Hamburg Towers vor Mammutaufgabe gegen russisches Powerhouse

Am Mittwoch empfangen die Hamburg Towers den Tabellenführer und Titelaspiranten Lokomotiv Kuban Krasnodar in der edel-optics.de Arena. Tipoff am 7. Spieltag im 7DAYS EuroCup ist um 19.30 Uhr.

WHAT’S UP?! Nach sechs Spieltagen und der letzten ärgerlichen Niederlage in Polen rangieren die Hamburg Towers vor dem Aufeinandertreffen mit Lokomotiv Kuban Krasnodar auf Platz neun der Vorrundengruppe A. Die Russen stehen, nach einem Sieg in den letzten Sekunden gegen Trento, derzeit an der Tabellenspitze – und wollen, wenn es nach dem eigenen Verständnis geht, dort auch bleiben. Der EuroCup-Champion von 2013 versucht auch in diesem Jahr wieder nach der Trophäe zu greifen. Mit Errick McCollum und Jonathan Motley (24,7 PpS) stehen die beiden besten Scorer im Wettbewerb in den Reihen des Teams von Evgeniy Pashutin. Unterstützung bekommen die beiden US-Amerikaner von ihren Landsmännern Darius Thompson (13) und Stanton Kidd (9,7) – letztgenannter hat 2019 mit Darussafaka bereits den EuroCup gewonnen. In der Vorwoche absolvierte zudem Quinn Cook seine ersten Partien im rot-grünen Dress. Der Guard wechselte nach dem Gewinn der amerikanischen College-Meisterschaft 2015 zunächst in die G-League und anschließend in die NBA, um dort an der Seite von Stephen Curry (2018) und LeBron James (2020) erst mit den Golden State Warriors und dann mit den Los Angeles Lakers die Larry O’Brien Trophäe zu gewinnen. Mit 92,8 Punkten im Schnitt stellt Krasnodar die zweitbeste Offensive im Wettbewerb, was die Aufgabe für die Hamburg Towers, die aktuell die anfälligste Defensive (92,2 gegnerische Punkte) vorweisen, nicht leichter macht. Dass auch das russische Powerhouse aber durchaus verwundbar ist, zeigte nicht nur der zuletzt knappe Erfolg gegen Tabellenschlusslicht Trento. Vor der Länderspielpause verlor Lokomotiv Kuban Krasnodar gegen Ankara – auch weil es der türkische Klub schaffte, Krasnodars Stärken an der Dreierlinie entscheidend einzuschränken (30,8%, sonst 41,3% im Schnitt). Tipoff am Mittwoch ist um 19.30 Uhr, Tickets gibt es noch im Online-Ticketshop unter tickets.hamburgtowers.de, Magenta Sport überträgt live ab 19.15 Uhr.

Bisher absolvierte Ray McCallum vier Partien für die Hamburg Towers im 7DAYS EuroCup. | Foto: Marvin Contessi

DUELL IM FOKUS Klingt fast gleich, aber auch nur fast. Das Duell McCallum gegen McCollum. Die beiden Guards mit dem doch sehr ähnlich klingenden Nachnamen blicken auf eine beeindruckende Historie zurück. Der 30-jährige Hamburger Ray McCallum ging von der Uni zunächst in die NBA. In der stärksten Liga der Welt absolvierte er 154 Partien. Anschließend zog es den 1,91 Meter großen Aufbau nach Europa und Asien. Auf den eurasischen Kontinent zog es auch Errick McCollum. Seit knapp zehn Jahren gehört der 33-Jährige zu den erfolgreichsten Spielern des Kontinents, war 2014 EuroCup-Topscorer und führte 2016 Galatasaray als MVP zum Titel. Auch im Sommer heimste der US-Amerikaner einen Titel nach dem anderen ein – von 2015 bis 2018 sicherte er sich mit Overseas Elite gleich vier Mal den millionenschweren Sieg beim The Basketball Tournament. In dieser Saison ist Errick McCollum (20,3 PpS) hinter Teamkollege Motley zweitbester Scorer im EuroCup, trifft starke 42,9 Prozent von jenseits der Dreierlinie und verteilt zudem 4,3 Assists. Ray McCallum kommt auf 7,0 Punkte, der Dreier fällt mit 23,1 Prozent noch nicht wie gewünscht, dafür verteilt er 3 Assists in knapp 17 Minuten Einsatzzeit.

