15.01.2021

Gegenwart sticht Vergangenheit

Am Sonntag (15 Uhr) treffen die Hamburg Towers erst zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte auf den FC Bayern München. Die erste Begegnung spielt in den Towers-Köpfen keine Rolle mehr. Magenta Sport (ab 14.45 Uhr) und Sport1 (Free-TV) übertragen live.

Die Idee der Zeitreise pendelt zwischen physikalischen Erklärungen und Science Fiction und dient vornehmlich als Inspiration für Erzählungen in Literatur, Film und Kunst. Während ein Sprung in die Zukunft mittels Relativitätstheorie möglicherweise erklärbar ist, gilt die Theorie des Ausflugs in die Vergangenheit als utopisch. Was vergangen ist, soll vergangen bleiben – so auch die Bundesliga-Premiere der Hamburg Towers. Die deutliche 111:55-Niederlage vom 30.09.2019 gegen den FC Bayern München gehört zweifelsfrei zur Geschichte des Klubs aus der Hansestadt. „Aber damit wollen wir uns als Team und als Organisation nicht beschäftigen. Stattdessen schauen wir gespannt auf das kommende Spiel am Sonntag“, gibt Head Coach Pedro Calles die Route vor. Der Spanier, damals noch in Diensten von RASTA Vechta, verfolgte die erste Towers-Partie in der easyCredit BBL am TV-Bildschirm. Marvin Ogunsipe, damals wie heute vom FC Bayern München auf Leihbasis verpflichtet, erlebte den Einstand auf dem Spielfeld. „Es war auf jeden Fall kein gutes Spiel von uns. Aber ich schließe mich den Worten des Head Coaches an. Wir wollen nicht in der Vergangenheit leben, das Kapitel ist abgeschlossen. Wir haben diese Saison ein neues Kapitel aufgeschlagen und wollen da weitermachen, wo wir zuletzt aufgehört haben“, so der 2,04 Meter große Forward. Zuletzt siegten die Towers gegen den Tabellenzweiten Crailsheim (89:72). Für Geschäftsführer Marvin Willoughby war es „das qualitativ beste Spiel einer Towers-Mannschaft seit Vereinsgründung“, wie er in einem Gespräch mit der MOPO betonte. Für Calles war es „die richtige Kombination aus Energie und Konzentration“, die am vergangenen Sonntag zum Sieg führte.

Taktikfuchs Andrea Trinchieri orchestriert in einer Auszeit den nächsten Bayernangriff | Foto: Hans Rauchensteiner

Sehr gut – besonders effizient

Konzentriert sollten die Schützlinge von Pedro Calles auch am Sonntag gegen den FC Bayern München zu Werke gehen. „Sie sind wahrscheinlich der stärkste Gegner, gegen den wir bisher in der Saison spielen“ gibt der Trainer des Jahres 2019 unumwunden zu. Für Calles ist der FC Bayern München nicht nur „sehr gut, für mich sind sie vor allem besonders effizient.“ In Zahlen ausgedrückt: Das Team von Andrea Trinchieri, der Brose Bamberg zwischen 2014 und 2018 zu drei Meisterschaften und einem Pokaltitel führte, stellt mit 86,5 Punkten pro Spiel die fünftbeste Offensive der Liga. Mit lediglich 60,9 Würfen nehmen sie die siebtwenigsten Versuche aller Teams in der BBL, treffen diese mit 49,9 Prozent aber am hochprozentigsten im gesamten Ligavergleich. Ein deutliches Zeichen ihrer Effizienz.

In der EuroLeague rangiert der FC Bayern auf Platz vier. Mit gleich 16 Spielern wollen sie der Doppelbelastung trotzen, zuletzt mussten mit Djedovic, Sisko und Amaize drei Akteure verletzungsbedingt pausieren. „Ich schaue mir auf jeden Fall unter der Woche auch die EuroLeague-Partien an. München spielt bisher eine sehr gute Saison – in der EuroLeague und in der BBL. Ihr Kader ist sehr gut aufgestellt“, weiß auch Marvin Ogunsipe, der mit FCBB-Akteur Robin Amaize noch immer regelmäßig in Kontakt steht. Center-Kante Jalen Reynolds (13,1 PpS) präsentiert sich auf nationaler Ebene als Topscorer, obwohl er im Schnitt lediglich 16 Minuten auf dem Parkett steht. Ein weiterer Beweis für die Effizienz. Noch einer gefällig? DDB-Nationalspieler Paul Zipser kam in allen zehn Bundesliga-Partien von der Bank und steht nach 23 Versuchen von der Freiwurflinie – übrigens die drittmeisten im Münchener Team – noch immer bei 100 Prozent vom „Charity Stripe“.

