Nachholspiel unter besonderen Umständen

Am Mittwoch beenden die Hamburg Towers mit der Nachholpartie des 14. Spieltages bei Tabellenführer FC Bayern München die Nationalmannschaftspause. Gleich drei Stammspieler reisen ohne Teamtraining zur Partie. Tipoff ist um 19 Uhr. Magenta Sport überträgt ab 18.45 Uhr live.

WHAT’S UP?! Nicht nur die Nationalmannschaftspause, sondern auch die Geschehnisse in Russland und der Ukraine machen aktuell eine Rückkehr ‚back to normal‘ nur schwer möglich. Da die Euroleague, der höchste europäische Vereinswettbewerb, unter dem auch der 7DAYS EuroCup organisiert ist, fortlaufend über die weitere Teilnahme der russischen Klubs am Spielbetrieb berät, sind die Auswirkungen auf die Spielpläne der Hamburg Towers und des FC Bayern München derzeit noch nicht absehbar. Die Vorbereitungen auf die Partie der beiden Teams in der nationalen easyCredit BBL am Mittwoch (Tipoff 19 Uhr) dagegen wurden und werden durch das noch laufende Nationalmannschaftsfenster ganz sicher beeinflusst. Denn gleich vier Akteure auf Hamburger Seite verbrachten die letzte Woche bei ihren Nationalmannschaften – mit Max DiLeo, Justus Hollatz und Maik Kotsar bestreiten drei noch am Montag ein weiteres WM-Qualifikationsspiel, ehe sie erst am Dienstag im Laufe des Tages in München wieder zum Team stoßen. Ohne die Stammspieler konnte Head Coach Pedro Calles nach fünf freien Tagen entsprechend nur eingeschränkt trainieren. Beim FC Bayern, die noch vor dem FIBA-Fenster mehrere Corona-Fälle im Team beklagten, fehlte zum Abschluss nur Andreas Obst, der für die zweite DBB-Partie in Heidelberg angereist war. Ansonsten scheint Andrea Trinchieri wieder aus dem Vollen schöpfen zu können. Dass dem Italiener bis zu 17 Spieler zur Verfügung stehen, macht die Vorbereitung für die Hamburger zusätzlich unübersichtlich. Doch nicht nur wer spielt, ist zumeist unklar, auch wie die Münchner spielen, ist zumindest so lange ein offenes Geheimnis, bis der Zwölf-Mann-Kader bekannt ist. Ebenso überrascht, dass der FC Bayern München als Tabellenführer eine der, an den Zahlen gemessen, unproduktiveren Offensiven stellt. Mit lediglich 80,9 PpS rangiert das Team aus der bayerischen Hauptstadt im unteren Drittel, nimmt dabei im Schnitt die zweitwenigsten Würfe (59,3) aller BBL-Teams – mit durchschnittlichen Quoten. Defensiv gehört das Trinchieri-Team dagegen zur absoluten Elite. Nur 73,1 Zähler lässt der FC Bayern im Mittel zu, lediglich 50,2 Prozent Trefferquote gegnerischer Teams aus dem Zweierbereich – übrigens Top-Wert im BBL-Vergleich – sind ein weiteres Indiz für die außerordentliche Verteidigungsleistung. Welche Überraschungen die Nachholpartie des 14. Spieltages final parat hat, zeigt Magenta Sport, wie gewohnt, live ab 18.45 Uhr.

Hamburg Towers Nationalmannschaftsquartett. | Foto: Marvin Contessi

DUELL IM FOKUS Max DiLeo vs. Andreas Obst. Noch am Montag trugen die beiden Guards das Trikot des Deutschen Basketball Bundes, spielten Seite an Seite gegen das israelische Nationalteam um wichtige Punkte in der Qualifikation zur WM 2023. Am Mittwoch stehen sich die beiden Akteure dann im direkten Duell gegenüber. Die Aufgabe für Hamburgs Kapitän: Andreas Obst am Punkten hindern. Denn der 25-Jährige mit dem markanten Schnauzer gilt als Dreier-Experte. In fast 21 Minuten Einsatzzeit kommt Andreas Obst auf 9,6 Punkte, 1,7 Rebounds und 1,2 Assists. Max DiLeo steht im Schnitt etwas mehr als 15 Minuten auf dem Parkett, erzielt dabei 4,2 Punkte, 1,6 Rebounds und 1,4 Assists. Obwohl der Hamburger Verteidigungsminister vor allem als Defensivexperte bekannt ist, kann DiLeo in Sachen Dreierquote aber durchaus mit seinem Gegenüber mithalten – so trifft der DBB-Debütant bisher 37,0 Prozent, Obst mit 39,2-prozentiger Wahrscheinlichkeit.

