Historischer Sieg von neuen Towers
Im ersten BBL-Spiel ihrer Jubiläumssaison setzen sich die Veolia Towers mit 79:87 (38:38) bei den MHP RIESEN Ludwigsburg durch und sichern sich so im insgesamt zehnten Anlauf den ersten Sieg gegen die Schwaben. Entscheidend ist die Hamburger Widerstandsfähigkeit. Alle eingesetzten Spieler punkten.
Benka Barloschky: „Ich bin super stolz auf die Mannschaft. Das war das erwartete, schwere Spiel. Ich glaube, hier zu spielen, vor den Fans und gegen ein sehr physisches Team, das ist nicht einfach. Aber wir haben immer wieder dagegengehalten, uns auch vom letzten Run nicht einschüchtern lassen und in Ludwigsburg gewonnen. Ich bin mega happy. In Ludwigsburg gewinnen, wird wahrscheinlich nicht so vielen Mannschaften gelingen. Wichtig ist jetzt, dass wir demütig bleiben, einen Schritt nach dem anderen machen und den Prozess vorantreiben. Wir haben jetzt einen ganz, ganz kurzen Turnaround. Am Sonntag steht uns zu Hause ein super schweres Spiel gegen Würzburg bevor und dafür wollen wir wieder ready sein.“
Aleksander Dziewa: „Das war auf jeden Fall ein großer Kampf. Wir haben von Anfang bis zum Ende sehr hart für diesen Sieg gearbeitet. Es ist hier wirklich kein einfaches Umfeld. Unser größtes Problem lag heute im Rebounding. Wir konnten uns die Abpraller nicht so sichern, wie wir uns das vorgenommen haben. Aber daran werden wir arbeiten. Jetzt sind wir erstmal sehr glücklich, dass uns der Sieg gelungen ist. Wir haben eine sehr gute Teamchemie, ich denke, das konnte man heute auch sehen.“
Eng zusammengerückt lauschte die Mannschaft kurz vor dem Tipoff noch einmal den Anweisungen von Head Coach Benka Barloschky. Ebenso konzentriert ging es in den Anfangsminuten auch auf dem Parkett weiter. Nachdem sich VJ King zweimal kraftvoll am Brett durchsetzen konnte, nutze Mark Hughes anschließend den Freiraum an der Dreierlinie. Nach der ersten Führung geriet das Hamburger Spiel aber ins Stocken. Denn die Ludwigsburger, die mit hochprozentiger Offensive viel Selbstvertrauen getankt hatten, zogen ein erstes Mal in der Defensive an. Während den Towers über dreieinhalb Minuten keine weiteren Zähler gelingen wollten, setzten sich die Riesen erstmals an diesem Abend leicht ab. Weiter als sieben Punkten ließ die Hamburger Mannschaft, die im Rebound noch nicht konsequent genug zupackte und so zu viele zweite Chancen zuließ, ihr Pendant aus dem Schwabenland aber nicht davonziehen. Stattdessen arbeitete sie sich beständig und mit viel Ruhe wieder an die Ludwigsburger heran. Auch, weil sie nicht vor der körperlichen Gangart der Hausherren zurückschreckte. Nach zwei verpassten Ludwigsburger Freiwürfen endete das erste Viertel mit einem Drei-Punkte-Rückstand.
Führung wechsel dich
Nach 99 Sekunden ohne nennenswerte Aktionen eröffnete Terrell Gomez mit einem Distanztreffer den zweiten Abschnitt. Will Christmas, der nach einem guten Cut von Jonas Wohlfarth-Bottermann gefunden wurde, knüpfte direkt an und brachte die Towers wieder in Führung. Es folgte ein kurzer Ludwigsburger Spurt, mit einhergehendem Führungswechsel, dem Benka Barloschky mit einer Auszeit aber ein jähes Ende setzen konnte. Nachdem er sein Team lautstark daran erinnert hatte, die Konzentration über 40 Minuten hochzuhalten, vollendeten Christmas und Dziewa zwei gute Passstafetten mit zwei Treffern aus der Distanz. Die offensive Konstitution spiegelte sich auch in der Defensive wider. Ludwigsburg musste sich nun für jeden Abschluss strecken. Über drei Minuten brachte die Truppe von Josh King nur zwei weitere Punkte auf die Anzeigetafel. So nahmen die Hamburger nach vier Zählern von Aleksander Dziewa die Führung wieder auf ihre Seite. In den letzten zwei Minuten vor der Halbzeit wiederholte sich das Bild. Ludwigsburg, Hamburg, Ludwigsburg, Hamburg. Die Führung wechselte noch einmal hin und her – ehe eine intensive erste Hälfte mit einem bis hierhin leistungsgerechten Unentschieden endete.












