Angeschlagene Hamburger treffen auf gefestigte Ulmer

Am Samstag empfangen die Hamburg Towers den Tabellendritten ratiopharm ulm vor bis zu 1.000 Fans. Tipoff der Partie gegen den zweiten deutschen EuroCup-Vertreter ist um 18 Uhr. Magenta Sport überträgt ab 17.45 Uhr live.

WHAT’S UP?! Vor dem Hinspiel rangierten die Hamburg Towers noch auf Tabellenplatz drei, ratiopharm ulm auf Platz sieben. Beide Kontrahenten trennte lediglich ein Sieg. Vor dem erneuten Duell am Samstag (18 Uhr) liegen tabellarisch bereits zwei Siege zwischen beiden Klubs – während sich die Ulmer auf Platz drei vorgearbeitet haben, rutschten die Towers im Tableau auf Platz acht. Zwar hat die Tabellensituation zum jetzigen Zeitpunkt keine große Aussagekraft – Platz eins und neun trennen nur drei Niederlagen – doch steht der Trend sinnbildlich für die Situation beider Teams in den letzten Wochen. Mehrere Corona-Infektionen und vorangehende Verletzungen brachten Unruhe in ein Hamburger Team, welches das Jahr 2021, direkt nach der knappen 74:78-Niederlage in Ulm, wettbewerbsübergreifend mit vier Siegen in Serie beendete. Zum Improvisieren gezwungen, gingen fünf der acht Pflichtspiele 2022 bisher verloren. Ganz anders sieht es bei ratiopharm ulm aus. Die Schwaben gewannen sechs ihrer sieben Pflichtspiele seit dem Jahreswechsel und beeindruckten sowohl national (gegen Ludwigsburg und Chemnitz) als auch international (Podgorica und Bologna). Die Konstanz machte sich zuletzt auch in der Starting Five des Teams von Jaka Lakovic, der in den letzten zwei Wochen von Assistant Coach Tyron McCoy vertreten wurde, bemerkbar. Das spielbestimmende Quartett um Semaj Christon (13,7 PpS), Jaron Blossomgame (13,5), Christiano Felicio (11,7) und Sindarius Thornwell (10,1) wurde gleich sechsmal von Tommy Klepeisz (8,3) ergänzt. Gegen Bologna stand für ihn dann Karim Jallow (7,3) von Beginn an auf dem Feld. In Hamburg könnte der deutsche Nationalspieler aufgrund einer Fußverletzung aber fehlen – was Jaka Lakovic, der an die Seitenlinie zurückkehren wird, dazu veranlassen könnte, zu Beginn wieder auf seine deutsch-österreichisch supportete Import-Kombo zu setzen. Immerhin avancierte Klepeisz mit 19 Zählern schon im Hinspiel zum Topscorer. Ob bei den Hamburg Towers bereits am Samstag Rückkehrer von den vor einer Woche positiv getesteten Personen zu erwarten sind, wird sich erst am Spieltag entscheiden. Doch die guten Eindrücke zuletzt gegen Badalona dürfen den Hanseaten Mut machen, dass sie ratiopharm ulm zu einer ähnlich spannenden Partie wie im Hinspiel zwingen können – inklusive der Chance auf den ersten Sieg gegen die Ulmer überhaupt.

Schon im Hinspiel standen sich Justus Hollatz und Per Günther im direkten Duell gegenüber. | Foto: Harry Langer

DUELL IM FOKUS Justus Hollatz vs. Per Günther. Ein spannendes Duell zwischen Zukunft und Vergangenheit. Denn während die Profilaufbahn des Ulmer Capitano, in der er 14 Jahre das Trikot von ratiopharm ulm trug, im Sommer enden wird, steht der gebürtige Hamburger noch am Anfang einer hoffentlich ähnlich prägenden Karriere. Beide Guards verzeichnete zwar noch auf keinen Titelgewinn, teilen sich dafür aber Award-Ehren – Günther wurde 2008/09 als Rookie des Jahres, Justus Hollatz als bester Nachwuchsspieler 2020/21 ausgezeichnet. Der 33-jährige Ulmer Alt-Star kommt aktuell auf 6,1 Punkte, 0,9 Rebounds und 1,3 Assists. Der Hamburger Young-Star kommt auf 7,2 Punkte, 2,1 Rebounds und 4,1 Assists – und steigerte sich damit gegenüber dem Vorjahr in den meisten Kategorien noch einmal deutlich.