BLICK IN DIE GESCHICHTSBÜCHER Mit insgesamt drei Partien ist die Historie des Duells zwischen Hamburg und München kurz – aber keinesfalls unbewegt. Zum einen, weil die Towers ihre BBL-Premiere in der bayerischen Landeshauptstadt gaben und mit 111:55 noch deutlich Lehrgeld zahlen mussten. Zum anderen aber auch, weil dem Team von Pedro Calles bereits im dritten Anlauf ein Achtungserfolg gegen das Euroleague-Schwergewicht gelang. Vor rund elf Monaten, am 27.03.2021, bezwangen Maik Kotsar und Co. das Münchner Starensemble nach Overtime (91:86). Der estnische Center stand mit 42:32 Minuten von allen Akteuren am längsten auf dem Parkett – legte mit 20 Punkten und 14 Rebounds ein beachtliches Double Double auf. Die letzten Zähler markierte indes Max DiLeo, der – nachdem München vier Sekunden vor Ende der Verlängerung per Dreier auf drei Punkte verkürzte – von der Freiwurflinie keine Nerven zeigte. Dass der heutige Towers-Kapitän zum Ende der Partie für seine einzigen beiden Versuche an den Charity-Stripe durfte, war Münchens Coach Andrea Trinchieri im Anschluss sogar ein Dorn im Auge, blieb seine Guard-Riege in der Partie doch gänzlich ohne Versuch.

OFF THE COURT Gleich vier Akteure der Hamburg Towers waren die vergangene Woche auf Nationalmannschaftsreise. Doch während die Nominierungen von Maik Kotsar für Estlands Nationalteam und Justus Hollatz für den Deutschen Basketball Bund mittlerweile eher Formsache sind, kam die Berufung von Max DiLeo und Robin Christen durch Gordon Herbert kurzfristig, aber auch nicht vollends überraschend. Erst einen Tag vor Beginn des Lehrgangstarts in Frankfurt erhielten die beiden Towers-Profis einen Anruf vom Bundestrainer, packten anschließend ihre Koffer und trafen pünktlich zum Trainingsstart beim DBB ein. Vergangenen Freitag gaben DiLeo und Christen dann ihr Debüt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, erzielten je drei Punkte. Beim Sieg des DBB gegen Israel ragte neben Kapitän Robin Benzing (17 Punkte) der erst 20-jährige Justus Hollatz mit 16 Zählern und 8 Assists heraus. Maik Kotsar verhalf Estland mit einem Double Double (17 Pkt., 10 Reb.) zum Sieg gegen Polen. Am Montag bestreiten sowohl Maik Kotsar (18 Uhr in Polen) als auch Justus Hollatz und Max Dileo (19.30 Uhr gegen Israel, live & kostenfrei bei Magenta Sport) ihre nächsten Partien, Robin Christen wurde unterdessen für die zweite DBB-Partie nicht nominiert.

KURZER SCHNACK VOR DEM SPIEL

Gute Würfe sind für Seth Hinrichs ein Schlüssel für das Duell gegen München. | Foto: Dennis Fischer

PEDRO CALLES: „Ich habe die kurze Pause nutzen können, um Zeit mit meiner Familie in Hamburg zu verbringen. Gleichzeitig habe ich versucht, den Kopf freizukriegen, war dafür viel in der Natur. Wir konnten leider nur eingeschränkt trainieren, waren nicht vollzählig und konnten daher auch nicht mit voller Intensität arbeiten. Wir müssen warten, bis auch Maik, Justus und Max wieder zum Team stoßen. Dass jetzt mit Robin und Max kurzfristig zwei weitere Spieler bei der Nationalmannschaft waren und nicht mit uns trainieren konnten, verärgert mich aber keineswegs. Ich bin sehr stolz auf die beiden. Vor drei Jahren waren wir noch gemeinsam in der ProA. Auch der große Kader der Münchner macht unsere Vorbereitung kompliziert. Je nachdem, welche Spieler eingesetzt werden, spielen sie unterschiedliche Systeme. Wir müssen aber schauen, dass wir unsere Spieler nicht mit zu vielen Informationen überladen. Eine Vorhersage ist schwer zu treffen. Wir gehen aber davon aus, dass sie ihre Vorteile auf den Innenpositionen nutzen wollen – Thomas, Lucic auch vermehrt in ein Post-Up bringen.“

SETH HINRICHS: „Auch ich habe die Tage mit der Familie verbracht. Wir haben einen kleinen Kurzurlaub gemacht, waren gemeinsam im Tierpark, haben die Wohnung etwas aufgeräumt und ansonsten viel entspannt. Es dauert nach einer Pause ein wenig, bis man wieder in den Spielrhythmus findet. Aber dafür sind wir Profis, jeder hat seine eigenen Routinen. Und auch die Coaches bereiten uns gut vor. Dass München die zweitwenigsten Wurfversuche pro Spiel nimmt und ganz oben steht, heißt auch, dass sie eine gute Defensive spielen. Wir müssen also unseren Stil durchsetzen, gleichzeitig offensiv aber auch einen sehr guten Job machen. Dazu gehört, dass wir gute Würfe nehmen, auf den Ball aufpassen. Unser Ziel muss sein, dass sich ihre Größenvorteile nicht auszahlen.“