20.01.2022

Gastspiel bei unberechenbaren GIESSEN 46ers

Am Samstagabend gastieren die Hamburg Towers beim Tabellen-Siebzehnten JobStairs GIESSEN 46ers. Tipoff der Partie ist um 20.30 Uhr. Magenta Sport überträgt ab 20.15 Uhr live.

WHAT’S UP?! Was erwartet die Hamburg Towers am Samstag bei den JobStairs GIESSEN 46ers? Selten waren die Vorzeichen vor einer Partie so schwer zu lesen. Sportlich gesehen rangieren die Hessen nach zuletzt acht Niederlagen in Folge auf Tabellenplatz 17. Mit im Schnitt 78,6 erzielten Punkten ist die Offensive des Teams von Pete Strobl derzeit die Zweitschwächste. Gleichzeitig erlauben die 46ers ihren Kontrahenten durchschnittlich 85,5 Zähler – also ungefähr so viel, wie die Towers im Mittel produzieren. Auch damit ordnet sich Gießen im ligaweiten Vergleich nur knapp vor dem Ende ein. Siege gab es bisher nur am ersten Spieltag gegen Bayreuth und gegen die ebenfalls am Tabellenende stehenden Oldenburger und den MBC. Doch das ist nur die eine Seite. Auf der anderen sorgte die Klubführung vor rund einer Woche mit den Entlassungen von Jalen Tate und John Bryant dafür, dass nun auch der letzte verbliebene Profi verstanden haben sollte, in welcher prekären Situation sich der Traditionsklub, der nach dem sportlichen Abstieg im letzten Jahr dank einer Wildcard der easyCredit Basketball Bundesliga erhalten blieb, befindet. Durch die coronabedingte Absage der Partie gegen Berlin am vergangenen Wochenende hatten die 46ers insgesamt zwei Wochen, um sich auf das Duell mit den Hamburg Towers vorzubereiten. Zeit, die Pete Strobl vor dem ersten Duell noch gefehlt hat. So sollte auch Forward JD Miller, der kurz vor dem Hinspiel vorgestellt wurde, inzwischen vollständig ins Team integriert sein. Zudem wird auch Kyan Anderson nicht mehr um seinen Einsatz fürchten müssen – beim Hinspiel setzte der US-Amerikaner als siebter Importspieler aus, nur drei Tage später gegen Ludwigsburg meldete er sich mit 22 Punkten eindrucksvoll zurück. Die Führung des Gießener Teams hat in der Zwischenzeit Kendale McCullum übernommen – gegen Göttingen erzielte der Guard zuletzt mit 26 Punkten eine neue BBL-Bestleistung und garnierte diese mit sieben Rebounds sowie sieben Assists. Unter der Woche wurde der Amerikaner von seinen Teamkollegen einstimmig zum neuen Teamkapitän gewählt. Es ist also davon auszugehen, dass die JobStairs GIESSEN 46ers vor 170 Heim-Fans für einen Erfolg alles in Waagschale werfen werden. Übertragen wird die Partie ab 20.15 Uhr bei Magenta Sport – kommentiert von Stefan Koch, der von 2004 bis 2006 in Gießen tätig war und die 46ers 2005 als Trainer des Jahres bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft geführt hatte.

Mit dem neuen Teambus geht es nach Gießen. | Foto: Hamburg Towers

DUELL IM FOKUS Robin Christen vs. Florian Koch. Die beiden Forwards sind die besten Distanzschützen ihrer Teams – mit Quoten deutlich über 40% (Christen 45,9%, Koch 42,6%). Zudem waren die direkten Kontrahenten im Hinspiel jeweils die Topscorer ihrer Teams. Während der in Gießen aufgewachsene Robin Christen mit 5/9 Dreiern auf 20 Punkte kam – ebenso viele wie am Mittwoch beim europäischen Powerhouse Belgrad – kam Florian Koch mit 4/6 Dreiern auf 18 Zähler. Im Schnitt erzielt der Hamburger Christen 7,8 Punkte, 2,5 Rebounds und 0,6 Assists. Gießens Koch legt in ähnlicher Spielzeit, genau genommen steht er im Schnitt eine Minute länger auf dem Parkett, 8,4 Punkte, 2,8 Rebounds und 0,6 Assists auf. Doch nicht nur statistisch ähnelt sich das Spiel der Flügelspieler. Mit ihrer kämpferischen Einstellung und ihrer Körpersprache reißen sie ihre Mitspieler regelmäßig mit.

