19.04.2021

Geist der zweiten Liga beendet Hamburger Serie

Im Nachholspiel des 22. Spieltages glückt den Hamburg Towers nach 16-Punkte-Rückstand die Aufholjagd, doch mit einem Buzzerbeater besiegelt Chemnitz die 98:97-Niederlage und beendet die Hamburger Siegesserie.

Nicht ganz zwei Jahre ist es her, dass die Hamburg Towers Chemnitzer Träume zerplatzen ließen und sich das sportliche Aufstiegsrecht in die easyCredit Basketball Bundesliga sicherten. Genau 720 Tage später kehrten die Hansestädter an den Ort des Geschehens zurück und scheinbar war der Geist der Zweiten Liga und der Chemnitzer Frust noch immer nicht verflogen. Zwar gehörte der erste Ballbesitz den Towers, die ersten Punkte erzielten aber die Chemnitzer – nach Ballgewinn an der Mittellinie ließ es King für die Hausherren krachen. Nachdem es zunächst den Anschein gemacht hatte, als sollte sich kein Team absetzen können, initiierte und beendete Maik Kotsar einen Hamburger 9:0-Lauf jeweils per Dunk und brachte sein Team erstmalig spürbar in Führung. Zwar gelang es den NINERS anzuschließen, doch dank starker Offensive – nicht zuletzt durch sechs Zähler in Folge von TJ Shorts – behielten die Towers zum Ende des ersten Viertels (20:29) die Oberhand. Das sollte sich jedoch schnell ändern. Wie schon im Hinspiel brillierte Chemnitz mit Fabelquoten. Bis zur Halbzeit fielen acht Dreier (67%), nur ein Zweier fand bei 10 Versuchen nicht das Ziel. So machten sich auch die zehn Ballverluste, die die Hamburger mit ihrer Defensive forcierten, nicht negativ bemerkbar. Nach einem 16:0-Lauf war die Partie gekippt, per Dreier beendete Kameron Taylor eine offensive Durststrecke seines Teams. Zwar schafften es die Towers zwischenzeitlich auszugleichen, weil es aber weiterhin nicht gelang, die Wurflaune der Chemnitzer entscheidend zu stören, ging es mit einem Drei-Punkte-Rückstand (48:45) in die Halbzeit.

Mit 23 Punkten war Kameron Taylor Hamburgs Topscorer. | Foto: Jan Stimpel

Und auch nach dem Seitenwechsel waren es die Hausherren, die das Spielgeschehen bestimmten. Zwar mühten sich die Towers, einen Weg zurück in die Partie zu finden, doch zwei Chemnitzer Dreier, begünstigt durch ein unsportliches Foul von TJ Shorts, ließen den Rückstand erstmalig zweistellig werden. Die Hamburger fanden noch immer keinen Weg zurück ins Spiel, mit einem 13-Punkte-Rückstand (79:66) ging es in die letzten zehn Minuten. Und zunächst sah es so aus, als würden die NINERS Chemnitz frühzeitig für die Entscheidung sorgen. Nachdem King einmal mehr seine Flugkünste unter Beweis gestellt hatte, ließ der US-Forward den Rückstand durch einen Dreier auf 16 Punkte anwachsen. Knapp acht Minuten blieben den Towers, den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen. Und auch wenn es Thornton schafften, der ersten aufkeimenden Hoffnung einen Dämpfer zu verpassen, arbeiteten sich die Towers Punkt um Punkt zurück. TJ Shorts krönte nach einem Steal von Kameron Taylor einen 10:0-Lauf. Dann war es Maik Kotsar, der seinem Team einen weiteren Energieschub verpasste, ehe Kameron Taylor aus der Distanz das 95:94 erzielte. Gleich zwei Chancen ließ Chemnitz in der letzten Spielminute ungenutzt, sodass Max DiLeo die Aufholjagd der Hamburg Towers mit einem Dreier finalisierte. Doch in den letzten Sekunden, in denen die Towers über das gesamte Spielfeld verteidigten, rutschten erst Maik Kotsar, dann Kameron Taylor unglücklich aus, sodass sich für Thornton eine Lücke bot – der spielentscheidende Dreier besiegelte die 98:97-Niederlage.

