13.11.2020

Ich bin ein Hamburger Jung!

Back to the roots – Hans Brase ist zurück in Hamburg! An seinen ersten Aufenthalt in der Hansestadt hat der Neu-Tower keine Erinnerungen mehr, stattdessen hat er sich einen ganz besonderen persönlichen Moment bereits kurz nach seiner Ankunft im Spätsommer geschaffen. Kurz vor seinem Comeback haben wir mit dem 27-jährigen Deutsch-Amerikaner über den Saisonauftakt, Wechselgründe und den wohl schönsten Schnurrbart der easyCredit Basketball Bundesliga gesprochen.

Hans, das erste Heimspiel musstest du verletzt von der Seite aus verfolgen. Du hattest aber auch entscheidenden Anteil am Sieg – Head Coach Pedro Calles hat gesagt, dass die Unterstützung von der Bank gerade ohne Fans besonders wichtig ist. Wie genau sah dein Support aus?

Hans Brase: Ohne Zuschauer kommt es auf die Jungs auf der Bank an, sie müssen quasi die ganze Energie bringen, die sonst von den Fans kommt. Und wenn ich nicht spiele, dann ist es meine Aufgabe meine Mitspieler zu pushen, wenn sie müde sind, oder sie aufzumuntern, wenn etwas nicht funktioniert hat. Oder eben auch den Boden zu wischen, wenn es gebraucht wird. Wir müssen ein kleines bisschen die Rolle unserer Fans einnehmen. Ansonsten ist es einfach richtig still und das ist für die Spieler auf dem Feld ziemlich unangenehm.

Insgesamt dreimal gab es eine Ermahnung der Schiedsrichter, nicht zu emotional auf der Bank zu werden. Wie schwer ist es dir gefallen, dich daran zu halten?

Ich glaube unser Support kommt den Schiedsrichtern in einer leeren Halle viel lauter vor, als er eigentlich ist. Normalerweise schreien die Head Coaches laut an der Seitenlinie und davon ist nichts zu hören. Aber aktuell kann man jeden kleinen Pieps hören. Also auch jedes Mal, wenn wir ein bisschen Meckern von der Bank, kann man das ganz deutlich hören. Deswegen müssen wir natürlich auch aufpassen, was wir sagen und wie wir die Dinge sagen. Wir versuchen an die Grenze zu gehen, damit wir so viel Energie wie möglich auf das Spielfeld kriegen.

Du hast aufgrund einer Blessur am Knie das Ende der Vorbereitung und den Saisonstart verpasst – wann können dich unsere Fans das erste Mal in Aktion auf dem Feld erleben?

Ich hoffe beim nächsten Spiel gegen Würzburg wieder dabei zu sein.

Harte Arbeit macht dein Spiel aus. Deine Lieblingsbeschäftigung abseits des Feldes ist dagegen Nichtstun. Wie passt das zusammen?

Abseits des Feldes versuche ich, ausgenommen ich schaue Basketball, mich nicht so viel mit dem Sport zu beschäftigen. Ab und zu auch mal gar nichts machen. Ich bin ein riesiger Fan von Yoga und Meditation, manchmal puzzle ich zu Hause, schaue Serien oder Filme, lese oder spaziere in die Stadt. Alles Dinge, die nicht so viel Energie verbrauchen. Denn wenn ich auf dem Feld bin, dann gebe ich Vollgas. Abseits des Feldes versuch ich dann abzuschalten und Energie zu sparen.

Hans Brase feiert den Auftaktsieg gegen Brose Bamberg mit dem Team. Foto: Dennis Fischer

Vor deinem Wechsel im Sommer warst du mit guten Leistungen – unter anderem 18 Punkten gegen München im Viertelfinale – mitverantwortlich für die Ludwigsburger Vizemeisterschaft. Was hat dich im Anschluss zum Wechsel nach Hamburg bewogen?

Es war ein besonderes Jahr in Ludwigsburg. Wir standen lang auf dem zweiten Platz. Zu dem Zeitpunkt der Unterbrechung und der Vorbereitung auf das Final-Turnier in der Bubble wussten wir nicht, wie das Team aussehen wird – einige Schlüsselspieler waren nicht mit dabei. Deswegen war die Vizemeisterschaft ein ganz besonderes Ende. Im Anschluss habe ich mit meinem Agenten gesprochen. Bis zum Sommer kannte ich Pedro noch nicht persönlich. Aber TJ Bray, mit dem ich seit unserer College-Zeit in Princeton stets in Kontakt bin, hat mir seit seiner Zeit in Vechta von Pedro vorgeschwärmt – mir immer wieder erzählt, wie gut mein Basketball-Verständnis zu dem von Pedro passen würde. Dann hat Pedro in Hamburg unterschrieben und ich dachte mir, es wäre schon perfekt, wenn es jetzt klappen würde, da auch meine Familie früher in Hamburg gelebt hat. Das wäre eine coole Geschichte. Und letztendlich ist es dann so gekommen.

