Eine Reise an die Leistungsgrenze
Die Veolia Towers Hamburg beginnen am Mittwoch (20.12.) einen Vier-Spiele-Auswärtstrip beim Gruppenersten Paris Basketball. Das Starensemble steht im EuroCup kurz vor der vorzeitigen Playoff-Qualifikation. Spielbeginn ist um 20.30 Uhr – Magenta Sport überträgt ab 20.20 Uhr aus der französischen Hauptstadt.
Zwei Spiele, nicht einmal 48 Stunden Pause dazwischen – und trotzdem sicherten sich die Veolia Towers dank eindrucksvoll kämpferischer Leistungen in beiden Partien den Sieg. Weil Will Christmas & Co. alles auf dem Parkett ließen und gegen Tübingen, in den Augen des Cheftrainers, den bisher schönsten Saisonsieg errungen, genehmigte Benka Barloschky seinen Schützlingen zwei freie Tage. Einerseits als verdiente Belohnung, andererseits als notwendige Vorbereitung auf die kommenden Aufgaben. Denn für die Hamburger geht es mit einem Auswärtsquartett weiter. Vor dem Weihnachtsfest machen sich die Hanseaten noch nach Paris und Bonn auf, zwischen den Jahren wird der Roadtrip in Belgrad (Auswärtspartie gegen Tel Aviv) und Crailsheim fortgesetzt. Zunächst gilt der volle Fokus aber dem Gastspiel am Mittwoch (20.12.) in der Hauptstadt Frankreich. Und der ist sicher auch bitter nötig. Denn das vom Ex-Hamburger TJ Shorts angeführte französische Starensemble hat sich zuletzt noch einmal namhaft verstärkt. Und damit die bereits erbarmungslos offensichtlichen Ambitionen auf den Titel im BKT EuroCup weiter bekräftigt.
Tipoff beim Ersten der Vorrundengruppe A ist um 20.30 Uhr. Bereits ab 20.20 Uhr überträgt Magenta Sport aus der rund 5.000 Zuschauer fassenden Georges-Carpentier Halle im 13. Arrondissement, links der Seine. Kommentiert wird von Christoph Stadtler.
Will Christmas: „Im EuroCup zu spielen, war eines der Ziele, die man sich als Spieler setzt, wenn man in Europa Basketball spielt. Wir treffen auf hochkarätige Mannschaften und einige der besten Spieler des Kontinents. Es ist eine großartige Lernerfahrung für mich. Unsere Gruppe ist sehr hart. Wir müssen aber in jedes Spiel mit der Zuversicht gehen, dass wir gegen jeden Gegner mithalten können. Das heißt auch, dass wir auf jedes Detail achten müssen, die Konzentration zu jeder Zeit hochhalten – denn der Raum für Fehler ist unglaublich klein. Auch Paris ist eines dieser hochqualitativen Teams. Sie haben viele Spiele deutlich gewonnen, unser Hinspiel eingeschlossen. Daher denke ich, ist das zweite Aufeinandertreffen erst einmal eine Gelegenheit, zu zeigen, wie sehr wir uns seitdem verbessert haben. Daneben ist es aber auch eine Chance, weiter zu lernen. Von einer Mannschaft, die bereits auf höchstem Niveau spielt.“
Playoff-Anwärter aus der französischen Hauptstadt
Mit zehn Siegen aus elf Spielen rangiert Paris Basketball an der Spitze der Vorrundengruppe A. Ein weiterer Sieg – sowie eine Niederlage von Vilnius gegen Badalona vorausgesetzt – würde den Franzosen bereits vorzeitig die Qualifikation für die Playoffs bescheren. In der französischen Liga verlor die Mannschaft von Tuomas Iisalo zwar bereits fünf Mal. Dennoch haben sich die Hauptstädter in der Spitzengruppe hinter dem zweiten EuroCup-Teilnehmer Bourg sowie den beiden Euroleague-Teams Lyon und Monaco festgesetzt. Und damit weiterhin allerbeste Chancen, zum ersten Mal die Postseason in der heimischen Liga zu erreichen.

