13.05.2022

Auftakt-Niederlage in letzter Sekunde

Die Hamburg Towers wehren sich lange gegen zahlreiche Widrigkeiten und verlieren trotz einer Führung fünf Sekunden vor Spielende das erste Viertelfinale bei den Telekom Baskets Bonn mit 100:98 (17:23, 41:42, 67:66, 91:91) nach Verlängerung.

WIE LIEF’S Direkt vor dem Tipoff bekamen zunächst zwei entscheidende Personalien der Telekom Baskets Bonn, MVP Parker „PJC“ Jackson-Cartwright und Trainer des Jahres Tuomas Iisalo, ihre Hauptrunden-Awards überreicht. Doch die Erfolge der regulären Saison zählen in den Playoffs bekanntlich nichts. Und während sich die 6.000 Fans im ausverkauften Dome auf dem Hardtberg noch mit pinken Handtüchern in der Schlager-erprobten „Helikopter-Formation“ übten, wirbelten auf dem Parkett nun auch die Hamburg Towers mit. Immer wieder legte das Team von Pedro Calles vor, zur Mitte des ersten Viertels versenkte Caleb Homesley den ersten Dreier der Partie und brachte sein in schwarz gekleidetes Team auf sieben Zähler in Front. Die Mannschaft in Magenta tat sich gegen den defensiven Druck der Hanseaten schwer und sah sich nach den Punkten fünf und sechs des starken Maik Kotsar zur Auszeit gezwungen. Weil der Este, ebenso wie Max DiLeo zuvor, aber anschließend bereits sein zweites Foul kassierte, eröffneten sich für die Bonner neue Räume. Mit einem 8:0-Run schlossen die Baskets wieder auf – Auszeit Hamburg. Und die brachte genug Ruhe herein, um sich bis zum Ende der ersten zehn Minuten wieder auch sechs Punkte abzusetzen. Zu Beginn des zweiten Viertels tauschten beide Mannschaften zunächst einige Körbe aus, bei den Gastgebern netzte PJC im 13. Versuch den ersten Distanztreffer. Bei den Hamburgern war die Quote jenseits der 6,75-Meter nur marginal besser, gleiches galt auch für den Zweier-Bereich – aber es genügte dem Calles-Team, um knapp in Führung zu bleiben. Den Erwartungen entgegen, auch wenn Jaylon Brown in der ersten Hälfte insgesamt 17 Punkte verzeichnete, einten vor allem zahlreiche Fehlwürfe zwei der besten Offensivteams der Liga. Vier Chancen in Serie brachten die Towers nicht im Korb unter, stattdessen kassierten sie den dritten Dreier des frisch gekürten MVP und damit den ersten Rückstand des Abends. Mit einem Drive über das komplette Feld brachte Justus Hollatz sein Team zur Pausensirene wieder in Front. Doch trotz des leicht versöhnlichen Endes der ersten Hälfte schmerzten die drei persönlichen Fouls von Max DiLeo und Maik Kotsar.

Nur 35 Sekunden nach Wiederbeginn kassierte dann auch Lukas Meisner sein drittes Foul. Mit fünf Zählern in Folge kämpfte Max DiLeo gegen die Hamburger Sorgenfalten, vergrößerte diese aber postwendend mit seinem vierten Foul. Wirklich Glück hatten die Hanseaten mit den Regelauslegungen seit dem Seitenwechsel nicht – die Bank brachte ihrem Unmut darüber nach einem nicht gegebenen Offensivfoul an Caleb Homesley zu deutlich zum Ausdruck und kassierte dafür ein technisches Foul. Doch die Towers auf dem Parkett behielten die Nerven und den zunächst knappen Vorsprung, weil Jaylon Brown und Caleb Homesley wichtige Dreier trafen. Allerdings war dann auch für den Dreierexperten erstmal Schluss, auch bei Homesley leuchtete das dritte Foul auf der Anzeigetafel auf. Auf Distanztreffer musste das Publikum aber nicht verzichten, mit zwei Dreiern glich Jackson-Cartwright die Partie aus, ein Triple von Skyler Bowlin brachte die Hausherren vor den letzten zehn Minuten in Führung. Mit einer guten Startsequenz ins vierte Viertel legten dann die Towers wieder vor – sahen sich nach einem 6:0-Run der Bonner aber 50 Sekunden später wieder im Hintertreffen. Weitere 100 Sekunden später hatte Caleb Homesley mit zwei abgezockten Dreiern den Spielstand wieder gedreht. Und der Amerikaner ließ sich auch von einem mehr als fragwürdigen technischen Foul, das ihm die Unparteiischen für ein vermeintliches Flopping anhingen, nicht aus dem Konzept bringen und gab mit seinem sechsten Dreier die richtige Antwort. Knapp drei Minuten vor dem Ende lagen die Towers sieben Zähler vorn. Doch MVP PJC verkürzte in gerade einmal 30 Sekunden mit fünf Punkten in Serie. Zwei Dreier später, je einer auf jeder Seite, brach die Schlussminute an. Nachdem Maik Kotsar einen Freiwurf verpasste, glich Hawkins 13,5 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit mit einem Dreier über den Esten aus – und weil der letzte Versuch der Hamburg Towers zu spät erfolgte, ging es in die Verlängerung.

