Mit Towers-Power zur Bescherung gegen bissige Tigers
Mit einer puren Energieleistung sichern sich die Veolia Towers Hamburg einen 94:86-Sieg im Weihnachtsspiel gegen die Tigers Tübingen. Will Christmas (21) wird mit BBL-High zum Matchwinner. Gleich fünf Hamburger punkten zweistellig.
Benka Barloschky: „Ich habe keine Ahnung, wie die Statistiken heute aussehen. Das ist aber auch egal. Das ist heute mit Abstand der schönste Sieg. Die Art und Weise, wie sich die Mannschaft das Spiel in der zweiten Halbzeit zurück erkämpft hat, war unglaublich. Eine wahre Energieleistung. Wir haben vor nicht einmal 48 Stunden ein Spiel im EuroCup gespielt. Was die Jungs heute wieder für eine Energie auf das Feld bekommen haben, ist unglaublich. Das war wieder eine Bestätigung für den Prozess, das bringt weiteres Vertrauen in das, was wir uns jeden Tag erarbeiten.“
William Christmas: „Das war ein unglaublich schweres Spiel. Wir sind gestern erst aus London zurückgekommen. Es war nicht leicht, die Energie wiederzufinden. Aber wir haben uns selbst gesagt, gute Teams finden immer einen Weg. Das hat uns geholfen, das Energielevel hochzufahren und den Sieg zu holen. Als wir zum Ende hin unsere Würfe getroffen haben, haben wir zusätzlich noch von unseren Fans gezehrt. So konnten wir in den letzten zehn Minuten alles reinwerfen. Wir haben nie aufgegeben, auch wenn sie – so wie Ersek oder Jackson – schwierige Würfe getroffen haben. Das hat uns aber nicht unser Vertrauen genommen. Wir haben jederzeit daran geglaubt, uns durchsetzen zu können.“
Obwohl die Veolia Towers nach dem sensationellen Sieg in London quasi ohne Verschnaufpause in den Weihnachtsspieltag gegen die Tigers Tübingen starteten, gab es in der Anfangsphase keinerlei Ermüdungserscheinungen. VJ King stopfte den ersten Korberfolg durch die Reuse, Lukas Meisner ließ einen Dreier aus der Ecke folgen – und Jonas Wohlfarth-Bottermann trug sich als Erstes einen Monsterblock in die Statistik. Doch auch die Gäste begannen, wie nach 13 Tagen Vorbereitungszeit nicht anders zu erwarten, mit viel Energie. Auch auf dem Scoreboard zeigte sich zunächst kein Unterschied zwischen beiden Kontrahenten. Nach dem zweiten Meisner-Dreier sowie einem Statement-Dunk von Mark Hughes lagen die Hamburger kurzzeitig vier Zähler in Führung – die höchste Differenz in den ersten zehn Minuten. Doch schon zum Ende des ersten Viertels hatten die Schwaben, bei denen Neuzugang Georgios Kalaitzakis direkt Verantwortung übernahm, wieder ausgeglichen. Mit einem Buzzerbeater schickte Jimmy Boeheim die Partie in die erste Pause. Der Tanzauftritt des Hamburg Towers Danceteams zu den Klängen eines Mariah Carey Klassikers blieb erst einmal der einzige Moment, der (vor-)weihnachtliche Stimmung verbreitete.
Tigers tanken Selbstvertrauen
Mit der Rückkehr der Protagonisten auf das Spielfeld war die Besinnlichkeit allerdings wieder wie weggewischt. Beide Teams gestatteten sich keinerlei Freiräume – was sich einerseits an der Anzahl der Fouls, andererseits in der Fehlerhäufigkeit widerspiegelte. Dem Kapitäns-Duo Jonas Wohlfarth-Bottermann und Seth Hinrichs, die nacheinander nervenstark am Korb verwandelten, war es zu verdanken, dass sich die Veolia Towers erneut leicht – jetzt waren es fünf Punkte – absetzen konnten. Von der Freiwurflinie erhöhte Will Christmas den Vorsprung sogar noch um einen weiteren Zähler. Nur 55 Sekunden später hatten die bissigen Tigers Tübingen allerdings erneut aufgeschlossen. Und das zu einfach: Was Benka Barloschky seinem Team in einer anschließenden Auszeit auch deutlich machte. Doch auch die Ansprache konnte nicht verhindern, dass die Gäste im Anschluss die Führung übernahmen. Und anschließend mit noch mehr Selbstvertrauen auftraten. Der austro-deutsche Erol Ersek erzielte alle seine 16 Punkte (in nur 5:36 Min. Einsatzzeit) aus der ersten Hälfte in Serie. Und führte sein Team damit im Alleingang bis auf acht Zähler weg. Die Towers mühten sich, vor der Pause nicht abreißen zu lassen. Trotz lautstarker Anfeuerungsrufe der 3207 Fans änderte sich an der Punktedifferenz jetzt noch nicht mehr viel. Beim Stand von 41:48 ging es in die Kabinen.












