Angeschlagene Towers ohne Energie in Gießen

Sichtlich angeschlagen kassieren die Hamburg Towers bei den JobStairs GIESSEN 46ers mit 100:73 (25:26, 45:35, 74:58) die bisher höchste Niederlage in dieser easyCredit BBL Saison.

WIE LIEF’S Während die Hamburg Towers gleich auf drei Leistungsträger verzichten mussten, starteten die JobStairs GIESSEN 46ers mit einem kurzfristigen Neuzugang in die Partie – die Verpflichtung des lettischen Nationalspielers Martins Laksa wurde erst am Spieltag bekannt gegeben. Doch trotz personeller Unterzahl begannen die Hanseaten mit viel Einsatz – Max DiLeo schmiss sich über die Werbebande nach einem Ball. Den besseren Start erwischten dennoch die Hausherren, die schnell mit 12:0 in Führung lagen. Bei den Hamburgern fehlte es an Genauigkeit im Abschluss – Maik Kotsar verpasste drei Korbleger, Justus Hollatz ließ zwei Freiwürfe ungenutzt. Erst nach vier Minuten leuchteten die ersten Towers-Punkte auf der Anzeigetafel. Davon beflügelt legte das Team von Pedro Calles einen 8:0-Zwischenspurt auf das Parkett. Doch auf den Anschluss ließen die Gießener ihrerseits einen Lauf folgen. Weil aber Caleb Homesley zwei schwierige Dreier traf und auch Eddy Edigin sehr präsent agierte, schlossen die Hamburg Towers das erste Viertel sogar mit einer Führung ab. Der zweite Abschnitt startete zerfahren, die 170 anwesenden Fans in der Gießener „Sporthölle“ sorgten für noch mehr Unruhe. Und davon profitierten erneut die Gastgeber, die mit einem nächsten 12:0-Lauf die Partie wieder an sich rissen. Mit etwas Glück bugsierte Maik Kotsar nach fünf Minuten den Ball für die Towers wieder durch die Reuse und initiierte damit erneut einen kleinen Hamburger Lauf. Weil die Hanseaten anschließend aber viel zu überhastet agierten und die Dreierquote bis zur Halbzeit auf 31 Prozent sank, ging es mit einem zweistelligen Rückstand in die Halbzeit. Und auch nach dem Seitenwechsel prägten zunächst nur die 46ers das Spielgeschehen. Das Team von Pete Strobl setzte sich nur zweieinhalb Minuten nach Wiederbeginn auf über zwanzig Zähler ab. Mit verbesserter Defensive und klareren Aktionen im Angriff drückten die Hamburger ihre Hypothek dank eines 12:0-Runs wieder in den einstelligen Bereich, auch weil Jaylon Brown als Topscorer ein gelungenes Comeback feierte. Doch wie schon zuvor fiel das Momentum in der Folge reihenweise überhasteten Abschlüssen zum Opfer. Das machten sich die 46ers erneut zunutze und bauten ihre Führung zum Ende des dritten Viertels auf 16 Punkte aus. Dass die Towers den Schlussabschnitt mit drei Ballverlusten begannen, schmälerte die Hoffnung auf ein Comeback auf ein absolutes Minimum. Doch aufgeben wollten sich die Hamburger nicht. Jaylon Brown und Caleb Homesley reduzierten den Rückstand Mitte des vierten Viertels noch einmal auf 13 Punkte. Doch in den letzten fünf Minuten passierte erneut das, was die Towers in den ersten Abschnitten bereits mehrfach ins Hintertreffen gebracht hatte – zu viele Ballverluste, zu viele überhastete Abschlüsse und zu viele Lücken in der Defensive als Ausdruck der offensichtlich fehlenden Energie personell dezimierter Hamburg Towers.

TOWERS-STATS J. Brown (24, 4 Reb.), Z. Brown (2), DiLeo (3), Homesley (19, 6 Reb., 8 Ass.), Rich (3), Christen (7, 3 Reb.), Kotsar (8, 5 Reb.), Edigin (5, 4 Reb.), Hollatz (2, 3 Reb.)