BLICK IN DIE GESCHICHTSBÜCHER Gleich zweimal zog das 1949 gegründete Team aufgrund schwindender wirtschaftlicher Wachstumsaussichten um – von Mineralnyje Wody ging es 2003 nach Rostow am Don und 2009 nach Krasnodar. Die Millionenstadt ist eines der wichtigsten Zentren im Süden Russlands. Seit dem letzten Standortwechsel gehört Lokomotiv Kuban Krasnodar zur sportlichen Elite des Landes, schnitt seit 2011 in der starken VTB nie schlechter als auf Tabellenplatz sechs ab. Auch im europäischen Wettbewerb machte sich das einstige Eisenbahner-Team einen Namen. Seit 2011 ist Lokomotiv im EuroCup und der Euroleague vertreten – 2013 sicherten sich die Russen unter dem seit 2019 wieder an der Seitenlinie agierenden Evgeniy Pashutin den EuroCup-Titel, zogen im Folgejahr in die EuroLeague Top16 ein, 2018 erreichte Kuban erneut das EuroCup-Finale.

OFF THE COURT Im Land des einstigen Eisenbahner-Klubs Lokomotiv Kuban Krasnodar kennt sich auch der Schienenlogistik-Experte und Connecting-Worlds-Partner der Hamburg Towers, die VTG AG, bestens aus. Denn für die Eurasialogistik stehen in der VTG-Gruppe in Europa und Russland rund 18.500 Tragwagen für den Container-Transport sowie knapp 9.000 Tankcontainer für den Transport unterschiedlichster Güter bereit. Insbesondere bei zeitkritischen Aufträgen oder hochwertigen Produkten lohnt sich der Containertransport nach Asien auf der Schiene – und natürlich auch zurück. Dank der ausgeprägten Logistikkompetenz von VTG und ihrem stabilen Netzwerk funktioniert das ganz reibungslos. Auch gegen den russischen Topklub wird das VTG-Logo, wie schon seit 2019 durchgängig, das Trikot der Hamburg Towers zieren.

KURZER SCHNACK VOR DEM SPIEL

Kapitän Max DiLeo gilt auf dem Feld auch als verlängerter Arm von Head Coach Pedro Calles. | Foto: Marvin Contessi

PEDRO CALLES: „Wir sind in einem Prozess, unsere Rollen im Team mehr und mehr zu definieren. Wir arbeiten daran, versuchen unterschiedliche Line-Ups, um zu sehen, wie effizient sie sind und welche Spieler uns in bestimmten Spielsituation helfen. Ich halte aber nicht viel davon, jetzt vor jedem Spiel alles umzustellen und damit infrage zu stellen, was wir in den letzten Monaten erarbeitet haben – auch wenn das noch nicht auf dem Level ist, wie ich mir das vorstelle. Kuban ist ein wirklich sehr gutes Team. Sie spielen sehr effizient und äußerst effektiv in der Defensive. McCollum ist ihr Kreativpunkt im Angriff, mit Motley hat er einen sehr guten Partner im Two-Man-Game. Zudem ist der Center ein sehr starker Rim-Protector. Wir müssen auf dem höchsten Level spielen. Ich werde nur zufrieden sein können, wenn wir auch wirklich alles auf dem Feld gelassen haben, unabhängig vom Ergebnis. Aber wir müssen alles geben.“

MAX DILEO: „Ich als Wettkämpfer bin immer auf der Suche nach der größtmöglichen Herausforderung. Mir persönlich macht die Teilnahme am EuroCup daher sehr viel Spaß. Die Doppelbelastung hilft uns, unterschiedliche Basketballstile von sehr talentierten Teams zu erleben. Es gibt uns die Chance, daran zu wachsen. Gleichzeitig verlangt es von jedem auch einen stärkeren Fokus und größeren Einsatz. Und das müssen wir auch morgen gegen Kuban zeigen. Wenn wir in eine Phase kommen sollten, in denen wir nicht punkten, dann müssen wir unbedingt verteidigen. Ansonsten sind das genau die Momente, in denen der Gegner davonzieht. Für mich ist der einfachste Weg immer noch, wenn wir unsere Offensive aus der Verteidigung heraus entstehen lassen.“