Will Christmas hart angegangen gegen Berlin

Ein umkämpfter Ritt auf der Rasierklinge

Die Veolia Towers verlieren eine hart umkämpfte Partie gegen ALBA BERLIN nach Aufholjagd mit 76:84. Das Schlussviertel ist geprägt von einem harten Abnutzungskampf. Nach der vierten Niederlage in Serie haben die Hamburger nur noch einen Sieg Vorsprung auf die Play-In-Verfolger. Aleksander Dziewa wird mit 22 Punkten Topscorer.

Benka Barloschky: „Entscheidend war für mich heute ganz klar die Trefferquote. Ich habe noch nie so ein Spiel erlebt. Es ist für uns mathematisch kaum möglich, das Spiel zu verlieren. Wenn man das Spiel 100-mal noch einmal so spielt, dann gewinnt man 99 Mal. Das eine haben wir verloren. Das ist nicht fair, aber so, wie es ist. Wir haben fast zwanzig Würfe mehr als ein Euroleague-Team, hatten mehr Freiwürfe und das Rebound-Duell gewonnen. Wir haben alles getan, um das Spiel zu gewinnen. Aber am Ende zählt nur das Resultat.“

Aleksander Dziewa: „Es gibt viel Positives, das wir aus dem Spiel mitnehmen können – vor allem aus der zweiten Halbzeit. Wir haben sehr guten Basketball gespielt, überragend verteidigt und auch unsere Punkte gemacht. Leider ist uns das in der ersten Halbzeit nicht gelungen. Das war der entscheidende Unterschied, dass wir vor der Pause unsere Würfe einfach nicht getroffen haben. Und das zeigt sich letztendlich im Ergebnis.“

Über 150 Sekunden mussten die 3400 Fans am Mittwochabend in der Inselpark Arena stehend ausharren, bis Aljami Durham mit einem schwierigen Dreier die ersten Hamburger Zähler auf die Anzeigetafel brachte. Überhaupt stand der Guard in den ersten Minuten immer wieder im Zentrum des Geschehens – allerdings ungewollt. Nach nicht einmal vier Minuten hatte der Energizer bereits drei Fouls angesammelt und bekam notgedrungen eine Zwangspause. Knapp zwei Minuten später hatten die Veolia Towers, die sich in der Defensive gegen den Favoriten aufrieben, dann auch als Team die Foulgrenze gerissen. ALBA BERLIN, die nicht weniger hart zur Sache gingen – unter anderem Lukas Meisner beim Kampf um den Rebound unsanft zu Boden schickten, kamen fast sieben Minuten ohne Regelübertretung aus. Offensivaktionen gab es dagegen für lange Zeit nicht zu bestaunen – in Zahlen ausgedrückt brachten die Towers nur zwei von 20 Versuchen (10 %) unter, Berlins Quote (5/15, 33,3 %) war leicht besser. Und das war auch der Grund, wieso die Hauptstädter nach dem ersten Viertel mit 8:16 in Führung lagen.

Wurfquote gleicht statistischer Seltenheit

Zu Beginn des zweiten Abschnitts folgten zwei weitere Fehlversuche, ehe anschließend Aleksander Dziewa und Mark Hughes die offensive Durststrecke beenden konnten. Die Berliner waren zwischenzeitlich auf 14 Punkte davongezogen. Doch weder die Hypothek noch die weiterhin sehr kleinliche Linie hielt die Veolia Towers davon ab, weiterhin alles in die Waagschale zu werfen. So konnte Aleksander Dziewa, bis hierhin auffälligster Hamburger, den Rückstand kurzzeitig in den einstelligen Bereich drücken. Dann aber kippte die Partie wieder auf die Seite der Hauptstädter. Nach einem Dreier von Tim Schneider, insgesamt traf der Forward vier in der ersten Halbzeit und trat wie schon im Hinspiel als potentester Scorer der Mannschaft von Israel Gonzalez auf, lag Berlin wieder deutlich in Führung. Die Rückkehr aufs Parkett von Aljami Durham dreieinhalb Minuten vor der Pause entpuppte sich zwar als belebendes Element. Für eine Wende vor dem Gang in die Kabine genügte das aber nicht. Mit 22:40 endete die erste Hälfte.

Abgeschrieben hatten die Hamburger Fans ihre Veolia Towers aber noch nicht, stattdessen schickten sie Aleksander Dziewa & Co. mit aufmunterndem Applaus in die zweite Spielhälfte. Und der Pole verwandelte die Energie von den Rängen nach einer starken Verteidigungssequenz in ein Drei-Punkt-Spiel. Ihre druckvolle Verteidigung hielten die Veolia Towers auch im Anschluss aufrecht. In den ersten fünf Minuten des dritten Viertels brachte es ALBA BERLIN nur zu acht Zählern, sechs davon von der Freiwurflinie. Weil sich die Unsicherheit im Abschluss bei den Hanseaten aber hartnäckig hielt, gelang es der Barloschky-Truppe nicht, sich für ihren Einsatz zu belohnen. Zudem kassierte Aljami Durham sein viertes Foul. Doch auch Berlin war nun zusehends der Spielfluss abhandengekommen. Und die Towers fanden endlich einen Weg, sich dies zunutze zu machen. Dank eines 8:0-Laufs tankten die Hamburger neues Selbstvertrauen. Mit einem Hakenwurf erzielte Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann seinen 2000. BBL-Punkt. Ein entscheidender Anteil, wieso der Rückstand bis zum Ende des Abschnitts auf 48:62 verkürzt werden konnte.

Eskalationsrisiko im Schlussviertel

Mark Hughes gelang es zu Beginn des Schlussviertels, die Aufholjagd mit fünf Punkten fortzusetzen. Dem schrumpfenden Rückstand geschuldet, begannen die Nerven auf und abseits des Parketts hochzukochen. Es hagelte eine Serie unverständlichen Entscheidungen, die in technischen und unsportlichen Fouls mündeten. Mit dem Ausscheiden von Seth Hinrichs, Justin Bean und Sterling Brown kühlte die Aufregung etwas ab. Während die Veolia Towers den Rückstand fünf Minuten vor Schluss mit einem Dreier von Mark Hughes auf zwei Zähler verkürzen konnten, versuchten sich alle Protagonisten weiter an einer Beruhigung des Geschehens. Zumindest so lange, bis Berlins Khalifa Koumadje, bereits in der Vergangenheit zweimal aufgrund zu harter Gangart disqualifiziert, mit einem Schwitzkasten gegen Aleksander Dziewa wieder für unnötige Härte sorgte und dafür die dritte Disqualifikation seit Mitte Februar hinnehmen musste. Die verbliebenen vier Minuten glichen einem Ritt auf der Rasierklinge. Die Chance, die Partie vollends an sich zu reißen, war mehrfach gegeben. Die Big Shots, mit Ausnahme eines Dreiers von Topscorer Dziewa, jedoch wollten nicht fallen – und so endete der Abnutzungskampf in einer 76:84-Niederlage.

Stats: Hughes (16, 3 Stl.), Brauner (3), Möller (1), Meisner (3 Reb., 3 Ast.), Ivey (3, 6 Reb., 6 Ast.), Dziewa (22, 4 Reb.), Christmas (14, 5 Reb., 3 Ast.), Hinrichs (3, 8 Reb.), Wohlfarth-Bottermann (2, 3 Reb.), Durham (12, 3 Reb.)