BLICK IN DIE GESCHICHTSBÜCHER Nach einer äußerst erfolgreichen Jugendzeit im Hagener Basketball, die 2007 mit der U19-Vizemeisterschaft endete, absolvierte Per Günther sein erstes Profijahr für Phoenix Hagen in der ProA. Dass der nur 1,84 Meter „kleine“ Aufbauspieler für größere Aufgaben bestimmt war, wurde schnell deutlich. Im Jahr 2008 schloss sich Günther den damals von Mike Taylor betreuten Ulmern an – und entwickelte sich vom Rookie des Jahres (2008/09) zum All-Star MVP (2016). Doch nicht nur sportlich entfaltete sich der „junge Wilde“ in der Doppelstadt an der Donau – er reifte zum Aushängeschild des Klubs, der Liga. Was „Speedy Günzalez“, angelehnt an seinen schnellen Antritt in jüngeren Jahren, zu sagen hatte, hatte Hand und Fuß – und Per Günther hatte immer etwas zu sagen. Seine offene, unverblümte, ehrliche Art kam an und bescherte dem heute 33-Jährigen gleich fünf Auszeichnungen zum beliebtesten BBL-Spieler. Das Einzige, was Per Günther bisher verwehrt blieb, ist ein Titel – doch wer weiß, welches Kapitel einer der prägendsten deutschen Basketballer in der Saison 2021/22 noch schreiben wird.

OFF THE COURT Wenn schon derzeit nicht alle Fans in die edel-optics.de Arena kommen können, dann kommen die Stars der Hamburg Towers eben wieder in die Wohnzimmer der #TowersFamily. Das beliebte „Inside the Team“-Format ist zurück. Und die ersten beiden neuen Clips sind bereits auf YouTube verfügbar. Lukas Meisner und Jaylon Brown haben sich den Fragen gestellt und lustige, interessante und emotionale Einblicke in ihr Leben gewährt. Dank der tatkräftigen Unterstützung von Johnny.Visual Content sind die ersten sechs Folgen bereits abgedreht – die Videos mit Eddy Edigin, Caleb Homesley, Zach Brown und Seth Hinrichs werden zeitnah veröffentlicht. Und auch der zweite Drehtag ist terminiert. Fans der Hamburg Towers können sich in der zweiten Saisonhälfte also auf noch mehr Insides freuen.

KURZER SCHNACK VOR DEM SPIEL

Am Freitag vertrat Assistant Coach Benka Barloschky den vorübergehend erkrankten Pedro Calles. | Foto: Dennis Fischer

BENKA BARLOSCHKY: „Die Spielidee von Jaka Lakovic ist sehr komplex. Er greift auf viele taktische Varianten zurück, lässt offensiv und defensiv sehr modernen Basketball spielen. Da ist es, denke ich, normal, dass es eine gewisse Zeit erfordert, bis alle Zahnräder ineinandergreifen. Je länger eine Saison dauert, desto besser wird die Mannschaft. Das zeichnet auch ihn als Trainer aus. Zudem gab es mit Thornwell eine personelle Anpassung, die Ulm derzeit sehr gut aussehen lässt. Sie haben einen sehr guten Rhythmus, zuletzt auch ohne ihren Head Coach – das zeigt einmal mehr, wie gut es läuft, dass es dort derzeit nicht viel Sand im Getriebe gibt. Sie haben eine Starting Five mit sehr viel Qualität und dazu noch einen sehr tiefen, qualitativ starken Kader. Alle Spieler haben ihre Rollen gut gefunden. Für uns wird es darauf ankommen, weiterhin die richtige Energie zu bringen. Wir haben schwierige Tage, Wochen hinter uns – mit der personellen Situation, dazu ein paar verlorene Spiele. Ich denke, wir hatten auch gegen Badalona wieder gute Phasen in der ersten Halbzeit, haben es aber nicht geschafft, diese aufrecht zu halten. Wir müssen das, was wir gut machen, auch über eine längere Zeit machen. Darauf wird es ankommen.“

CALEB HOMESLEY: „Wir müssen vierzig Minuten konstant spielen. Das Thema Konstanz begleitet uns schon das ganze Jahr über. Am Mittwoch hatten wir sehr solide 20 Minuten, anschließend waren wir etwas platt. Mit ein paar Umstellungen hat Badalona das dann zu ihrem Vorteil genutzt. Ulm spielt einen sehr vergleichbaren Stil. Daher müssen wir gut aufpassen. Im Hinspiel haben wir uns ihrem Tempo angepasst. Wir sind langsamer geworden und das hat ihnen in die Karten gespielt. Wir wollen viel hoch und runter laufen, das ist unser bevorzugter Stil. Und so sollten wir auch am Samstag spielen. Offensiv können wir sicher sein, dass unsere Coaches uns auf die Lücken ihrer Verteidigung aufmerksamen machen. Das hat auch gegen Badalona gut funktioniert, da haben wir ebenfalls freie Würfe bekommen. Doch wir haben zuletzt offensiv eigentlich immer die Würfe bekommen, die wir haben wollten. Ehrlich gesagt, gehe ich davon aus, dass es vor allem auf die Defensive ankommen wird. Alles fängt mit unserer Verteidigung am Ball an, schon da müssen wir ihnen das Leben schwer machen.“