Zonenkampf Jonas Wohlfarth-Bottermann gegen Vilnius

Mit Stotterstart und ohne Wurfglück gegen Vilnius

Nach verpasstem Start arbeiten die Veolia Towers intensiv an einem Comeback. Weil in den entscheidenden Phasen aber das Wurfglück fehlt, können sich die Wolves Vilnius letztendlich mit 71:84 durchsetzen. Mark Hughes wird mit 14 Punkten Topscorer.

Benka Barloschky: „Wir haben den Start verschlafen. Wenn man direkt mit 15 Punkten zurückliegt, dann ist es schwer, so einen Rückstand im EuroCup wieder aufzuholen. Wir haben es zwar geschafft, wieder ins Spiel zu finden, haben den Rückstand bis auf vier Punkte reduziert. Es gab viele Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, dass wir uns das Spiel holen können. Letzten Endes hat es aber nicht geklappt, auch weil unsere Würfe in der zweiten Halbzeit nicht gefallen sind. Ich bin wirklich zufrieden mit der Halbzeit, ganz besonders in der zweiten Hälfte haben wir gut verteidigt. Aber dann müssen wir uns auch die Defensivrebounds holen. Aber das haben wir heute zu wenig gemacht. Das war entscheidend.“

Mark Hughes: „Unser Beginn war alles andere als gut. Der 0:15-Start hat es uns direkt sehr schwer gemacht. Vilnius ist jetzt auch kein Team, gegen das so ein Rückstand mit Leichtigkeit wieder aufgeholt werden könnte. Wir sind mehrfach dran gewesen. Aber ich hatte das Gefühl, immer, wenn Vilnius einen Treffer gebraucht hat, dann sind ihre Würfe auch gefallen. Bei uns sind in den wichtigen Phasen die Würfe nicht gefallen. Das hat letztendlich dazu geführt, dass uns das Comeback nicht gelungen ist.“

Leif Möller: „Für mich waren zwei Dinge heute entscheidend. Einerseits der 15:0-Lauf zu Spielbeginn und dann das verlorene Rebound-Duell. Außerdem hat Vilnius über weite Strecken physischer gespielt. Dadurch sind sie immer wieder auch zu einfachen Abschlüssen am Korb gekommen. Und hat heute die Physis von Olek gefehlt. Dass wir auf ihn verzichten mussten, macht es nicht leichter gegen so erfahrene EuroCup-Spieler. Da haben wir das eine oder andere Mal den Kürzeren gezogen.“

In den Anfangsminuten lief aus Sicht der Veolia Towers so gar nichts zusammen. Erst streikte die Anzeigetechnik für rund fünf Minuten. Noch einmal so lang dauerte es auch, bis die Hamburger ihre ersten Punkte verbuchen konnten. Verlass war zunächst nur auf die 1585 Zuschauenden, die stehend bis zu den ersten Zählern – einem Freiwurf von Will Christmas – ausharrten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Wolves Vilnius die Technik mit 15 Punkten bereits ausführlich auf ihre Funktionsfähigkeit getestet. Doch auch der schnelle zweistellige Rückstand brachte keine Verunsicherung. Mit einem Dreier übers Brett und einem weiteren Treffer aus der Halbdistanz kurbelten Youngster Leif Möller und Kooperationsspieler Camron Reece – die sonst gemeinsam auch für den SC Rist Wedel in der ProB auf dem Parkett stehen – die Offensive der Hanseaten an. Das Selbstvertrauen der gelungenen Abschlüsse nahmen die Towers auch in die Defensive mit. Gleich vier Ballverluste erzwangen die Gastgeber in der verbleibenden Spielzeit des ersten Viertels. Und nutzten die Stopps, um den Rückstand wieder in den einstelligen Bereich zu drücken. Von der Freiwurflinie verkürzte Lukas Meisner auf fünf Punkte. Die letzten drei Zähler der ersten zehn Minuten fielen allerdings auf der Gegenseite – der 16:24-Zwischenstand war die logische Konsequenz.