Während der Halbzeit verteilte easyCredit Maskottchen Elli Hoop mit der T-Shirt-Kanone ein paar Geschenke. Mit Wiederbeginn fand die Zeit der Bescherung aber ein jähes Ende. Jede erfolgreiche Aktion der Veolia Towers konterten die Tigers mit einem eigenen Korberfolg. Und weil sich beide Teams nichts schenkten, änderte sich auch an der Punktedifferenz nichts. Auch Fouls gab es weiterhin zuhauf – sowohl Tübingens Seric als auch Hamburgs Brauner kassierten früh ihr jeweils viertes persönliches. Während die Emotionen brodelten, legten die Schwaben weiter zu und erhöhten die Hypothek auf 13 Zähler. Doch der höchste Rückstand des Abends setzte bei den Towers neue Kräfte frei. Lukas Meisner und Jonas Wohlfarth-Bottermann drückten das Minus wieder in den einstelligen Bereich. VJ King und Mark Hughes, jeweils aus der Distanz, bestätigten den hart erkämpften Aufwärtstrend. Der Lärmpegel in der edel-optics.de Arena erreichte den Grenzbereich. Zur Krönung des Momentums beendete Aljami Durham den Abschnitt mit einem And One. Dank des späten 11:2-Spurts waren die Hausherren vor dem Schlussviertel auf 70:73 dran.
Bescherung im letzten Heimspiel des Jahres
Gegen die bisher hochprozentig aus der Distanz treffenden Tübinger hatten die Hamburger mittlerweile auf Zonenverteidigung umgestellt. Und so langsam entfaltete die Defensivvariante ihre Wirkung. Zwei Wurfversuche der Tigers verfehlten das Ziel, ein Pass landete im Aus. Und die Towers, die rissen mit fünf Punkten in Serie die Führung wieder an sich. Auch Head Coach Benka Barloschky, Ärmel hochgekrempelt, Hemd durchgeschwitzt, ließ an der Seitenlinie nichts unversucht, um das Energielevel am Anschlag zu halten. Fünf Minuten waren im Schlussviertel vergangen. Lediglich zwei Punkte hatten die Hanseaten währenddessen zugelassen. Zur Krönung gab es den nächsten Statement-Dunk von VJ King. Der krachende Sieben-Punkte-Vorsprung zog sich anschließend bis zum Start der Crunchtime. Mit ausladenden Armbewegungen war es einmal mehr Hamburgs Cheftrainer, der das Publikum mitnahm. Und die Unterstützung von den Rängen war Gold wert. Unter tosendem Beifall versenkte Lukas Meisner seinen dritten Distanztreffer des Abends und sorgte so 70 Sekunden vor Schluss für die Entscheidung. Während auf den Rängen nun endgültig eine Weihnachtsfeier ausbrach, vollendete Topscorer Will Christmas den 94:86-Erfolg, den siebten Saisonsieg, mit dem sich die Veolia Towers Hamburg im letzten Heimspiel des Jahres 2023 selbst wohl das schönste Geschenk machten.
Stats: Krause, Hughes (14), Brauner, Möller (2), Meisner (16, 5 Reb.), Dziewa (6), Christmas (21, 3 Reb.), Hinrichs (2), King (12, 8 Reb.), Wohlfarth-Bottermann (8, 3 Ass.), Durham (13, 5 Reb., 4 Ass.)
