24.01.2018

„Kinder, nicht Ergebnisse stehen bei uns an erster Stelle“

Christoph Nicol ist Mini-Koordinator bei den Hamburg Towers. Am Wochenende war er anlässlich der Minitrainer-Offensive bei einem Lehrgang in Würzburg. Wir haben uns mit Christoph über seine Arbeit, Perspektiven und Potenziale im Minibereich unterhalten.

Was ist die Minitrainer-Offensive?

Eine Initiative des DBB, der BBL, ProA, ProB, DBBL und Basketball-Ausbildungsfonds, die sich zum Ziel gesetzt hat, Minis für den Basketball zu gewinnen und dann kindgerecht zu trainieren. Bei der Offensive werden dafür Trainer speziell von Experten ausgebildet. Im Optimalfall entwickeln sich die ausgebildeten Minicoaches dann selbst zu Referenten für nachfolgende Generationen.

Du hast die Experten angesprochen, die euch während der Ausbildung als Mentoren unterstützen. Wer zählt zu diesen Spezialisten?

Die beiden „Schirmherren“ des Projekts sind Tim Brentjes vom DBB und Christian Steinberg vom Ausbildungsfonds. Die Experten sind die besten Minitrainer aus Deutschlands größten und erfolgreichsten Programmen. Um nur einige zu nennen: Mirko Petrick und Marius Huth von Alba Berlin, Marko Woytowicz vom FC Bayern München, Maxim Hoffmann von den EWE Baskets Oldenburg, Rico Gottwald von den Dresden Titans und Jürgen Maaßmann, der den Leitfaden für den Minibasketball geschrieben hat.

Was unterscheidet einen Minitrainer von einem Jugend- und Erwachsenentrainer?

Das Training kleiner Kinder hat ganz andere Ansprüche als das für Jugendliche. Einheiten in der U14 und U16 beinhalten praktisch schon runtergebrochene Übungen, die auch im Erwachsenenbereich zur Anwendung kommen. Bei den Minis geht es zwar auch darum, Technik zu vermitteln, dies geschieht allerdings jederzeit spielerisch. Wir üben in diesen Altersstufen nicht pausenlos nur Korbleger oder fünf unterschiedliche Passtechniken, sondern vermitteln dies alles spielerisch. Perfekt ist, wenn sich das Kind basketballerisch verbessert, aber dabei immer das Gefühl hat, gerade ein Spiel zu spielen.

Was beinhaltet die Ausbildung bei der Minitrainer-Offensive?

Jährlich besteht die Möglichkeit, sich dafür zu bewerben. Meistens werden rund 15 Coaches ausgewählt. Diese erhalten dann Zugang zu einem Online-Campus. Dort werden uns Aufgaben gestellt, beispielsweise einen Trainingsplan zu einem bestimmten Thema zu erstellen oder das eigene Training zu filmen. Im Austausch mit den anderen Teilnehmern sowie Experten der großen Vereine, die wertvolle Tipps geben, entwickeln sich fruchtbare Diskussionen. Außerdem besuchen wir drei Präsenz-Lehrgänge, die jeweils vier Tage andauern und einer Coach-Clinic gleichen.

Was waren die Themen bei deinem Lehrgang in Würzburg?

Diesmal hatten wir Referenten aus anderen Sportarten zu Gast. Es war sehr interessant zu hören, wie zum Beispiel im Handball und der Leichtathletik Minitraining geplant wird. Der sportartübergreifende Faktor ist uns besonders wichtig. Deutlich herausgestellt wurde, das hier wie da gilt: Wir arbeiten mit Kindern, nicht mit Maschinen. Zudem war „Coach the Coach“ ein zentrales Thema. Wir haben gegenseitig kleine Trainingseinheiten beobachtet und uns Feedback dazu gegeben.

Was ist euer Anspruch als qualifizierte Minitrainer?

Wir möchten Kinder früh für unseren Sport begeistern, ihnen möglichst viele Erfolgserlebnisse vermitteln. Bei speziellem Minitraining ist die Anzahl dieser kleinen Erfolge viel höher als beim klassischen Basketballtraining, wo hin und wieder Kinder zu schnell wieder die Lust verlieren und die Sportart wechseln. Wir schaffen die Grundlagen, dass die Minis später die Chance haben, gute Basketballer zu werden. Und selbst, wenn sie später keine Basketballer, sondern Fußballer, Handballer oder „Sportmenschen“ werden und ihre Kinder später wieder zum Mini-Basketball schicken, haben wir unser Ziel erreicht.

