Am Ende wollen wir in der Liga bleiben
Nach vier freien Tagen startet Head Coach Benka Barloschky mit seinem Team einen Neuanfang. Die Fehler der ersten 16 Saisonspiele sind aufgearbeitet – im Kampf um den Ligaverbleib sollen sich Schritt für Schritt Fortschritte zeigen. Im Interview spricht der Head Coach über Problemfelder, die harte Trainingsarbeit und kommende Herausforderungen.
Benka, sowohl in der easyCredit BBL als auch im BKT EuroCup stellen wir statistisch die schwächste Offensive und Defensive. Wo siehst du die größten Problemfelder in unserem Spiel?
Benka Barloschky: „Wir haben das Team im Sommer mit einer Vision zusammengestellt, die sich in der Praxis aber nie eingestellt hat. Stattdessen hat sich mit dem Saisonstart ein anderes Bild ergeben. Wir haben es als Kollektiv nicht geschafft, Spieler an Schlüsselstellen in die ihnen zugedachten Rollen zu bekommen. Darunter hat unsere Effizienz in der Offensive sehr gelitten. Wir haben nicht genügend Vorteile kreiert und dadurch nicht die Würfe bekommen, die notwendig sind, um konstant Druck auf den Gegner auszuüben. Im Gegenzug hat dadurch unsere Defensive gelitten. Durch die niedrigen Quoten und zu vielen Ballverluste haben wir unseren Gegnern zu oft Möglichkeiten in Transition gegeben.“
Was unternimmst du zusammen mit deinen Trainerkollegen Stan und Jacob, um diese Fehler Schritt für Schritt abzustellen?
„Wir schärfen die Rollen im Training, in Video-Sessions und Einzelgesprächen deutlich nach. Jeder Spieler muss genau wissen, was er zu tun und auch nicht zu tun hat. Dafür haben wir auch die Gewichtung in unserem „Playbook“ verändert, um insbesondere auch den neuen Spielern Raum zu geben und spezifisch zu ihren Stärken zu spielen. Im Training machen wir weiter Fortschritte und ich muss dem Team da auch ein Kompliment machen – sie arbeiten hart, um aus dieser Ergebniskrise herauszukommen – und das ist nicht selbstverständlich. Die Mechanismen des Verlierens sind brutal, das geht an keinem Menschen spurlos vorbei.“
Die Nationalmannschaftspause bietet die Möglichkeit für einen Reset, quasi einen Neustart in die Saison. Wie übersetzt du das in die Trainingsarbeit während der Nationalmannschaftspause?
„Wir haben nach dem Spiel gegen Ludwigsburg zunächst vier Tage nicht trainiert. Das war wichtig und nötig. Wir waren als Team beim Fußball und anschließend sollte jeder das machen, was er möchte. Ich habe den Jungs geraten, dass sie wirklich Abstand nehmen sollen, loslassen und den Druck, Stress und das Verlieren der letzten Wochen hinter sich zu lassen. Wir brauchen einen Neuanfang, die Pause kommt daher wie gerufen. Mit freiem Kopf und neuer Energie wollen wir unsere Saison dann noch einmal von Neuem starten.“
Das nächste Ziel heißt: Raus aus dem Tabellenkeller. Wie stimmst du das Team auf die Aufgabe ein?
„Der Druck ist uns für den Rest der Saison nicht mehr zu nehmen. Aber wir nehmen den Kampf an. Ja, es ist hart, gegen den Abstieg zu spielen – und zugleich wissen wir, dass es auch eine in höchstem Maße mobilisierende Aufgabe sein kann. Wir messen uns mit den 17 besten Teams in Deutschland. Ich habe großen Respekt vor jedem dieser Standorte, jedem Trainer und Spieler. Es ist keine Schande, dort unten in der Tabelle zu stehen. Jedes Jahr steigen zwei erstklassige Vereine in die zweite Liga ab, das ist Teil des Geschäfts. Warum sollten dann wir, die Towers, nicht auch mal in dieser Situation sein? Es wäre vermessen und großspurig, so zu denken. Wir haben jetzt noch 27 Spiele in der BBL vor uns, da kann noch einiges passieren – hier legen wir unseren Fokus drauf. Wir wollen uns jeden Zentimeter erarbeiten und stolz darauf sein. Am Ende wollen wir in der Liga bleiben. Und dafür werden wir alles geben, was wir in uns haben.“
Davon auszugehen, dass wir ab sofort jedes Spiel gewinnen, ist sicherlich vermessen. Wie ist es dennoch möglich, den Fortschritt in der Entwicklung der Mannschaft unabhängig der Ergebnisse zu bewerten?
„Wir wollen den Fortschritt zunächst an Kleinigkeiten messen. Dabei geht es um bestimmte Kennzahlen. Bislang haben wir zu häufig das „possession game“ verloren – bedeutet: wir werfen im Schnitt weniger auf den Korb als der Gegner. Das wollen wir ändern und diese Komponente ausgeglichen gestalten. Dafür müssen wir Rebounds sichern und die Turnover niedrig halten. Im zweiten Schritt geht es dann natürlich auch immer um die Qualität der Würfe.“
Wie wichtig ist ein guter Start nach der Pause?
„Der ist ungemein wichtig. Traditionell ist das eine Phase, aus der einige Mannschaften besonders stark, andere schwächer herauskommt. Und wir wollen eins der Teams sein, das da extrem stark herauskommt.“