Als Topscorer feierte Jaylon Brown ein gelungenes Comeback. | Foto: Michael Schepp

DUELL IM FOKUS Caleb Homesley vs. Kendale McCullum. Beide Guard waren mit 19 und 22 Zählern jeweils die zweitbesten Scorer ihres Teams. Dennoch hätten die Auftritte unterschiedlicher nicht sein können. Während Homesley teils mit schwindender Energie, teils überhastet nur sechs seiner 17 Wurfversuche (35%) verwandeln konnte, pushte sich mit McCullum mit zehn Treffern bei 15 Versuchen (67%) in die Nähe eines Triple-Doubles. Dem Gießener Guard fehlten bei seinen 10 Rebounds und 8 Assists dafür lediglich zwei Korbvorlagen. Caleb Homesley legte mit sechs Rebounds und acht Assists ebenfalls noch starke Werte für sein Team auf.

TOWER OF THE GAME Unverhofft kommt oft. Aufgrund der personellen Engpässe gab Jaylon Brown ungeplant sein Comeback nach fast dreiwöchiger Verletzungspause. Und der Guard meldete sich als Topscorer eindrucksvoll zurück. Dank starker Trefferquoten brachte Brown sein Team immer wieder nah an ein Comeback. Doch auch die gute Leistung des US-Amerikaners konnte die Niederlage nicht verhindern. Neben seinen 24 Zählern, nur zwei unter seinem BBL-Bestwert, verbuchte Jaylon Brown noch vier Rebounds und zwei Assists.

WHAT’S NEXT Für die personell dezimierten Hamburg Towers steht am Mittwoch (26.11.) bereits das nächste Pflichtspiel auf dem Programm. Am elften Spieltag der 7DAYS EuroCup Gruppenphase gastiert Tabellenführer Joventut Badalona in der edel-optics.de Arena. Mit acht Siegen aus zehn Spielen steht der spanische Vertreter kurz vor der Qualifikation für die K.O.-Runde. Das Hinspiel ging trotz jeweils 14 Punkten von Jaylon Brown und Justus Hollatz mit 73:56 verloren. Dank einer Ausnahmegenehmigung darf die Partie vor bis zu 1.000 Zuschauer:innen ausgetragen werden – vorerst ist jedoch nur ein reduziertes Kontingent im Ticketshop freigeschaltet. Alle Informationen zur Publikumssituation sind hier zusammengefasst.

KURZER SCHNACK NACH DEM SPIEL

In den kommenden Tagen erwartet Pedro Calles viel Arbeit. | Foto: Michael Schepp

PEDRO CALLES: „Glückwunsch an Gießen zum Sieg! Leider konnten wir uns auf das heutige Spiel nicht vorbereiten, da wir seit unserem letzten Spiel am Dienstag kein Teamtraining hatten. In Kombination mit unseren Verletzungen und den täglichen Neuigkeiten in Bezug auf neue Coronainfektionen haben wir keinen Weg gefunden, um für dieses Spiel bereit zu sein. Wir hatten bei fast jedem Viertelbeginn Probleme, unseren Rhythmus zu finden und das hatte dann Auswirkungen auf die gesamte Partie.“

JAYLON BROWN: „Gießen hat hart gespielt. Wir konnten nicht dagegenhalten, waren nicht aggressiv genug, um unsere DNA auf das Parkett zu bringen. Wir müssen das als Team besser lösen. Es ist eine einmalige Situation, in der wir uns gerade befinden. Das darf aber keine Ausrede sein. Uns fehlen zahlreiche Spieler, wir konnten die ganze Woche nicht trainieren. Dennoch müssen wir alles versuchen, um hier einen Sieg mitzunehmen. Ich selbst wusste lange nicht, ob ich spielen würde oder nicht – ich hatte es nicht vermutet, auch weil ich die letzten drei Wochen nicht mit dem Team trainiert habe. Als mir der Coach dann gesagt hatte, dass ich doch eingesetzt werde, habe ich versucht, bereit zu sein. Ich habe mit unseren Assistant Coaches in den letzten Wochen an meiner Rückkehr gearbeitet. Ich wusste nicht, wie es werden würde, habe aber versucht, so hart wie möglich zu spielen.“