Aleksander Dziewa beim Dribbling gegen Ulm

Drei folgenschwere Minuten gegen den Meister

Die Veolia Towers kassieren zum Ende des ersten Viertels einen Lauf von ratiopharm ulm, der den Unterschied bei der 78:94-Niederlage ausmacht. Bei der dritten BBL-Niederlage agieren die Hamburger lange Zeit auf Augenhöhe mit dem amtierenden deutschen Meister. Aleksander Dziewa mit 24 Punkten Topscorer.

Benka Barloschky: „Wir haben wieder ein Spiel gespielt, in dem wir über drei Viertel auf Augenhöhe sind. Im ersten Viertel haben wir aber einen 15:0-Run kassiert und dieser Unterschied ist bis zum Ende geblieben. Das hört sich nach den Niederlagen vielleicht komisch an. Aber wir werden immer besser. Wir haben ein unglaublich schweres Auftaktprogramm gegen sehr gute Gegner. Ich bin mir sicher, wir werden auch unsere Spiele gewinnen. Wir müssen nur ruhig bleiben.“

Aleksander Dziewa: „Die Niederlage ist wirklich frustrierend. Letztendlich haben drei schlechte Minuten im ersten Viertel das Spiel entschieden. In dieser Phase gelingt Ulm ein 15:0-Lauf, am Ende verlieren wir mit 16 Punkten. In den anderen 37 Minuten des Spiels hat uns also genau ein Punkt vom aktuellen Meister getrennt. Wir hatten den Fokus, die richtige Intensität und konnten unsere Spielidee auf das Parkett bringen. Aber diese kurze Phase hat uns erledigt.“

Die 2944 Fans in der edel-optics.de Arena mussten anfänglich zwei Minuten ausharren, bis sie den ersten Treffer des Abends – ein Dreier von Ulms Dakota Mathias – zu sehen bekamen. Langweilig war die Anfangsphase aber keinesfalls. Denn sowohl der amtierende deutsche Meister als auch die Veolia Towers starteten mit sehr viel Energie. Und gingen äußerst körperlich zu Werke. Der sowieso als Energizer bekannte Aljami Durham und Kraftpaket Aleksander Dziewa konterten mit den ersten Hamburger Zählern. Dann aber übernahmen erst einmal die Gäste. Mit einem 9:0-Lauf setzten sich die Ulmer ab. Und obwohl die Hamburger alles versuchten, ihr Energielevel hochzuhalten, gelang es zunächst nicht, die Punktelücke zu schließen. Nach einem Dreier von Thomas Klepeisz war der Rückstand zum ersten Mal zweistellig. Während die Gäste aus dem Schwabenländle nun deutlich sichtbar ihren Rhythmus gefunden hatten, hakte es bei den Hamburgern anschließend ebenso offensichtlich. Unachtsamkeiten, Fouls und Fehlwürfe reihten sich nahtlos aneinander. Die Folge war ein 15:0-Run und ein deutlicher 12:30-Rückstand nach den ersten zehn Minuten.

Towers entfachen neues Feuer

Head Coach Benka Barloschky hatte sich längst seines Jacketts entledigt, die Hemdärmel hochgekrempelt. Und stand damit sinnbildlich für das, was er seinem Team in der Viertelpause für den weiteren Verlauf der Partie mitgegeben hat: Anpacken. Und das taten seine Schützlinge auch wieder spürbarer. Gegen die Ulmer Verteidigung, die rund um die Dreierlinie fast keinen Wurf zuließ, zogen die Towers nun mit allem, was sie hatten, zum Korb. Und das neue Feuer war ansteckend. Einerseits auf die eigene Defensive, die für dreieinhalb punktlose Ulmer Minuten sorgte. Andererseits auch auf das Publikum, das sich wie ein sechster Mann hinter das Team stellte. Im Stile eines Champions konnte sich ratiopharm ulm kurzzeitig aus dem Klammergriff der Towers lösen. Dakota Mathias verwandelte auch unter Bedrängnis. Wirklich befreien konnten sich die Gäste aber nicht. Also zogen die Hamburger die Schlinge kurz vor der Halbzeitpause noch einmal enger. Und belohnten sich für ihre intensive Arbeit in diesem Abschnitt mit zwei spektakulären Dunks von Aleksander Dziewa und Will Christmas. Die letzten Zähler zum 37:54-Halbzeitstand brachte Aljami Durham mit dem Erklingen der Sirene im Korb unter, sodass der zweite Abschnitt – wenn auch nur knapp (25:24) – an die Veolia Towers ging.

