23.04.2019

Beech versenkt Chemnitz

Beech versenkt Chemnitz

1,4 Sekunden vor dem Buzzer hat Beau Beech die Hamburg Towers zurück in die Serie gegen die NINERS Chemnitz geworfen. Per Dreier besiegelte er das Schicksal des Kontrahenten. Daheim gelang es dem Team von Headcoach Mike Taylor erstmals in dieser Saison, den Ligaprimus zu besiegen. Durch den leidenschaftlich erkämpften und bis zum Schluss erzitterten 81:78 (52:51, 35:41, 16:22)-Erfolg steht es im Halbfinale nun 1:1.

Ein weiteres Mal starteten Cha Cha Zazai, Malik Müller, Drew Barham, Beech und Jannik Freese. Doch es misslang der eingespielten Formation zu punkten. Überhaupt benötigten die Gastgeber geschlagene 4:06 Minuten, ehe der erste Korb durch Barham (2:8) gelang. Bis dahin wurden sechs Fahrkarten angesammelt. Auch das erste Erfolgserlebnis sorgte nicht für eine Initialzündung. Chemnitz setzte sich bis auf 12:2 (6. Minute) ab. Erst die Hereinnahme von Max Montana änderte dies. Der Forward brachte sein Team mit sieben schnellen Punkten auf 11:14 heran (8.). Niners-Star Malte Ziegenhagen kassierte in Folge ein technisches Foul, und die 3400 Zuschauer in der ausverkauften edel-optics.de Arena waren erstmals auf den Beinen. Zum Viertelende hatte sich der Gast jedoch wieder eine komfortablere 22:16-Führung herausgeworfen.

Diesmal bedurfte es im Gegensatz zur regulären Saison allerdings keines Feueralarms, um den Rhythmus des Hauptrundenersten zu brechen. Eine Zonen-Defense genügte. Hamburg verteidigte nun bissiger und wilderte in den Passwegen. Dazu attackierten Taylors Schützlinge den Korb engagierter, was im 26:26 (14.) durch Freese-Freiwürfe resultierte. Doch auch diese Strategie war nicht dauerhaft wirkungsvoll. Chemnitz überspielte die Verteidigung mit Backdoor- und Lob-Pässen. Kritischer war allerdings, dass es den Wilhelmsburgern urplötzlich nicht mehr gelang, ihre offensiven Systeme zu laufen. Lediglich sechs Assists zur Pause sprachen für ein zu isolationslastiges Spiel, der 35:41-Rückstand indes nicht für ein erfolgreiches Comeback.

Es war an der Zeit zu zaubern. Zeit für Zazai. Erstaunlicherweise brachte der Showman selbst in einem derart druckgeladenen Match Kabinettstückchen erfolgreich an den Mann. Die Sachsen und ihre gut 80 angereisten Anhänger mussten missmutig die Nebenrolle einnehmen. Regisseur Zazai legte schließlich Beech auf, der die Hausherren erstmals in Führung brachte (44:43/24.). Eine Minute später flog jedoch schon wieder Konfetti im Gästeblock. Zum dritten Mal hatten sich die Towers herangearbeitet, nur um dann wieder abreißen zu lassen (44:49/26.). Die Achterbahnfahrt ging weiter. Dunk Justin Raffington – 49:49 (28.), mit 52:51 ging es in den Schlussabschnitt.

Und in den starteten die Norddeutschen furios. In seinem ersten Spiel als 18-Jähriger packte Justus Hollatz direkt den ersten „Man’s Jam“ aus, dem der zuvor erneut extrem glücklose Barham endlich einen Dreier folgen ließ (59:53/32.). Nun schien der Widerstand der Niners gebrochen zu sein. Hollatz spielte sich mit Traumpässen in die Highlight-Tapes, Scootie Guyton vergaß bei allem Swag auch das Scoren nicht (64:55/34.). Für Chemnitz wog besonders das foulbedingte Aus von Ringbeschützer Georg Voigtmann schwer. Überraschte es, dass die Mannschaft von Rodrigo Pastore natürlich jetzt zurückschlug (65:68/35.)? Wohl kaum. Im Towers-Angriff wechselten sich geniale mit kopflosen Szenen ab, weswegen es durchgängig knapp blieb. Zu allem Überfluss konterten der leichte Favorit dank Ziegenhagen mit wahnwitzigen Dreiern auf jeden Hamburger Zweier. Bis auf 75:77 kamen die Ostdeutschen bei 25,4 Sekunden heran. Zehn Sekunden vor Ende glich Lukas Wank per Distanzwurf zum 78:78 aus. Doch Guyton bewahrte die Ruhe, sah im Gegenzug Beech in der Ecke, der eiskalt einnetzte. Game Over.

„Was für ein Spiel“, bemerkte Pastore bei der Pressekonferenz und ergänzte: „Hier treffen definitiv die beiden besten Mannschaften der ProA aufeinander.“ Taylor war stolz auf seine Jungs. „Wir haben nie aufgegeben, obwohl wir einen nervösen Start hatten. Am Ende war etwas Glück dabei, aber Scootie hat das Play für Beau mit all seiner Erfahrung auch perfekt vorbereitet. Das ist Playoff-Basketball.“

Hamburg Towers: Guyton (10 Punkte/5 Assists), Zazai (3), Beech (13), Walker (10), Montana (7), Kovacevic, Kindzeka (2), Müller, Freese (19), Hollatz (6/6 Assists/6 Steals), Raffington (2), Barham (9).

Im dritten Duell können die Towers die Tür zur 1. Bundesliga ganz weit aufstoßen. Am Freitag, 26. April, sind die NINERS Chemnitz wieder Gastgeber. Los geht‘s in der Richard-Hartmann-Halle um 19.30 Uhr.

Saison 19/20 für Towers vorzeitig beendet