05.03.2018

JBBL: Krimi zum Playoff-Auftakt

Der erste Schritt ist getan. Die Piraten haben den Auftakt der JBBL-Playoffs gegen die Jungwölfe des Mitteldeutschen BC in einem absoluten Herzschlagfinale mit 73:72  für sich entschieden und nehmen einen 1:0-Vorsprung in der Best-of-Three-Serie am kommenden Wochenende mit nach Weißenfels.

Dennoch war es nicht nur kein Spaziergang, sondern ein echter Krimi nach Henning-Mankell-Manier  gegen das äußerst motivierte Team aus Sachsen-Anhalt. Den Gästen oblag es auch, die ersten Akzente zu setzen. Diese starteten selbstbewusst in die Partie und begannen mit einem 5:0-Run, während die Piraten noch nach ihrem Pulver suchten und das Visier zurechtrücken mussten. Vor allem die Quote von der Dreierlinie (1 von 7) im ersten Viertel sprach dabei Bände. Es dauerte, bis die Hausherren ihren Rhythmus fanden, die Größenvorteile ausspielten und unter dem Korb zum Erfolg kamen. Doch während das Offensivspiel etwas an Fahrt aufnahm, schlichen sich auf der anderen Seite immer wieder Fehler in den Rotationen ein, sodass der MBC immer wieder zu einfachen Punkten kam und die Partie bis zum Viertelende beim Stand von 15:15 ausgeglichen gestaltete.

Zu Beginn des zweiten Abschnitts zeigten die Piraten dann aber ihre ganze Qualität. In der Verteidigung  kämpften sich die Schützlinge von Headcoach Özhan Gürel energischer über die Blöcke, und auch die Closeouts sowie die Hilfe von der Weak Side waren jetzt aggressiver, sodass die Jungwölfe zusehends zu kleinen Welpen zusammenschrumpften und eine ganze Reihe von Fahrkarten schossen. „Wir waren im zweiten Viertel wirklich gut auf den Beinen, haben ausgezeichnet verteidigt und es dem Gegner ungemein schwer gemacht“, erklärte Gürel nach der Partie.

Die schlechten Würfe und forcierten Ballverluste führten dazu, dass die Gastgeber das Spiel zunehmend schnell machen und ihre Stärken ausspielten. Auch im Positionsangriff überzeugten die Hamburger plötzlich mit einer wahnsinnig guten Quote und trafen nach zum Teil herrlichem Zusammenspiel zwischen Linus Hoffmann (11 Punkte und 13 Rebounds) und Alonzo Bakija (20 Zähler, 8 von 9 aus dem Feld) alle vier ihrer Versuche von jenseits der Dreierlinie, sodass es mit einem komfortablen 41:33 in die Halbzeit ging.

Allerdings schien der Pausentee dem Wilhelmsburgern nicht bekommen zu haben. Denn nach der Unterbrechung kamen die Korbjäger von der Elbinsel einfach nicht auf Betriebstemperatur. Teilweise haarsträubende Turnover und die fehlende Intensität in der Arbeit gegen den Ball ließen den MBC wieder zurück in die Partie kommen und zunehmend an die Chance glauben, dass der Sieg aus der edel-optics.de Arena entführt werden könnte. Dieser Umstand machte sich auch auf der Anzeigentafel bemerkbar. Denn den Rückstand aus der ersten Hälfte hatten die Gäste vor allem durch einen 12:0-Lauf zum Viertelende in einen 57:53-Vorsprung gedreht.

Doch wer zu Beginn des Schlussabschnitts auf eine Reaktion der Piraten baute, musste dies erstmal vergeblich tun. Die Gäste bestimmten weiterhin das Spielgeschehen, sodass verunsicherte Hamburger sich auf unruhige Gewässer gefasst machen mussten und durch 23 Ballverluste immer wieder selber aus dem Tritt brachten. „Wir waren einfach nicht da, haben zu viele Fehler – individuell und als Team – begangen und den Gegner erst stark gemacht“, kritisierte Gürel. Der Nachwuchs aus der Saale-Stadt wusste aus den Fehlern der Wilhelmsburger Kapital zu schlagen und zog knapp sechs Minuten vor Schluss auf 68:59 davon.

Die Wende brachten dann aber die letzten drei Minuten, als die Hamburger sich wieder auf Basketball und ihre eigenen Stärken besannen. Der überragende Semjon Weilguny (26 Zähler, 4 Dreier und 5 Assists), dessen verwandelte Distanzwürfe die Hanseaten erst wieder in die Partie zurückgebracht hatten, nahm dann 17 Sekunden vor Spielende das Heft des Handelns in Hand und tankte sich zum Brett durch. Der Aufbauspieler erzielte per Korbleger die entscheidenden Punkte für den denkbar knappen Erfolg. Denn auf der anderen Seite schaute der Ball Millisekunden vor Schluss eben nur in den Ring, bevor die orangene Murmel sich dann doch dagegen entschied, den Piraten noch das Herz zu brechen.

„Es wartet für die nächste Partie eine ganze Menge Arbeit auf uns, doch jetzt genießen wir erstmal den Erfolg und dann bereiten wir uns ganz in Ruhe auf das Rückspiel am nächsten Wochenende vor“, resümierte ein erleichterter Gürel kurz nach der finalen Sirene.

Bereits nächsten Sonntag muss das junge JBBL-Team in Weißenfels zur zweiten Partie antreten. Das Spiel in der Dreifelderhalle der Sportschule Halle beginnt dann um 15 Uhr.