Ebenfalls beim Final-Turnier in München hast du mit einem sehr markanten Bart auf dich aufmerksam gemacht – pünktlich zum Saisonstart ist er wieder zurück. Wieso hast du ihn zwischenzeitlich abrasiert?

Für die erste Zeit in Hamburg habe ich ihn mir abrasiert. Ich wollte ein paar normale, vernünftige Aufnahmen machen – für das Teambild und unsere Autogrammkarten. Zu derselben Zeit war auch meine Freundin hier. Und ich bekomme normalerweise immer Ärger, wenn ich den Schnurrbart habe, während wir uns sehen. Jetzt ist sie gerade nicht hier, deswegen habe ich wieder etwas Freiraum ihn wachsen zu lassen. Also schauen wir mal, wie ich lange ich den Schnurrbart jetzt behalte.

Hatte die charakteristische Rasur eine tiefere Bedeutung?

Mein Schnurrbart wächst jetzt nicht wirklich schön. Also dachte ich, wenn wir zwei Wochen in einem Hotel untergebracht sind, dann muss man schon etwas Witziges machen. Es war einfach witzig und ein bisschen hässlich – und deswegen war es letztendlich sogar noch witziger. Ich war schon überrascht, dass auch viele Spieler, die ich nicht persönlich kannte, zu mir gekommen sind und mich auf meinen Schnurrbart angesprochen haben.

Gänzlich neu ist dir die Stadt Hamburg nicht, du hast bis zu deinem dritten Lebensjahr bereits hier gelebt? Hast du an diese Zeit noch Erinnerungen oder gibt es Geschichten, die dir deine Eltern erzählt haben?

Ich persönlich habe keine Erinnerungen. Aber meine Eltern haben mir früher als ich klein war und auch die letzten beiden Jahre, die ich schon in Deutschland spiele, immer wieder gesagt, ich wäre ein Hamburger Jung. Zu meinem Geburtstag im September hat mir meine Mutter ein Fotobuch geschenkt, mit Fotos aus meinen ersten Jahren hier in Hamburg. Es ist cool zu sehen, wie die Plätze, die ich hier bisher gesehen und kennengelernt habe, vor 25 Jahren ausgesehen haben. Und ich weiß, dass wohl auf einer Tafel vor dem Michel mein Name graviert ist. Ich glaube vor allem für meine Familie, die zum Teil ja noch in Hannover wohnt, ist es etwas Besonderes.  

Eine ganz besondere Erinnerung hast du für dich und deine Freundin Madeleine genau heute vor einem Monat geschaffen – ihr habt euch verlobt. Hast du den Antrag von langer Hand geplant?

Wir kennen uns jetzt schon ungefähr sieben Jahre. Wir waren zusammen in Princeton auf dem College. Und seit sechs Jahren sind wir zusammen. Im Vergleich zu vor zwei Monaten, wo wir noch nicht verlobt waren, und jetzt, fühlt es sich nicht so anders an. Aber ich dachte mir, es wäre ein perfekter Ort und Zeitpunkt. Quasi zurück in Hamburg, der Ort wo ich herkomme und auch unter Berücksichtigung der ganzen Corona-Situation – man weiß ja nie, wie sich die Lage entwickelt, ob es noch einen weiteren Lockdown gibt und sie nicht einreisen darf, da wollte ich nicht bis ins nächste Jahr warten. Deswegen habe ich im Sommer schon alles vorbereitet. Und dann war nur noch die Frage, wann sie im Herbst hierherkommen kann. Dann habe ich auf einen Off-Day gewartet, sodass wir Zeit zusammen verbringen konnten, schön Abendessen gehen und etwas Besonderes machen.

Welche Erinnerungen würdest du dir gern mit den Hamburg Towers schaffen?

Das ist eine schwer zu beantwortende Frage, denn es wird es sehr komische Saison werden. Jetzt wurden bereits einige Spiele verschoben und auch zukünftig wird es Spiele geben, die verschoben werden müssen. Wie sich die Saison entwickelt – ob irgendwann pausiert werden muss, in einer Bubble gespielt wird oder ob wir durchspielen können – das wird sich zeigen. Ich hoffe, dass wir alle im Team gesund bleiben. Wir arbeiten hart an uns selbst, wir wollen immer besser werden. Wenn wir so spielen, wie wir es uns vornehmen, dann werden wir auch Erfolg haben. Und das bedeutet für uns, dass wir jeden Tag ein bisschen besser werden.

Do 03. Dezember 20

@ Telekom Baskets Bonn

So 06. Dezember 20

@ SYNTAINICS MBC

Do 10. Dezember 20

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So 13. Dezember 20

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