Marvin Ogunsipe setzt sich in Korbnähe durch. | Foto: Dennis Fischer

40 Minuten volle Konzentration

Auf die Erfolgsquote im Angriff wird es laut Head Coach Pedro Calles auch im Spiel der Hamburg Towers ankommen. „Wenn wir zwar fokussiert sind, es aber nicht schaffen, erfolgreiche Abschlüsse zu generieren, dann wird sich unsere ganze Arbeit nicht bezahlt machen“, weiß der Hamburger Head Coach, dass man gegen München keine Chance ungenutzt lassen sollte. Für Neuzugang Johannes Richter bietet sich am Sonntag die erste Gelegenheit für einen Einsatz im Trikot der Hamburg Towers. „Es wird keine leichte Aufgabe, eher eine riesige Herausforderung. Aber Herausforderungen sind da, um sie anzunehmen“, gibt sich der 2,05 Meter große Big Man nach einer Trainingswoche, in der er die Systeme kennenlernte, kämpferisch.

Etablierung als Prozess

Nach Niederlagen gegen Berlin und Oldenburg stehen die Münchener derzeit – mit gleichviel Siegen und einer Niederlage weniger – nur einen Tabellenplatz vor den Hamburg Towers. Trotz aller Euphorie über das sehr erfolgreiche erste Saisondrittel behält Geschäftsführer Marvin Willoughby die langfristigen Ziele immer im Blick. „Wir sind noch immer im Prozess, uns zu etablieren. Aber es ist einfach ein riesiger Sprung zwischen der ProA und der BBL. Das hat man im letzten Jahr gesehen. Da muss man sich erstmal herantasten. Es gibt einfach nicht den einen Weg, um in der BBL erfolgreich zu sein“, so der ehemalige DBB-Nationalspieler gegenüber der MOPO. Welchen Weg die Towers am Sonntag gegen den FC Bayern München gehen, können alle Interessierten bei Magenta Sport und auch bei Sport1 live verfolgen.

Neuzugang Johannes Richter gemeinsam mit Marvin Ogunsipe im Training. | Foto: Florian Eisebitt

Kurzer Schnack vor dem Spiel:
Pedro Calles:
„Ich habe das letzte Spiel der Towers gegen München gesehen. Aber das gehört zur Vergangenheit und damit wollen wir uns als Team und als Organisation nicht beschäftigen. Stattdessen schauen wir gespannt auf das kommende Spiel am Sonntag.“
„Es ist kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Münchener sehr gut sind. Für mich sind sie aber vor allem besonders effizient. In der Verteidigung agieren sie sehr physisch, in der Offensive attackieren sie gern den Korb und gehen ihren Würfen hinterher. Wenn wir uns die Stärken und den Kader des FC Bayern München anschauen und auch die Art, wie sie Basketball spielen, dann sind sie wahrscheinlich der stärkste Gegner, gegen den wir bisher in der Saison spielen. Es wird definitiv eine große Herausforderung für uns.“
„Ich denke, das Rebound-Duell wird das Spiel bestimmen. Ich erwarte von meinen Spielern erneut über 40 Minuten voll fokussiert zu sein. Zudem wird es aber auch darauf ankommen, dass wir unsere Angriffe erfolgreich abschließen. Wenn wir zwar fokussiert sind, es aber nicht schaffen, erfolgreiche Abschlüsse zu generieren, dann wird sich unsere ganze Arbeit nicht bezahlt machen. Darauf müssen wir uns also konzentrieren.“

Marvin Ogunsipe: „Damals war es auf jeden Fall kein gutes Spiel von uns. Aber ich schließe mich den Worten des Head Coaches an. Wir wollen nicht in der Vergangenheit leben, das Kapitel ist abgeschlossen. Wir haben diese Saison ein neues Kapitel aufgeschlagen und wollen da weitermachen, wo wir zuletzt aufgehört haben.“
„Ich schaue mir auf jeden Fall unter der Woche auch die EuroLeague-Partien an. München spielt bisher eine sehr gute Saison – in der EuroLeague und in der BBL. Ihr Kader ist sehr gut aufgestellt. Für den deutschen Basketball ist es gut, wenn die deutschen Mannschaften sich so gut in der EuroLeague präsentieren.“

Marvin Willoughby: „Wir sind noch immer im Prozess, uns zu etablieren. Wir waren auch im letzten Jahr eine BBL-Mannschaft. Aber es ist einfach ein riesiger Sprung zwischen der ProA und der BBL. Das hat man im letzten Jahr gesehen. Da muss man sich erstmal herantasten. Es gibt einfach nicht den einen Weg, um in der BBL erfolgreich zu sein.“

So 07. März 21

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