Zehn Punkte hatte Aleksander Dziewa bereits auf seinem Konto. Neun weitere ließ der Big Man zum Start der zweiten Halbzeit folgen. Es war jedoch keinesfalls so, als stünde der polnische Nationalcenter allein auf weiter Flur. Stattdessen verwandelte er mit auffallender Präzision die ebenso präzisen Anspiele seiner Teamkollegen. Und auch in der Defensive griffen alle Rotationsrädchen ineinander. Und so vergingen fast drei Minuten, in denen Ulm keinen ihrer Abschlüsse verwandeln konnte. Die Hamburger dagegen sahen keinen Grund, auf weitere Zähler zu verzichten. Durch Dreier von Mark Hughes und Will Christmas gelang es, den Rückstand auf nur noch 12 Punkte zu reduzieren. Getragen von einer lautstarken Kulisse zerrten die Hamburger am Nervenkostüm des deutschen Meisters. Unter größter Anstrengung brachten wieder einmal Mathias und Ulms Kapitän Klepeisz Zählbares für die Gäste auf die Anzeigetafel. Doch nicht, ohne dass die Towers noch einmal nachlegten. Zwei sicher verwandelte Freiwürfe von William Christmas sorgten dafür, dass die Hausherren auch den dritten Abschnitt (19:17) für sich entscheiden konnten.

Ulmer ziehen Partie auf ihre Seite

Die Veolia Towers hatten sich trotz des noch immer zweistelligen Rückstandes in eine Position gebracht, in der sie den Ulmern merklich zusetzen konnten. Beide Kontrahenten suchten nun nach einem Weg, das Spielgeschehen auf ihre Seite zu ziehen. Und dieser führte bei beiden Kontrahenten zunächst über die Freiwurflinie. Mit jeweils drei Treffern vom Charity Stripe starteten die letzten zehn Minuten. Dann aber gelang es Ulm, den Bann zu brechen, fünf Punkte aus dem laufenden Spiel zu verbuchen und die Hamburger so zu einer Auszeit zu zwingen. Doch auch die 60-sekündige Unterbrechung konnte nicht verhindern, dass die Partie nun wieder auf die Ulmer Seite kippte. Und so bescherte Thomas Klepeisz, mit einem einbeinigen Dreier und dem Anspiel für den folgenden Alley-Oop-Dunk von Trevion Williams, knapp fünf Minuten vor Schluss die Vorentscheidung. Die verbleibende Spielzeit nutzten beide Teams, um sich bereits auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. So erhielt Leif Möller, wie schon unter der Woche im EuroCup, noch einmal wichtige Minuten, um nach seiner verletzungsgeplagten Saisonvorbereitung in die Rotation zu finden. Und der 20-Jährige nutzte seine Zeit auf dem Feld, um seine ersten drei BBL-Punkte in dieser Spielzeit zu erzielen. An der 78:94-Niederlage gab es allerdings nichts mehr zu rütteln.

Stats: Krause (4), Hughes (13, 6 Reb.), Brauner (3 Reb.), Möller (3), Meisner (5 Reb., 3 Ass.), Dziewa (24, 5 Reb.), Christmas (13, 4 Ass.), Hinrichs (2, 4 Reb.), King, Wohlfarth-Bottermann, Durham (19, 3 Ass.)