Für Justus Hollatz war es nicht das erste Mal, dass er mit seinen Hamburg Towers in Chemnitz aufläuft. | Foto: Jan Stimpel

Kurzer Schnack nach dem Spiel:

Pedro Calles: „Chemnitz hat guten Basketball gespielt und sehr gut von der Dreierlinie getroffen. Das waren die Hauptgründe für das Ergebnis heute. Ich rechne meinen Spieler ihren Einsatz und ihre mentale Stärke hoch an, aber die Konzentration, gerade im dritten Viertel, war heute nicht da. Wenn wir über dem Foullimit waren, haben wir zu viele blöde Fouls begangen und Chemnitz an die Linie geschickt. Das hat dazu geführt, dass wir mit 16 Punkten zurücklagen. Meine Spieler haben alles versucht, aber Thornton gehörte der Schlusspunkt.“

Justus Hollatz: „Hamburg gegen Chemnitz ist immer ein besonderes Spiel. Es gibt diese besondere Vergangenheit, die jeden pusht. Das hat man auch heute wieder gesehen. Chemnitz wollte unbedingt gewinnen, das hat man heute wieder gesehen. Sie haben wieder hochprozentig von der Dreierlinie getroffen. An manchen Tagen treffen sie, an manchen nicht – heute hatten sie das Glück, auch mit dem letzten Wurf. Da kann man nichts machen, damit müssen wir leben.“

Das Spiel im Detail:

Hoch motiviert und scharf schießend starteten beide Teams in die Partie. Optische Highlights gab es ebenfalls auf beiden Seiten zu bestaunen. Nachdem King die Partie mit einem Fastbreak-Dunk eröffnet hatte, lieferte Kameron Taylor per Monsterblock ebenfalls Top10-Material. Absetzen konnte sich zunächst allerdings kein Team (7:7, 3.). Dann eröffnete Maik Kotsar mit einem Dunk aus dem Post-Up eine Hamburger Drangphase. Ebenfalls mit Dunk, diesmal allerdings nach Steal und aus dem Fastbreak, beendete der Center einen 9:0-Lauf standesgemäß (10:16, 5.). Nach der anschließenden Auszeit meldeten sich die Hausherren mit zwei schnellen Abschlüssen aber prompt zurück. Weil zunächst Kameron Taylor und Johannes Richter am offensiven Ende erfolgreich waren, die Towers-Defensive Chemnitz zu zwei Ballverlusten in Folge zwang, konnte TJ Shorts mit drei erfolgreichen Abschlüssen in Serie den Vorsprung (20:29) zum Ende des ersten Viertels wieder ausbauen.

Mit zwei Dreiern brachten die Chemnitzer Routiniers Matthews und Ziegenhagen die Sachsen zum Start des zweiten Abschnittes zurück in die Partie. Und nur 38 Sekunden nach seinem ersten erfolgreichen Distanztreffer sorgte der Chemnitzer Kapitän, wieder für Drei, für den Ausgleich (31:31, 13.). Drei Chemnitzer Abschlüsse später war der 16:0-Lauf der Hausherren perfekt, die Towers zeigten sich verunsichert – Beleg dafür nicht zuletzt zwei Airballs von Justus Hollatz und Kameron Taylor. Doch der US-Amerikaner war es auch, der per Dreier die über vierminütige Offensivflaute beendete (38:34, 15.). Und den Startschuss für einen Hamburger Run setzte. Maik Kotsar und Justus Hollatz zwangen ihre Gegenüber zu Ballverlusten, mit einem Dunk im Fastbreak glich der Towers-Youngstar die Partie wieder aus (40:40, 17.). Nach einer Auszeit legte Chemnitz, begünstigt durch zahlreiche Fouls aufseiten der Hamburger, einen 8:0-Run auf das Parkett. Die letzte Serie vor der Halbzeit gehörte wieder den Towers, die mit fünf Punkten zur Halbzeit (48:45) wieder aufschließen konnten.

