Piraten Hamburg

Als die Piraten Hamburg im Herbst 2009 in ihre erste Saison überhaupt gingen, war alles neu: Der Name, die Mannschaft, das Trainerteam, die Liga. Einfach alles. Die Idee, die besten Talente des Hamburger Basketballs unter einem Dach zu vereinigen, gab es schon länger. Doch umgesetzt hatte sie bislang keiner: unterschiedliche Interessen, Neid, der misstrauische Blick zum Nachbarclub, fehlende Manpower, das eigene Süppchen. Viele Faktoren, die in der Vergangenheit ein Projekt nach Machart der Piraten be- und verhinderten und damit neue Impulse zugunsten der Nachwuchskräfte in und um Hamburg ausbremsten.

 

Die Initiatoren der Piraten scherten sich nicht um Vergangenes. Sie handelten. Mit Headcoach und Ex-Nationalspieler Marvin Willoughby und Manager Marcus Meyer an der Spitze schickten sie sich an, in der Jugend Basketball Bundesliga (JBBL) auf Beutezug zu gehen. Die Piraten waren geboren. Sie verstehen sich als Kooperationsangebot für Hamburger Basketballclubs, die ihre Besten zusätzlich von den Piraten trainieren lassen. „Mit vielen Vereinen stehen wir in engem Kontakt. Die Jungs können so in ihrem angestammten Club und bei uns antreten. Das motiviert alle zu höheren Leistungen.“ Für seine Talentschmiede hat Basketball-Profi Willoughby mit seinen Weggefährten eine ehrgeizige Philosophie entwickelt. „Wir wollen Jugendspielern vermitteln, ehrgeizig zu sein. Dazu gehört auch, der Beste sein zu wollen und jedes Spiel gewinnen zu wollen“, erläutert der Cheftrainer. „Gleichzeitig ist uns die Entwicklung eines jeden Spielers sehr wichtig. Erfolgreich sind wir nur, wenn sie motiviert und gesund sind. Deshalb haben wir die Balance zwischen Leistungssport und körperlicher und seelischer Gesundheit unserer Jungs genau im Blick.“

Doch Talentförderung ist nur ein Teil des Piraten-Plans. „Die Saison ist unser Tagesgeschäft. Langfristig wollen wir eine Weiterentwicklung erleben. Wir haben eine Vision, wie die Zukunft des Hamburger Basketballs aussehen kann“, erklärt Piraten-Gründer Willoughby. Dass sich der ehemalige Teamkollege von Dirk Nowitzki selbst als Zugpferd des Projekts eingespannt hat, kündet von einer Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit, die für jeden Erfolg eine unbedingte Voraussetzung ist. Persönliche Interessen oder Eigenprofilierung stehen dabei weder an erster noch an zweiter Stelle. Sie sind den Machern fremd: „Wir tun das um der Sache willen. Wir wollen den Basketball in Hamburg voranbringen“, betont Willoughby. Der gebürtige Wilhelmsburger weiß wovon er spricht. Als Jugendlicher musste er 1998 den SC Rist und damit das Hoheitsgebiet des Hamburger Basketball Verbands (HBV) verlassen, um seinen nächsten persönlichen Karriereschritt zu tun und sich mit den Besten der Besten in Deutschland zu messen. „In Zukunft sollen junge Talente nicht mehr in die Fremde gehen müssen, wenn sie Karriere machen wollen. Unser Ziel ist, dass engagierte Basketballspieler an Elbe und Alster auf höchstem Niveau agieren können“.

 

Diesem Ziel sind Willoughby und sein Team ein gutes Stück näher gekommen. Die Premierensaison 2009/2010 ist gut verlaufen. „Das waren alles sehr gut ausgebildete Spieler. Da müssen wir den Vereinen und ihren Trainern großen Dank aussprechen.“ Auch die Hilfe und das Verständnis der Eltern sei ein großer Faktor gewesen, der zum Gelingen der ersten Saison beigetragen habe, sagt der ehemalige Nationalspieler. Denn letztlich gehe es nur mit der Freude und Lust an der Sache“. Freude hat auch Willoughby selbst, wenn er seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz aus 35 A-Länderspielen und zahlreichen Bundesliga-Auftritten an seine Jungs weiterreicht: „Wir haben super Charaktere in der Mannschaft, die das Projekt und das Training sehr gut annehmen und sich verbessern wollen.“
Inzwischen trainieren bei den Piraten eine JBBL- und eine NBBL-Mannschaft. Viele unserer Spieler werden jedes Jahr erfolgreich beim Bundesjugendlager in Heidelberg gesichtet und für die Bundesauswahl nominiert. Ismet Akpinar wurde in der NBBL zum „Rookie of the year“ gewählt. „Easy“ wurde von Bundestrainer Kay Blümel in das U18-Nationalteam berufen, spielt heute im BBL-Team von Alba Berlin. 

Neben seinen Jobs als Piraten-Chef und Bundestrainer engagiert sich Willoughby für sein Heimat-Quartier Wilhemsburg. Als bekannt wurde, dass die Bundesgartenschau in 2013 auf der Wilhelmsburg ausgerichtet wird, hat er die Gunst der Stunde genutzt und sich für eine Inselakademie mit angeschlossener Sporthalle stark gemacht. Die Idee: Ein gesundes Umfeld für neue Wohngegenden in Wilhelmsburg zu schaffen, das jungen Menschen den Start in ein erfolgreiches Leben erleichtert. Schon seit längerem verfolgt er dieses Ziel, jungen Menschen in ihrer Umgebung mit dem offenen Sportangebot „Sport ohne Grenzen e.V.“ zu Leistung zu motivieren. Willougby geht es bei seinem gesamten Engagement um viel mehr als nur um Sport: „Unsere Jungs lernen, dass nur der Engagierte erfolgreich sein kann. Auch bei den Piraten legen wir viel Wert auf einen vernünftigen Umgang miteinander. Nur so werden sie ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft und zufriedene Persönlichkeiten.“

Mittlerweile tragen die Piraten ihr Heimspiele in der neuen Sporthalle im Inselpark aus und Willoughby ist Mitgründer und sportlicher Leiter des ProA-Teams Hamburg Towers, die gleich im ersten Jahr ihres Bestehens die Playoffs erreicht haben.

Text: Christiane Brandes-Visbeck

Unsere Partner

Towers Tweets

Hamburg Towers auf Facebook