Offensivflaute im zweiten Viertel bringt Towers um Erfolg in Ulm

Trotz starkem Start und energischem Finish verlieren die Hamburg Towers aufgrund eines punktearmen zweiten Viertels bei ratiopharm ulm mit 78:74 (19:28, 37:36, 61:52).

WIE LIEF’S In der leeren Arena in Neu-Ulm waren in den Anfangsminuten vor allem die Anweisungen von Pedro Calles lautstark zu hören. Und die Hamburg Towers machten schnell deutlich, dass sie der Marschroute des Coaches aufmerksam folgten. Mit starker Defensive und geduldiger Offensive legten die Gäste aus der Hansestadt einen 0:7-Start auf das Parkett. Und auch von den ersten Ulmer Punkten ließen sich die Towers nicht aus dem Konzept bringen, bauten die Führung bis auf 12 Zähler aus. Etwas Sorge bereiteten den Hamburgern die frühe Foulbelastung von Maik Kotsar (2) und Eddy Edigin (3), die im Duell mit Felicio Schwerstarbeit leisteten. Nach einem Fünfer-Wechsel ging die Abstimmung kurzzeitig etwas verloren, dank starken Abschlüssen von Robin Christen blieb die Führung aber bestehen. Zu Beginn des zweiten Viertels hielten die Hamburg Towers die Intensität in der Verteidigung hoch. Während Ulm jedoch mit schweren Abschlüssen zu weiteren Punkten kam, blieben die Gäste über fünf Minuten ohne Zähler, Maik Kotsar kassierte währenddessen bei einem Drive gegen Per Günther sein drittes Foul. Zur Mitte des zweiten Abschnittes war der zuvor herausgespielte Vorsprung egalisiert. Pedro Calles versuchte mit einer Auszeit gegenzusteuern. Nach über sechs Minuten beendete Seth Hinrichs an alter Wirkungsstätte die Durststrecke, Jaylon Brown legte nur Sekunden später im Fastbreak nach. Doch nachdem sich die Towers wieder gefangen hatten, sorgten zwei unglückliche Entscheidungen der Unparteiischen für erneute Unruhe. Ulm nutze die überraschende Chance und brachte sich zur Halbzeit in Führung. Nach dem Seitenwechsel blieb das Momentum auf Ulmer Seite, nach zweieinhalb Minuten lagen die Towers zum ersten Mal zweistellig hinten – auch weil die Ulmer gleich drei Dreier verwandelten. Die Hamburger Offensive dagegen stotterte, der Flow aus den Anfangsminuten war verflogen. Allein den defensiven Anstrengungen war es zu verdanken, dass das Team von Pedro Calles – das auch im Rebound-Duell (51 Ulm, 28 HAM) deutlich das Nachsehen hatte – nicht abreißen ließ. Maik Kotsar drückte mit zwei erfolgreichen Abschlüssen den Rückstand wieder in den einstelligen Bereich, eher der Center mit seinem vierten persönlichen Foul ausgewechselt werden musste. Ulm zog wieder leicht davon, doch ein 5:0-Lauf in den letzten Sekunden des dritten Viertels wahrte die Chance auf ein erfolgreiches Ende. Ein Dreier von Lukas Meisner und zwei gut herausgespielte Punkte von Justus Hollatz zum Start in den Schlussabschnitt untermauerten den Wunsch nach einer Wendung, ein weiterer Dreier von Meisner ließ den Rückstand auf sechs Punkte schmelzen. Die Towers hatten es geschafft, sich noch einmal in aussichtsreiche Position zu bringen. Für den entscheidenden Turnaround fehlte am Ende aber die letzte Kraft – Jaylon Brown wurde beim Dunkversuch geblockt, Ulm zog erneut auf zehn Punkte weg. Nach einem sehenswerten Alley-Oop von Maik Kotsar war die Partie für den Center dann mit dem fünften Foul beendet, ein letzter Dreier von Homesley änderte am Ausgang nichts mehr.