Anführer bei Paris Basketball ist weiterhin TJ Shorts. Der 1,75 Meter große Wirbelwind, der in der Saison 20/21 noch das Hamburger Trikot trug, ist der dritteffektivste Akteur des zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerbs. Durchschnittlich 17,4 Punkte und 7,5 Assists steuert der US-Amerikaner bei. Den Rang des Topscorers im Team mit dem höchsten Punkteschnitt (97,6) hat ihm mittlerweile Scharfschütze Nadir Hifi (45,9% 3er) abgenommen. Der 21-jährige, der sich als derzeitiger EuroCup-Topscorer berechtigte Chancen auf den Titel des Rising Stars ausrechnen kann, legt im Schnitt 18,0 Zähler auf – ebenso wie Shorts knackte er bereits vier Mal die 20-Punkte-Marke.
Benka Barloschky: „Von den Zahlen her ist Paris sicherlich der stärkste Gegner in unserer Gruppe. Auch insgesamt ist es wohl die alles überragende Mannschaft in diesem Wettbewerb. Und ich erwarte einen sehr schweren Test. Wir müssen wieder ein nahezu perfektes Spiel spielen. Das kann am Ende zwar auch bedeuten, dass man verliert. Aber ich denke, wenn wir es schaffen, unseren Standard zu finden, an unsere Leistungsgrenze zu gehen – dann können wir zufrieden sein und mit allen Ergebnissen leben. Vor allem Energie und Intensität werden ein Schlüssel sein. Denn Paris wird zu keiner Zeit aufhören, sie haben einen sehr guten Motor. Sie haben in Justin Simon noch einen weiteren Spieler von sehr hoher Qualität hinzugefügt, der aufgrund seiner Physis perfekt in das System passt. Es wird also weniger ein taktischer, sondern viel mehr der physische und mentale Aspekt sein, der gefragt ist.“
Hohe Effizienz und tiefe Rotation
Vom Flügel strahlt das ehemalige Bonn-Duo um Collin Malcom (13,9 PpS, 3,8 RpS) und Tyson Ward (10,8, 4,6) ebenfalls viel Gefahr aus. Doch nicht nur offensiv wissen die beiden athletischen Forwards zu überzeugen. Auch im Rebounding, hinter Big Man Leon Kratzer (5,0), setzen die beiden Amerikaner immer wieder wichtige Akzente für ihr Team. Und leisten damit entscheidenden Anteil, dass Paris zu den fünf stärksten Teams im Kampf um die Abpraller (37,5 RpS) zählt. In Neuzugang Justin Simon (9,0, 4,5), der 21/22 in der Rolle des besten Verteidigers für Ulm sowie Ludwigsburg auflief, ehe er 2023 mit den Sydney Kings die australische Meisterschaft feierte, haben die Franzosen ihrem Team einen weiteren exzellenten Allrounder hinzugefügt. Der US-Amerikaner ersetzt in der Rotation den derzeit verletzten Sebastian Herrera.

Abgerundet wird das Starensemble von einer Reihe hocheffizienter Rollenspieler, die sich vorrangig um die Aufgaben kümmern, die nicht immer auch im Statistikbogen ersichtlich werden. So wie der Finne Mikael Jantunen und der 33-jährige Routinier Bandja Sy. Die beiden großgewachsenen Forwards bringen einerseits viel Physis für die Defensive, treffen zugleich aber auch in der Offensive überaus hochprozentig. Auch Mehdy Ngouma, der wieder genesene Michael Kessens sowie Gauthier Denis zählen zu den regelmäßig von der Bank kommenden Akteuren, die der Mannschaft Stabilität und Tiefe verleihen. Und so trotz überschaubarer Zahlen einen entscheidenden Anteil an der erbarmungslosen Konstanz, sowie durchschnittlich fast 18 Punkten Vorsprung, haben.