Vilnius körperlich überlegen

Zu Beginn des zweiten Viertels setzten die Veolia Towers ihr Streben nach dem Anschluss konsequent fort. Ein weiterer Ballbeginn von Lukas Meisner ermöglichte es Teamkollege Will Christmas, der sich im ersten Viertel vier Offensivrebounds geschnappt hatte, auf vier Punkte zu verkürzen. Anschließend geriet die Aufholjagd aber erst einmal ins Stocken. In vier Angriffen in Serie beförderten die Wolves Vilnius das Spielgerät durch die Reuse. Und setzten sich so wieder spürbar ab. Vor allem der 2,11-Meter-Hüne Djordje Gagic bereite den Towers, die auf den erkrankten Aleksander Dziewa verzichten mussten, Probleme. Ausgerechnet Hamburgs Jüngster entpuppte sich in dieser Phase als Fels in der Brandung. Mit zwei Step-back-Abschlüssen aus der Mitteldistanz, einen direkt über den 32-jährigen Veteranen, wahrte Leif Möller den Anschluss. Dennoch hatten die Gäste aus der litauischen Hauptstadt der Partie nun deutlich ihren Stempel aufgedrückt. Gegen die zunehmend körperliche Gangart auf beiden Seiten des Feldes taten sich die Hamburger schwer. In den letzten drei Minuten vor der Pause brachten die Hanseaten nur noch fünf Punkte ins Ziel – sodass auch der 37:47-Halbzeitstand gleiches widerspiegelte.

Ganz anders als noch zu Spielbeginn war bei den Veolia Towers nach dem Seitenwechsel von Anlaufschwierigkeiten nichts zu sehen. Co-Kapitän Seth Hinrichs, der immer wieder auch den Ball im Spielaufbau über das Feld trieb, verkürzte den Rückstand mit seinem zweiten Abschluss wieder auf sechs Zähler. Als die Wolves Vilnius dann allerdings Topscorer Gagic zurück aufs Feld schickten, geriet der Hamburger Motor erneut ins Stottern. Der Einfluss des Serben, selbst wenn er den Ball nicht in den Händen hielt, war ebenso gewaltig wie seine Statur. Als der Big Men das Feld zwei Minuten später wieder verlassen hatte, lag der Rückstand abermals bei 12 Punkten. Die Hamburger hatten den Kampf aber längst angenommen, waren nun auch körperlich ebenso präsent wie ihre Kontrahenten. Nicht auf ihrer Seite hatten sie dagegen das Glück des Tüchtigen. Weder im Abschluss, noch in einigen Entscheidungen der Unparteiischen. Kurz vor Ende des dritten Viertels waren die Towers drauf und dran, den Rückstand wieder in den einstelligen Bereich zu drücken. Da Mark Hughes einen Crossover aber als Offensivfoul gepfiffen bekam und anschließend die letzten Zähler des Abschnitts auf Vilnius‘ Seite landeten, gelang das nicht.

Wenn die Würfe nicht fallen

Stattdessen begann das Schlussviertel beim Stand von 55:68. Und die 13-Punkte-Hypothek hielt sich auch für die nächsten drei Minuten hartnäckig. Dass die Veolia Towers allerdings nicht aufstecken würden, bevor auch die letzte Sekunde von der Spieluhr verstrichen ist, das schien auch Kestutis Kemzura zu spüren. Knapp sieben Minuten waren noch zu spielen, da nahm der Wolves Head Coach nach dem ersten Distanztreffer von Lukas Meisner eine Auszeit. Doch es trat genau das ein, was der Litauer befürchtet hatte. Die Hamburger erspielten sich ein Übergewicht, zwangen Vilnius zu schweren Abschlüssen oder auch zur Übertretung der 24-sekündigen Angriffszeit. Doch so stark die Defensive in den letzten fünf Minuten auch war, so wenig wollte den Veolia Towers im Angriff gelingen. Die Abschlüsse, ob in Korbnähe oder aus der Distanz, waren allesamt gut herausgespielt. Wollten aber unter keinen Umständen fallen. Korbleger von Seth Hinrichs oder Will Christmas tänzelten ebenso über den Ring wie die Drei-Punkte-Würfe von Lukas Meisner und Mark Hughes. Erst der siebte Versuch in dieser Phase, ein Distanzversuch des US-Amerikaners, landete im Ziel. Die noch verbleibenden 66 Sekunden genügten aber nicht mehr, um der Partie, die schlussendlich mit 71:84 zu Ende ging, eine entscheidende Wendung zu geben.

Stats: Krause, Hughes (14, 4 Reb, 5 Ass.), Reece (2), Brauner, Möller (7, 3 Reb.), Meisner (7, 6 Reb.), Christmas (8, 9 Reb.), Hinrichs (11, 5 Reb.), King (13), Wohlfarth-Bottermann (4), Durham (5)