Erinnerte das zweite Viertel eher an ein Zug um Zug durchdachtes Schachspiel, glich die Anfangsphase nach dem Seitenwechsel einem Sprintrennen. In Ping-Pong-Manier ging es von einer Seite des Feldes zur anderen. Die Ludwigsburger, bei denen der bis hierhin sehr präsente Eddy Edigin sein drittes Foul kassierte, setzten sich eine Fußlänge ab. Auch, weil sie nun über das gesamte Feld pressten. Manifestiert bekamen die Riesen, die in der Phase vielleicht etwas zu viel wollten, ihren Stil aber nicht. Einen Ballgewinn nach Schrittfehler von Elijah Childs nutzten die Veolia Towers, um mit einem 10:0-Lauf – zu dem Mark Hughes zwei Dreier beisteuerte – die Führung zum wiederholten Male wechseln zu lassen. Auf einen Ludwigsburger Konter, bei dem der Vorsprung zwar schrumpfte, mehr aber nicht, ließ Benka Barloschky ebenso wiederkehrend eine Auszeit folgen. Und erinnerte abermalig an das 40-minütige Konzentrationslevel. Nico Brauner transferierte anschließend Wort in Bild, verwandelte erst einen Dreier nach Offensivrebound und zwang anschließend seinen Gegenspieler zum Ballverlust. Und half somit entscheidend, dass die Veolia Towers ihre Führung zum Wechsel ins Schlussviertel behaupten konnten.
Mit dem Glück des Tüchtigen
Zwei unglückliche wie schnelle Fouls zu Beginn der letzten zehn Minuten ließen Jonas Wohlfarth-Bottermann nach nur 43 gespielten Sekunden wieder auf der Bank Platz nehmen. Doch auch ohne ihren Kapitän auf dem Feld gelang es den Towers, das Energielevel weiter hochzuhalten. Und sich das Glück des Tüchtigen zu sichern. Aleksander Dziewa sorgte mit dem And One gegen Edigin für das erste Highlight, als der Pole den Ball artistisch in den Korb zwirbelte. Will Christmas mit einem Fastbreak-Dunk für das zweite. Das dritte bescherte Youngster Niklas Krause, der bei seiner BBL-Premiere insgesamt 12:54 Minuten auf dem Feld verbrachte, indem er die Ludwigsburger Defensive austanzte. So sehenswert die herausgespielte zweistellige Führung auch war, so hatte sie doch keinen Bestand. Schmerzvoller als die 10:0-Antwort der Ludwigsburger war nur noch der Ausfall von Terrell Gomez, bei dem der Ellenbogen von Polas Bartolo unglücklich eine blutende Platzwunde an der Stirn hinterließ. Den doppelten Schock steckten die Veolia Towers allerdings gut weckt. Sieben unbeantwortete Punkte brachten die Hamburger in eine nahezu perfekte Position für die Crunchtime. Die erhielt zwar durch einen Dreier von Ludwigsburgs Topscorer Desure Buie noch ein kurzes Spannungsmoment, mehr aber auch nicht. Und so gelang den neuformierten Veolia Towers das, was noch keinem Hamburger Team in der zehnjährigen Klubgeschichte gelingen wollte, nämlich ein Sieg gegen die MHP RIESEN Ludwigsburg.
Stats: Krause (2), Gomez (7), Hughes (23, 4 Ass.), Brauner (4), Meisner (4, 7 Reb., 4 Ass.), Dziewa (18, 5 Reb.), Christmas (18, 6 Reb., 3 Ass.), Hinrichs (2, 3 Reb.), King (7), Wohlfarth-Bottermann (2, 6 Reb.)