BLICK IN DIE GESCHICHTSBÜCHER Das Hinspiel ist noch nicht einmal einen Monat her. Beim 104:82-Heimsieg am zweiten Weihnachtsfeiertag 2021 machten die Hamburg Towers bereits im ersten Viertel eindrucksvoll deutlich, dass sie ihre Fans mit einem verspäteten Geschenk bescheren wollten. Ein 17:0-Lauf ebnete den Weg zum dritten Hunderter innerhalb von elf Tagen. Seitdem hat sich vor allem bei den Gießenern viel getan. Jalen Tate und John Bryant waren 27 Tage vor dem erneuten Aufeinandertreffen noch Teil des Teams von Pete Strobl. Und während Centerkoloss Bryant vergangene Woche mit dem MBC – seinem neuen Arbeitgeber – erneut in der edel-optics.de Arena Halt machte, ist Tate noch auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber.

OFF THE COURT Erst um kurz vor 23 Uhr traf der Towers-Tross am Mittwochabend wieder in Hamburg Wilhelmsburg ein. Und nach nur einem Trainingstag in der heimischen edel-optics.de Arena und einer kurzen Einheit am Freitagvormittag geht es für das Team von Pedro Calles anschließend erneut auf Reisen. Die rund 430 Kilometer ins hessische Gießen legen die Towers im nigelnagelneuen Teambus zurück. Das in modernem Schwarz erstrahlende Teamgefährt verfügt extra für die Sportler zwischen 1,83 Meter (Jaylon Brown) und 2,11 Meter (Maik Kotsar) über maximale Beinfreiheit. Dazu wurde der von Reiselogistik-Partner Hanse Mondial zur Verfügung gestellte Bus zunächst umgebaut, mehrere Sitzreihen entfernt und neu angeordnet, zudem wurde der Karosserie-Body vollständig lackiert und anschließend mit dem Klublogo, dem Namen und dem Markenclaim „More than Basketball“ foliert.

Nach zweiwöchiger Verletzungspause kehrt Justus Hollatz auf das BBL-Parkett zurück. | Foto: Dennis Fischer

KURZER SCHNACK VOR DEM SPIEL

PEDRO CALLES: „Um unsere Chancen auf einen Sieg in Gießen zu erhöhen, wird es mehr denn je darauf ankommen, dass wir uns nur auf uns konzentrieren. Sie hatten zwei Wochen Zeit, um sich auf das Spiel vorbereiten, haben Spieler entlassen. Wir wissen nicht um die genauen Umstände in Gießen. Der Unterschied, den wir in dieser Woche erleben, zwischen Belgrad und Gießen, ist groß. Aber das ist eine Lektion, die wir aus dem letzten Spiel mitnehmen müssen. Partizans Spieler, die zum Teil schon im Euroleague Final Four standen, hatten gegen die Hamburg Towers, die keinerlei Reputation auf der europäischen Basketballkarte haben, einen ganz klaren, zielgerichteten Blick. Und genau diesen Blick müssen wir jetzt zeigen, wenn wir gegen Gießen spielen. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn wir das Spiel nicht mit der richtigen Einstellung angehen würden. Ansonsten hätten wir vergessen, wer wir sind. Ich bin mir aber sehr sicher, dass meine Spieler genau wissen, wer wir sind.“

JUSTUS HOLLATZ: „Wir haben im Hinspiel über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht, aber am Ende ist uns etwas die Energie verloren gegangen. Das haben wir jetzt ein Belgrad gesehen, dass Partizan über 40 Minuten konstant gespielt hat. Genau das müssen wir uns als Vorbild nehmen und in der zweiten Halbzeit nicht wieder unser Energielevel runterschrauben. Für mich war es schwer, die letzten zwei Wochen nur zuschauen zu können. Jeder Spieler will einfach spielen. Aber die Jungs haben einen sehr guten Job gemacht. Hätten wir in der Zeit nicht so viele Siege gehabt, dann wäre es vermutlich noch schwerer gewesen. Aber so bin ich sehr dankbar und freue mich, dass ich ab sofort wieder mithelfen kann.“

Offseason, Baby!