Die Minitrainer-Offensive ist im dritten Jahrgang. Gibt es bereits positive Resultate zu vermelden?

Die Anzahl an Spielerpässen im Minibereich steigt von Jahr zu Jahr, während sie bei vielen anderen Sportarten rückläufig ist.

Wo besteht noch Verbesserungspotenzial im Minibereich?

Zu allererst sollte es einheitliche Regeln deutschlandweit geben, derzeit gibt es zwar Empfehlungen, aber jeder Verband darf sein eigenes Süppchen kochen. Ein großes Thema sind zudem die niedrigeren Körbe auf 2,60 Meter für die Minis. Bei jedem Hallenneubau müssen wir dran sein, dass dort höhenverstellbare Körbe eingebaut werden. Die sind in der Anschaffung nicht teurer als Standardkörbe, erst die Umrüstung ist richtig kostspielig. Des Weiteren werden viel, viel mehr qualifizierte Trainer in diesem Bereich benötigt. Es darf nicht immer nur der Jugendspieler oder der FSJler sein, der Minis trainiert, sondern gerade in diesem Alter braucht es Trainer mit Erfahrung. Einige scheuen sich aus Angst, die Kinder könnten in diesem Alter noch nicht richtig spielen. Aber das sollte losgelöst von bloßen Resultaten betrachtet werden. Entscheidend ist eine durchgängige Betreuung in Kita, Grundschule und Verein, um eine gute sportliche Ausbildung zu ermöglichen. Dann, bin ich mir sicher, wird es bald mehr Nowitzkis und Schröders geben.

Warum macht es Spaß, ein Minitrainer zu sein?

Die Begeisterung der Kinder ist ansteckend. Wenn sie spielen und dann noch mitbekommen, dass sie mehr können als ursprünglich angenommen, ist ihr Glück spürbar. Fortschritte sind von Trainingseinheit zu Trainingseinheit erkennbar, so riesig sind die Leistungssprünge nur in diesem Alter. Das mitzuerleben, ist einmalig.

Wie ist der Minibereich bei den Hamburg Towers organisiert?

Wir betreuen mehr als 20 Grundschul-AGs in ganz Hamburg. Dazu kommt eine Grundschulliga in Wilhelmsburg, an der sechs 3. Und 4. Klassen sowie vier 1. und 2. Klassen teilnehmen. Das bedeutet, auch die Kinder, die nur in der AG aktiv sind, haben regelmäßig das Erlebnis, sich gegen andere Teams zu messen. Ab Mitte Februar gehen wir mit einem Kita-Projekt an den Start, bei dem wir das Sportangebot mehrerer Kindergärten in Wilhelmsburg erweitern. Im Verein bei uns gibt es eine Ballsportgruppe, die schon für Kleinkinder offen ist.

Warum sollten Eltern ihre Kinder zu den Towers ins Miniteam schicken anstatt zu einem anderen Verein?

Weil sie bei uns gut aufgehoben sind, von qualifizierten Trainern betreut werden und an erster Stelle stehen. Resultate sind zweitrangig. Wir profilieren uns nicht darüber, das beste Team in Hamburg zu sein. Unser Alleinstellungsmerkmal ist stattdessen, dass sich jedes einzelne Kind entwickeln kann und auch dann nicht zurückbleibt, wenn es für den leistungsorientierten oder später professionellen Bereich nicht gut genug ist. Später soll jeder ehemalige Towers-Mini einmal sagen, dass es ein geiles Erlebnis war, für uns zu spielen und er das seinen eigenen Kindern auch ermöglichen möchte.

Gibt es konkrete Aktionen, bei denen basketballbegeisterte Minis bei euch reinschnuppern können?

Ja, die gibt es: Unser Minicamp in den Pfingstferien vom 8. bis 11. Mai ist eine gute Gelegenheit dafür.

Infos darüber gibt es hier!