TJ Shorts trieb die Towers-Aufholjagd im Schlussviertel voran. | Foto: Jan Stimpel

Die zweite Spielhälfte eröffnete Chemnitz erneut mit einem sehenswerten Highlight-Play – wieder war es King, der den Ball durch die Reuse stopfte. Fünf anschließenden Punkten von Kameron Taylor setzten die Sachsen acht weitere Zähler entgegen und hielten so ihren Vorsprung hoch (58:50, 23.). Die Towers mühten sich, agierten aber nicht fokussiert genug. Nachdem TJ Shorts per Drei-Punkt-Spiel angeschlossen hatte, ermöglichte ein unsportliches Foul des Guards den Chemnitzern mit zwei Dreiern ihre Führung erstmalig zweistellig zu gestalten (67:55, 25.). Und so sehr sich die Hamburger auch defensiv reinhingen – Chemnitz weitere drei Ballverluste anhingen – im Angriff fehlte das Glück des Tüchtigen. Nach fünf Fehlversuchen aus dem Feld gelang Johannes Richter nach über zwei Minuten wieder ein Korberfolg (74:63, 28.). Zwar schaffte es Terry Allen mit einem Dreier den Rückstand kurzzeitig wieder in den einstelligen Bereich zu drücken, doch von der Freiwurflinie hoben die Hausherren ihren Vorsprung zum Abschluss des dritten Viertels (79:66) wieder an.

Und auch im Schlussabschnitt ging der bessere Start an die Hausherren. Wieder war es King, der per Dunk die ersten Zähler der letzten zehn Minuten auf die Anzeigetafel brachte. Per Dreier sorgte der US-Forward für den höchsten Towers-Rückstand des Abends (86:70, 32.). In der Folge forcierten die Towers die nächsten beiden Chemnitzer Ballverluste, TJ Shorts und Justus Hollatz fanden zwei Mal den Weg zum Korb. Nach einer Chemnitzer Auszeit verpasste Thornton der aufkeimenden Hamburger Hoffnung aus der Distanz einen ersten Dämpfer (89:74, 34.). Doch der dreizehnte Chemnitzer Dreier an diesem befreite die letzten Hamburger Reserven. Gleich vier Hamburger punkteten in Serie und brachten die Towers mit einem 10:0-Lauf zurück ins Spiel (89:84, 36.). Eine weitere Auszeit der NINERS durchbrach das Hamburger Momentum kurzzeitig – vier Chemnitzer Punkten folgten vier Zähler auf Hamburger Seite (93:88, 38.).  Per Dunk gab Maik Kotsar seinem Team einen weiteren Energieschub, mit einem Dreier verkürzte Kameron Taylor auf einen Punkt (95:94, 40.). Nach zwei vergebenen Chemnitzer Chancen krönte Max DiLeo dann die Aufholjagd aus der Distanz. Doch der letzte Führungswechsel und der abschließende Jubel sollte nicht den Towers gehören. Mit ablaufender Spieluhr fand Thornton eine Lücke in der Towers-Defensive und besiegelte mit der Schlusssirene die 98:97-Niederlage.

Towers-Statistiken: Shorts (19 Punkte, 4 Ass.), Swing (2), DiLeo (6), K. Taylor (23, 6 Reb.), Kotsar (10, 7 Reb.), Richter (8), Hollatz (12, 4 Reb.), Allen (9, 4 Ass.), Cuthbertson (8)

PLAYOFFS, BABY! Am 20. Mai geht es los!