TOWERS-STATS Kotsar (16 Pkt., 8 Reb.), Meisner (14, 4/6 3er), Homesley (10, 7 Reb., 7 Ass.), Hinrichs (10, 6 Reb.), J. Brown (7), McCallum (6), Christen (5), Hollatz (4, 5 Ass., 3 Stl.), Edigin (2), DiLeo

Ulms Christiano Felicio und Hamburgs Maik Kotsar lieferten sich ein sehenswertes Duell. | Foto: Harry Langer

DUELL IM FOKUS Maik Kotsar vs. Christiano Felicio – das Center-Duell hielt, was es versprochen hatte. Denn die beiden Big Men lieferten sich einen sehenswerten Fight unter den Körben. Mit starker Defensive hielt Maik Kotsar sein Gegenüber bei 8 Punkten, der niedrigsten Ausbeute des brasilianischen Nationalspielers in dieser Saison. Mit 16 erzielten Zählern brachte es Kotsar auf seinen zweitbesten Wert in dieser Saison. Das Rebound-Duell ging dagegen trotz aller Anstrengungen klar an Christiano Felicio, der sich 16 Boards schnappte und damit eine neue persönliche Bestleistung aufstellte. Maik Kotsar kam am Ende auf 8 Rebounds. Dass Maik Kotsar bis an die Grenze ging, belegen auch seine fünf persönlichen Fouls – mit denen er nach 21:03 gespielten Minuten seinen Arbeitseinsatz beenden musste.

TOWER OF THE GAME Zur Halbzeit stand Lukas Meisner bei drei Zählern. Bis dahin schulterten Caleb Homesley (7 Pkt., 5 Reb., 5 Ass. zur HZ) und Seth Hinrichs (8, 5 Reb.) das Spiel der Hamburg Towers. Dass die Hanseaten im Schlussviertel doch noch einmal die Chance auf einen Wendepunkt hatten, lag allerdings allein am treffsicheren Meisner. Der Forward verwandelte vier von sechs Versuchen aus der Distanz, kam am Ende auf 14 Zähler – neun davon erzielte er im Schlussviertel. Hinter Maik Kotsar war Lukas Meisner der zweitbeste Punktesammler in einer Partie, bei dem es in den entscheidenden Phasen an Zählbarem fehlte.

WHAT’S NEXT In nur drei Tagen wartet auf die Hamburg Towers der nächste Härtetest. Am Mittwoch empfängt das Team von Pedro Calles am siebten Spieltag im 7DAYS EuroCup den Gruppenersten Lokomotiv Kuban Krasnodar. Das russische Topteam gewann bereits 2013 die Trophäe im zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerb. Neben Head Coach Evgeniy Pashutin, der schon beim Titelgewinn an der Linie stand und 2019 zurückkehrte, haben gleich zwei Akteure den EuroCup bereits gewonnen – zudem steht mit Jonathan Motley der aktuelle Topscorer und fünftbeste Rebounder des Wettbewerbs in den Reihen des Powerhouses. Mit der Verpflichtung von Quinn Cook, der 2018 und 2020 den NBA-Titel feierte und in der Vorwoche seine ersten Spiele für Lokomotiv Kuban bestritten hat, unterstrichen die Russen ihre Titelambitionen. Tickets für das Duell mit dem internationalen Topteam gibt es ausschließlich im Online-Ticketshop unter tickets.hamburgtowers.de.

KURZER SCHNACK NACH DEM SPIEL

Lukas Meisner drückte dem Hamburger Spiel in der zweiten Hälfte seinen Stempel auf, Seth Hinrichs in der ersten. | Foto: Harry Langer

PEDRO CALLES: „Zunächst Gratulation an Ulm. Wir sind heute auf beiden Seiten des Feldes sehr gut ins Spiel gestartet. Unglücklicherweise konnten wir im zweiten Viertel unseren Rhythmus in der Offensive nicht beibehalten. Von da an sind wir ins Hintertreffen geraten. Zwei Aspekte, die das Spielgeschehen heute am meisten geprägt haben, waren die Offensivrebounds von Ulm und die von uns forcierten Ballverluste.“

LUKAS MEISNER: „Wir lagen zur Halbzeit mit einem Punkt hinten, danach ging es für uns bergab. Da haben wir einfach nicht den richtigen Zugriff gefunden. Heute hat es bei mir gut geklappt, das kann beim nächsten Mal aber schon wieder anders sein. Ich versuche mich nicht vom Auf und Ab beeinflussen zu lassen. Ich arbeite hart und bin froh, dass sich das persönlich auszahlt. Aber natürlich müssen wir als Team gewinnen, sonst bringen gute persönliche Leistungen gar nichts.“