02.05.2019

Towers wahren Meisterchance

Towers wahren Meisterchance

Die Hamburg Towers haben sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel um die Meisterschaft in der BARMER 2. Basketball Bundesliga verschafft. Im ersten Finalduell gab es beim Mitaufsteiger Nürnberg Falcons eine knappe 87:90 (64:70, 40:52, 23:27)-Niederlage. Eine deutliche Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel lässt auf eine standesgemäße Aufstiegsfeier mit entsprechender Hardware hoffen.

Die Aufsteiger-Starting-Five um Cha Cha Zazai, Malik Müller, Drew Barham, Beau Beech und Jannik Freese eröffnete im proppen- und stimmungsvollen Eventpalast, dem nach jedem Falcons-Korb das Zeltdach abzufliegen drohte. Besonders Ishmail Wainright hatte es dem fränkischen Publikum angetan, Aktionen des eindrucksvollsten Athleten der Liga wurden besonders frenetisch gefeiert. Sein Pendant auf Towers-Seiten hieß Freese. Der Big Man reihte zu Spielbeginn mehrere gelungene Offensivaktionen aneinander, aufgrund derer sich seine dauerhaft aufspringenden Bankkollegen das nächste Kniebeuge-Workout sparen können. Vielleicht waren die Knochen der Gäste aber ohnehin noch müde vom anstrengenden fünften Halbfinale zwei Tage zuvor in Chemnitz. Jedenfalls fehlte in der Defensive etwas Energie. Im Angriff ließen sich die Norddeutschen aber nicht lumpen und überzeugten durch eine solide Trefferquote. Resultat des Ganzen: ein 23:27-Rückstand nach zehn Minuten.

Im zweiten Viertel wurde es Towers-Headcoach Mike Taylor dann doch etwas zu bunt (25:35/22. Minute). Eine Auszeit sollte seine Jungs wieder auf Kurs bringen. Der offensive Flow blieb erhalten. Vor allem individuelle Glanzstücke wie beispielsweise im Post durch Freese und per Drive durch Kraftpaket Müller trugen dazu bei, dass die Hamburger wieder etwas nähen herankamen. Angesichts der 63-prozentigen Wurfquote der Falken, deren Aufbauspieler Marcell Pongo seine zum Korb cuttenden Kollegen immer wieder zielsicher fand, war jedoch nicht viel auszurichten. Das Publikum erfreute sich so eines Offensivspektakels, das beim Stand von 52:40 für die Hausherren pausiert wurde.

Aus der Kabine kamen die Hanseaten deutlich fokussierter. Zu erkennen auch an der Intensität, mit der sich die Wilhelmsburger durch die Falken-Blöcke kämpften. Außerdem fand Beech nun in die Partie. Mit sechs von seinen aus Florida angereisten Eltern Joanne und Bud lautstark bejubelten Punkten in Serie, darunter einem höchstschwierigen einbeinigen Fadeaway, brachte er sein Team nach zwischenzeitlichem 16-Punkte-Rückstand wieder auf 52:62 heran (25.). Zazai, der vor der Finalserie betonte, unbedingt Meister werden zu wollen, verkürzte gar auf 56:62 (26.). Damit nicht genug: Die Towers spielten nun eine erstickende Defensive, nach dem Dreier von Justus Hollatz zum 62:64 (28.) ertönte Kampfgebrüll von der Bank und aus dem Block der nach Nürnberg gefahrenen Fans. Zum Viertelende lag der Hauptrundenvierte beim Hauptrundendritten mit 64:70 hinten.

Ähnlich wie bei einem All-Star-Game machten beide Kontrahenten am Ende ernst. Nun gab es keine Geschenke mehr. Sportlich bedeutungslos? Wohl kaum, wenn technische Fouls verteilt werden und sowohl Taylor als auch Nürnbergs Ralph Junge Gesprächsbedarf mit den Schiedsrichtern haben. Hier war nun Feuer drin. Lediglich Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby beobachtete in Gewissheit des sicheren Aufstiegs für seine Verhältnisse extrem entspannt das Endspiel. In diesem verpasste der Chemnitz-Bezwinger mehrfach die Gelegenheit auf den Ausgleich. Immerhin brachte Beech seine Mannen per Distanzwurfe, der seine berühmte „Eis in den Venen“-Geste folgte, auf 76:77 heran (36.). Die beiden besten Defensivteams der ProA teilten kräftig aus. Besonders imposant war das Center-Duell zwischen dem starken Freese und Falken-Big-Man Robert Oehle. Obwohl der Hamburger seinen Mann stand, blieb die Story der vergebenen Ausgleichschancen die alte. Ein Barham-Dreier ließ 1:09 Minuten vor dem Buzzer erneut Hoffnung aufkeimen (82:84). Müller machte ein 85:86 daraus, während der Überraschungsaufsteiger aus dem Frankenland an der Freiwurflinie ein Festmahl speiste. 87:88 durch Walker, immer noch fehlte ein Zähler. Barhams Layup zur Führung acht Sekunden vor Schluss sprang aus dem Ring, im Gegenzug verwandelte Juwan Parker beide Freiwürfe zum 90:87. Dabei blieb es, da die Towers im letzten Angriff unglücklich den Ball verloren.

„Ich bin sehr stolz, wie die Jungs gekämpft haben. Am Anfang hat uns etwas der Fokus gefehlt, aber wir sind zurückgekommen und liegen zur Halbzeit nur mit drei Punkten zurück. Unser Vorteil in der zweiten Hälfte des Finales sind die großartigen Fans daheim in Hamburg“, sagte Taylor.

Hamburg Towers: Guyton (3 Punkte), Zazai (10), Beech (15), Walker (3), Montana (10), Kovacevic, Kindzeka, Müller (9), Freese (15), Hollatz (7), Raffington (1), Barham (14).

Das Rückspiel wird bereits in zwei Tagen ausgetragen. Am Samstag, 4. Mai, um 19.30 Uhr gastieren die Nürnberger zur Aufstiegssause in der Wilhelmsburger edel-optics.de Arena. Im Anschluss an die Begegnung gibt es die offizielle Meisterehrung, ehe Mannschaft und Trainerstab lange für Autogramm- und Fotowünsche bereitstehen. Taylor wünscht sich zum Finale ein „Mad-House, in dem die Fans viel Spaß haben sollen“.