möglichen Abpraller am Hamburger Korb. Ein 9:0-Lauf in den letzten Minuten vor der Pause bescherte der Mannschaft von Benka Barloschky dann aber doch eine mittlerweile verdiente, und endlich auch sichtbare, Führung. Ein Freiwurf von Zacharie Perrin markierte den 43:36-Halbzeitstand.

Wirklich beflügelnd wirkte die Führung allerdings nicht. Denn die Rostock Seawolves arbeiteten nach dem Seitenwechsel verbissen an einem Comeback. Hamburger Punkte gab es erst nach fast zweieinhalb Minuten. Der Dreier von Martin Breunig blieb für weitere dreieinhalb Minuten der einzige erfolgreiche Treffer der Veolia Towers aus dem laufenden Spiel heraus. Das Wichtigste aber: die Führung hielt. Denn die Hanseaten hielten das Intensitätslevel in der Verteidigung hoch – und die Wurfquote der Gäste niedrig. Drei Dreier von TJ Crockett, quasi so etwas wie Rostocks offensive Lebensversicherung, stellten dann jedoch in nicht einmal 120 Sekunden das Geschehen auf den Kopf. Der Schlussakkord des dritten Viertels gehörte jedoch wieder den Towers. Mit vier Punkten erzielte Martin Breunig den 56:56-Ausgleich.

Der Beginn des Schlussviertels glich einem stetigen Hin und Her. Entsprechend wechselte auch die Führung mit nahezu jedem Angriff. Abermals war es ein Rostocker Lauf, der den Rhythmus veränderte. Mit fünf eigenen Punkten gelang den Veolia Towers jedoch ein adäquater Konter für den 7:0-Spurt der Gäste. Nach vier weiteren Zählern durch Devon Daniels war der Ausgleich wiederhergestellt. Nicht, dass die absolvierten 37 Minuten bereits für ausreichend Spannung gesorgt hätten. Der Start in die Crunchtime wartete mit einer abermaligen Steigerung auf. Nachdem beide Teams jeweils einen Dreier und Abschluss am Ring ausgetauscht hatten, brachte Towers-Topscorer Devon Daniels sein Team per Floater erneut in Front. Rostock glich 30 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit wieder aus. Ballverlust Hamburg, Airball Rostock – 80:80 – Verlängerung.

Die Zusatzspielzeit glich einem Hauen und Stechen. Nahezu jeder Angriff endete in einem Foul, was zur Folge hatte, dass für gleich zwei Rostocker das fünfte persönliche Foul den vorzeitigen Feierabend bedeutete. Punkte gab es also erstmal nur von der Freiwurflinie. Die ganz großen Momente sollten aber noch folgen. Zur Mitte der Overtime hämmerte Zacharie Perrin einen Alley-Oop durch die Reuse, sieben Sekunden vor Schluss netzte Kenneth Ogbe den Dreier zum 91:86-Sieg, der den Veolia Towers nun auch rechnerisch den Ligaverbleib bescherte.

Stats: Thorpe (15, 7 Reb., 9 Ast.), Rich (2), Maronka (6, 8 Reb.), Grey, Breunig (14, 5 Reb.), Wimberg, Daniels (22, 3 Reb., 6 Ast.), Ogbe (7), Gamble (2), Williams (11), Perrin (12, 8 Reb.)