Mit jeweils einem Korbleger checkten beide Teams in die Overtime ein, dann kassierte auch Maik Kotsar sein viertes Foul – Bonn brachte sich an der Freiwurflinie in Führung. Bei den Towers waren die schwindenden Kräfte offensichtlich, statt einem erneuten Führungswechsel folgten drei Ballverluste in Serie, ein weiterer Dreier genügte Bonn, um auf vier Punkte wegzuziehen. Es blieben 90 Sekunden, um der Partie eine entscheidende Wendung zu geben – in 85 davon brachten sich die Hamburg Towers wieder mit einem Zähler in Front, die letzten fünf genügten den Telekom Baskets Bonn, um das erste Viertelfinale für sich zu entscheiden.

TOWERS-STATS J. Brown (27 Pkt., 2 Stl.), Z. Brown, DiLeo (5), Homesley (20, 4 Ass.), Meisner (3, 3 Reb.), Christen (3), Kotsar (21, 11 Reb.), Hinrichs (8, 14 Reb, 4 Ass.), Edigin (3 Reb.), Hollatz (11, 3 Reb., 8 Ass.)

Gegen die körperliche Defensive der Bonner unterliefen Caleb Homesley 10 Ballverluste. | Foto: Jörn Wolter

DUELL IM FOKUS Jaylon Brown (27) und Caleb Homesley (20) leisteten sich einen regelrechten Shootout mit Parker Jackson-Cartwright (36) und Javontae Hawkins (22). Vor allem aus der Distanz liefen die beiden korbgefährlichen Duos heiß – das etwas heißere Händen hatte das Bonner Zweiergespann. Insgesamt 12 von 20 Dreier netzte das Magenta-Tandem, auf Hamburger Seite traf die US-Kombo neun von 20 Versuchen aus der Distanz. Prognose: to be continued.

TOWER OF THE GAME Trotz Verlängerung stand Maik Kotsar als effektivster Tower „nur“ 32:07 Minuten auf dem Parkett. Foultrouble begleiteten den Esten seit Mitte des ersten Viertels, sodass Kotsar vor allem in der Defensive über weite Strecken nur mit angezogener Handbremse agieren konnte. Trotz der Widrigkeiten war der 2,11 Meter große Center vor allem in der zweiten Halbzeit ein wichtiger Eckpfeiler. Am Ende verbuchte Maik Kotsar mit 21 Punkten und 11 Rebounds sein erstes Playoff Double Double.

WHAT’S NEXT Bereits in weniger als 48 Stunden geht es weiter. Das zweite Viertelfinale findet am Sonntag (15.05.) ebenfalls in Bonn statt. Tipoff ist um 15 Uhr, Magenta Sport überträgt ab 14.45 Uhr live.

Maik Kotsar musste sich aufgrund der Foulbelastung immer wieder zurücknehmen. | Foto: Jörn Wolter

KURZER SCHNACK NACH DEM SPIEL

PEDRO CALLES: „Heute haben sich die Hamburg Towers und Telekom Baskets Bonn ein unglaubliches Spiel geliefert. Am Ende der regulären Spielzeit und auch zum Ablauf der Verlängerung hat Hawkins gut verteidigte Dreier getroffen. Gratulation an Bonn zum ersten Sieg der Serie. Insgesamt war es eine sehr enge Partie über die gesamte Spielzeit. Meine Spieler haben den Gameplan sehr gut umgesetzt. Am Ende der regulären Spielzeit hatten wir eine gute Chance auf den Sieg, unsere Ausführungen in der letzten Minute standen uns hier vielleicht etwas im Weg. In der Verlängerung haben wir trotz des zwischenzeitlichen Bonner Vorteils einen Weg gefunden, zurückzukommen und das Spiel in unserer Hand zu haben. Aber einmal mehr hat die individuelle Qualität bei Bonn für die Entscheidung gesorgt. Wir müssen uns jetzt schnell erholen, es ist eine Best-of-Five-Serie bereits am Sonntag steht das nächste Spiel an.“

CALEB HOMESLEY: „Es sind zwei gute Teams, die gesamte Partie über ging es hin und her. Sie haben den letzten Wurf bekommen und der fiel, damit müssen wir leben. Wir haben das ganze Spiel über gut verteidigt, uns damit selbst die Chance auf einen Erfolg gegeben, vor allem in so einer schwierigen Atmosphäre. Niemand hat damit gerechnet, dass das Spiel so eng wird. Doch wir haben es geschafft. Es kann eine lange Serie werden. Ich denke nicht, dass es schwer wird, sich wieder auf Sonntag zu fokussieren. Wir wissen, was wir zu tun haben, was unser Ziel ist. Es ist nur eine Niederlage, verloren ist aber noch nichts.“

Offseason, Baby!